Siegessäule - Katharina Geiser liest „Diese Gezeiten“ im Literaturhaus, 23.2.

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Katharina Geiser liest „Diese Gezeiten“ im Literaturhaus, 23.2.


Geisers zweiter Roman „Diese Gezeiten“ folgt den Spuren der Künstlerinnen Lucy Schwob und Suzanne Malherbe.

© Manuel Suter Katharina Geiser

siegessaeule.de 22.2. – Es ist ein einfacher Grabstein, moosbewachsen. Darauf zwei Davidsterne und die Namen zweier Frauen: Lucy Renée Mathilde Schwob und Suzanne Alberte Malherbe, Stiefschwestern, die zugleich ein Liebespaar waren. Um 18 Jahre überlebte Suzanne ihre Lebensgefährtin. Bis zu Lucys Tod verbrachten sie nicht nur den Großteil ihres Lebens miteinander, sie waren auch künstlerische Weggefährtinnen. Unter den Pseudonymen Claude Cahun und Marcel Moore waren sie fester Bestandteil der surrealistischen Kreise in Paris um André Breton, Henri Michaux und Georges Bataille. Es entstanden gemeinsame Arbeiten im Bereich der künstlerischen Collage und der Fotografie, in denen sie auf äußerst radikale Weise mit Geschlechteridentitäten experimentierten und gängige Weiblichkeitsbilder hinterfragten.

Lucy und Suzanne engagieren sich im Widerstand gegen die Nazis 

Im Jahr 1937 erwarben Suzanne und Lucy das Landgut „La Roquaise“
auf der Kanalinsel Jersey, um sich weitab vom Trubel der Pariser Boheme ganz ihrer künstlerischen Arbeit und ihrer Beziehung zu widmen. Hier auf Jersey, auf dem Friedhof der St. Brelade’s Church, findet sich der moosbewachsene Grabstein. Und hier war es auch, wo die Schweizer Autorin Katharina Geiser während eines Besuchs auf die beiden Frauen aufmerksam wurde.

Ihr Roman „Diese Gezeiten“ nähert sich dem Teil des Lebens der Künstlerinnen an, den sie auf der Insel verbracht haben. Am 1. Juli 1940 wird die Insel, strategisch günstig zwischen Frankreich und England gelegen, von den Deutschen besetzt. Lucy und Suzanne engagieren sich mit Beginn der Besatzungszeit im Widerstand: Sie gestalten Flugblätter, Plakate, Desertationsaufrufe an die deutschen Soldaten, die sie auf eigene Faust auf der Insel verteilen. Vier Jahre lang bleibt ihre Untergrundtätigkeit unentdeckt. Im Juli 1944 werden sie jedoch verhaftet und wegen Truppenzersetzung zum Tode verurteilt. Die Befreiung durch die Alliierten verhindert glücklicherweise die Vollstreckung des Urteils.

„Diese Gezeiten“ beschreibt den Lebensentwurf zweier unangepasster und äußerst couragierter Frauen. Der Roman ist sprachlich höchst anspruchsvoll aufgebaut und orientiert sich in liebevoll beobachteten Details an der Biografie der Künstlerinnen. Zugleich befreit er sich weit genug davon, um als eigenständiges literarisches Werk für sich zu stehen.
Elke Koepping

Katharina Geiser: „Diese Gezeiten“, Verlag Jung und Jung, 362 Seiten, 24 Euro

Lesung von Katharina Geiser, 23.2., 20 Uhr, Literaturhaus Berlin

Mehr zur Location: Literaturhaus Berlin


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