Buch
„Die Königsfälschung“: Skandalgeschichte aus dem homosexuellen französichen Königshaus
Das Buch versucht zu belegen, dass Ludwig XIII. schwul und Anna von Österreich lesbisch waren, somit der spätere Ludwig XIV. nicht ihr leibliches Kind
© Interfoto Austrian Archives
SIS 19.1. – Volker Elis Pilgrim alias Max Melbo versucht in „Die Königsfälschung. Ludwig XIV. – Operation Kronnprinz“, einen der größten Skandale der französischen Geschichtsschreibung aufzudecken: Der Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638–1715), Sohn von Ludwig XIII. und Anna von Österreich, soll demnach gar nicht das leibliche Kind seiner Eltern gewesen sein. Vielmehr verhielt es sich offenbar so, dass seine Eltern beide homosexuell waren und ausschließlich eine Zweckehe führten. Um den Fortbestand der Königsdynastie und damit die Vormachtstellung der katholischen Kirche in einem vom Protestantismus heimgesuchten Frankreich zu sichern, wird dem schwul-lesbischen Königspaar einfach ein Kind aus dem Volk untergejubelt! Die Hauptverdächtigen des ausgefuchsten Coups sind papstvertraute Kardinäle, die alle Hände voll zu tun haben, um die Ungereimtheiten vor dem Volk zu verwischen und glattzubügeln.
Schon Jahre vor der eigentlichen „Geburt“ wird öffentlichkeitswirksam auf die vorgetäuschte Zeugung desselben hingearbeitet. Dazu gehört, dass dem durch und durch schwulen Ludwig XIII. noch in seinem vierten Jahrzehnt ein Heteroprofil eingestanzt wird. Eine der Strategien dabei war, das schon seit rund 20 Jahren unfruchtbare Königspaar so darzustellen, als sei es medizinisch und religiös um Fruchtbarkeit bemüht. Dafür reist das schräge Ehepaar an Walfahrtsorte und genießt Bäder in Heilquellen, denen schwangerschaftsfördernde Wirkungen nachgesagt werden. Heerscharen von Priestern werden beauftragt, für den Erfolg der „Befruchtung“ zu beten; ein neuer, ins Vertrauen gezogener Hofastrologe wird engagiert und verkündet schon weit vor der „Zeugung“ das Kommen eines Thronfolgers. „Royal Fuck Public Relations“ nennt der Autor Max Melbo all das. Doch auch nach der „Geburt“ haben die Bösewichte der Camouflage noch ordentlich zu tun. So werden im Laufe der Jahre fleißig Bilder retuschiert, Mitwisser erpresst, Fakten geheim gehalten, verdreht und beschönigt.
Nachdem ihm seine Mutter kurz vor ihrem Tod beichtet, dass er eigentlich ein illegitimer Nachfolger ist, mutiert der narzisstische Sonnenkönig zu einem Diktator und hält Europa 47 Jahre militärisch in Schach.
Für alle historisch Interessierten ist Melbos Werk eine Fundgrube an kommentierten Fakten, die Beweislage ist oft zu erdrückend, um als unglaubwürdig abgetan zu werden. Allerdings flacht der Plot schon nach einem Drittel ab bzw. ertrinkt nach der Aufdröselung des Falls in einem Meer von Details. Nichtsdestotrotz sorgt die für die 68er-Generation so typische verquaste Sprache des Autors für ein gewisses Amüsement. Reiner Narr
Max Melbo, „Die Königsfälschung. Ludwig XIV. – Operation Kronprinz“, Osburg Verlag, 464 Seiten, 22,90 Euro
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