Buch
Rainer Hörmanns zweiter Roman „Immer wieder samstags”
Hörmann beschreibt auf amüsante Weise die Folklore und Rituale der schwulen Welt – die Lesung ist am 23.11. im Schwulen Museum
siegessaeule.de 22.11 – Ein junger und gesunder Mann, der mit seinem Lebenspartner einmal im Jahr auf die Kanaren fliegt und im Sommer auf einem CSD-Wagen zu House-Musik sein Sixpack präsentiert: das ist so ungefähr das Bild eines Schwulen, das einem heutzutage von den Medien suggeriert wird. Doch Klischees und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen ist die Agenda von Rainer Hörmann. Schon in seinem 2005 erschienenen „Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein“ hat er das erfolgreich gemacht. Anhand von Phänomenen wie dem sogenannten straight acting entlarvte er damals den weit verbreiteten Wunsch vieler Schwuler, „normaler“ als jeder Hetero zu sein.
CSD verkommt bei Hörmann zum bloßen Mummenschanz
In dem nun erschienenen Nachfolger legt er sein Augenmerk speziell auf die Folklore und die Rituale der schwulen Welt und darauf, welche Rolle kollektive und individuelle Erinnerungen spielen. Laut Hörmann gliedert sich das „schwule Jahr“ in eine Abfolge von Feiertagen, die von den meisten pflichtbewusst eingehalten werden. Unbehagen überkommt ihn, wenn eigentlich geschichtsträchtige Gedenktage wie der CSD zum „bloßen Mummenschanz“ verkommen und der politische Anlass zugunsten des Partyevents immer mehr verblasst. Gerade der CSD dient ihm als gutes Beispiel für eine Normierungsmaschinerie, die nur noch ein einheitliches und starres Bild von Schwulen und Lesben zulassen soll. Obwohl diese Kritik angebracht ist, vermisst man doch noch andere Erklärungsmodelle.
Reiner Narr (Ausschnitt, der vollständige Text steht in dem aktuellen Heft der Siegessäule)
Lesung: 23.11., 19 Uhr, Schwules Museum
Rainer Hörmann: „Immer wieder samstags. Was die schwule Welt zusammenhält“, Querverlag, 250 Seiten, 14,90 Euro
Mehr zur Location: Schwules Museum
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