Bühne
„Don Pasquale“: Weit und breit kaum Liebe
Die Komische Oper macht aus Donizettis Spätwerk eine Klamotte, die gesanglich mehr als inhaltlich überzeugt, drei Termine im April
© Monika Rittershaus
SIS 3.2.2010 – Ein Senior auf Freiersfüßen: Gaetano Donizettis Oper „Don Pasquale“ ist an sich eine komische Oper mit tragischen Anteilen. In der Inszenierung von Regisseurin Jetske Mijnssen wird Don Pasquale zum notgeilen alten Knacker, sein Neffe ist ein Klemmi voll Phlegma, Hausarzt Malatesta der geldgierige Lüstling: Die Männerauswahl in „Don Pasquale“ glänzt durch mehr und weniger gelungene Erektionen. Und dennoch werden alle charakterschwachen Helden noch von der durchtriebenen Norina getoppt, die jeden nimmt, der ihr nützlich sein kann. Fazit von Regisseurin Jetske Mijnssen: Wahre Liebe gehört der Jugend, aber die interessiert sich noch mehr fürs Geld.
Gesanglich ist der Abend in der Komischen Oper gehaltvoller. Besonders Christine Karg überzeugt als Norina mit Sex-Appeal, lockeren Trillern und dramatischen Momenten. Bariton und Hausarzt Günter Papendell macht stimmlich und auch unbekleidet eine sehr gute Figur. Ausgerechnet die kleinste Rolle wird am meisten bejubelt. Die riesige „Notarin“ Ingo Witzke überragt als Drag Queen den Rest der Truppe nicht nur um fast zwei Köpfe, sondern auch charakterlich: Sie zieht als einzige die Liebe dem Geld vor. Immerhin! Ein Mitarbeiter der Komischen Oper hatte im Vorfeld „einen braven Abend ohne Sperma“ vorhergesagt. Am Ende gab es vom Publikum überraschend viel Beifall für eine recht platte Neuinszenierung.
Holger Wetzel
„Don Pasquale“, wieder am 20./27. Februar
11./20. März, 5./8./16. April, 6./15. Juli
zurück
Weitere Artikel dieser Rubrik
- Balance ist Glück: Die Sopranistin Adrianne Pieczonka
- „In Tau gekleidet": Vom schwulen Drogenopfer zum Zen-Mönch
- Orlando an der Komischen Oper: Liebeswahn im Hippiewald
- Sex und Seelenheil: „Erich von Stroheim” in der Brotfabrik
- Queere Poesiezone: Das 11. Poesiefestval Dichtkunst 4.–12.6.
- Original auf Abwegen: Edith Schröders neue Show „Made in Neukölln”
- „Schwarze Jungfrauen“: perfekte Symbiose von Sex und Islam
- Überraschende Premiere: „Symphony of Sorrowful Songs“
- Queere Playbackkönigin: bridgeland zwei im O-TonArt
- Saftige Blutbäder: „Cheap Blood” in den Sophiensaelen
- Wunderbar gottloses Entertainment: Our Lady J
- Siegessäule präsentiert: „Mahabharata“ – Erlebnis für alle Sinne
- Die vielen Frauen der Cloozy Haber: Eine sehr lustige Premiere
- Ein eignes Universum: „Istanbul, Transgeliner“
- Schlager-Abtausch: Die Dee mit „Wo meine Sonne scheint“
- Bronx trifft Bach: „Flying Bach“ in der Nationalgalerie
- Schwuler Bauchtanz-Star Zadiel bei „Orientalhane“
- „Kein Plan, kein Zufall“ versus. „Trust me"
- „Diyalog“: Un-Sterblichkeit, Tanz und getürkte Anworten
- „Ass-Dur“: große Kleinkunst
- Hommage an die Kunst des Tanzens von Antony Rizzi
- „Wienerblut“ – heiße Dekadenz in der Blutbar
- „Heil Rienzi!“ Richard Wagners Oper ist ab 5.4. wieder zu sehen
- Kiezknüller: Das Theater im Keller im Reuterkiez
- „Die blöde Geschichte mit dem Holocaust“: Polak darf das
- Gayle Tufts als Everybody's Showgirl
- Megalopolis: Die moderne Stadt entlädt sich auf der Bühne
- Sven Ratzkes „dEBUT“ aktuell in der Bar jeder Vernunft
- Tragikomische Theaterdiven: Rosa Enskat & Susanne Jansen
- „Weinen und lachen“: Ralph Morgenstern in „33 Variationen“
- „Scheitern ist das Spannendere“ – auch beim Sex
- Yes, she can: Gayle Tufts ist „Everybody's Showgirl“
- „Rock the Ballett“: Moderner Tanz-Mix, der begeistert
- Pollesch hat uns nicht mehr lieb
- (Wieder-) eröffnet: Theater O-Ton-Art
- Boulevardeske Metaebene: René Polleschs „JFK“
- Tipp: Die sieben Zwerge als schwule WG
- Das Silvester-Ereignis: Katharina Thalbach inszeniert Rossinis „Barbier von Sevilla“
- „The Umbilical Brothers“ – lautmalerische Pantomime
- „Look Mummy, I'm Dancing“: berührende Geschichte
- „Boys don't cry“ als Theaterstück, wieder 27. und 28.1.
- „Rock the Ballett“: Tanzen bis der Saal kocht
- Tipp: Revue Qi im Friedrichstadtpalast
- Überwältigende Premiere von Lear an der Komischen Oper
- Roy Black neu entdecken
- Robert Wilsons „Woyzeck” endlich auch in Berlin
- Koloraturen auf dem Catwalk: „Agrippina“
- Nacktoper: „Armida“ an der Komischen Oper
- Tom van Hasselts „Dr.Ich“ feierte Premiere
- Saukomisch und kenntnisreich: „Gayromeo ist schuld“
- Thomas Kreimeyer: Kabarett mit Mitmachfaktor im QCC
- Zauberberg light am Gorki Theater
- „Ambrosia“: Mehr Collage als packende Show
- Simulation statt Subversion: „Black Flamingo“
- Flügellahme Fledermaus an der Staatsoper Unter den Linden
- Grandios: „Zwei auf einer Bank"
- L'amour fou: Zerissenheit nach verlorener Liebe
- „Wenn Ediths Glocken läuten“ jubelt das BKA-Theater
- Berlin Comedian Harmonists: „Verrückte Zeiten“
- Manege frei: Verdis „Rigoletto“ in der Komischen Oper Berlin
- Küss mich, Dagmar – Kiss me Kate: grandioses Comeback
- Reinster Pop: Frédéric Gies über sein Tanzstück „Album“
- Weibershow: Die Gorilla-Ladys improvisieren
- Edith Schröder wieder Superstar im BKA
- Wunderbar provozierend: Barockoper „Armida“
- Die Trash-Comedy Show „Zero Tolerance“ im BKA
- Hanna Schygulla: Mein Leben
- „Der Schuh des Manitu“, aktuell im Theater des Westens
- Umjubelte Premiere: Sandra Hüller als Virgin Queen
- „Pique Dame“, Thriller mit Anti-Helden an der Komischen Oper
- Eine Verbeugung vor der Diva: „Marlene“
- Tipp: Improvisationskünstlerin Billa Christe mit den „Gorillas“
- Tipp: Provokant und eindrucksvoll: „Madame Butterfly“ 7.6.
- Therapie-Rap bei „Der innere Innenminister“, 5. und 6.6.
- Lorcas Doña Rosita am Berliner Ensemble
- Keine political correctness: „The Producers" persifliert alles!
- Langeweile trotz erstklassiger Inszenierung: ”The Producers“
- Tipp: Das Kleine Theater, Marlene Dietrich oder Oscar Wilde
- Tipp: Lorcas Doña Rosita mit vielen ledigen Damen
- Tipp: Performance Festival In Transit, 11.-21.6.
- Labyrinth der Identitäten: „Der Rosenkavalier“ an der Komischen Oper
- Abstürze und Sinnkrisen: Die Geschwister Pfister in der Klinik
- "Fluchtpunkt Capri" – Das Leben des Norman Douglas ab 3.5.
- „Schneewittchen“ – Ballett an der Deutschen Oper im Mai
- Shakespeares Sonette am BE – wieder am 28. und 29.4.
- Billie Ray Martin vertont Roman Polanskis "Ekel" am DT, 8.5.
- "The Producers": Mel Brooks schwules Erfolgsmusical in Berlin
- Sex, Pussy-Power & Co.: "Volksschau" im Prater am 24. April
- Knochen, Roboter, Gender: „Move Berlim“: Tanzfestival
- Händels „krasse Geschichte von Liebe und Raserei“, Theseus, an der Komischen Oper
- 25 Jahre Siegessäule: „Radio Victor" mit Victor Schefé, 14.4.
- „Have a Party": schottische Tenöre schmachten im Tipi
- „Tribute to Jacques Brel“ im Admiralspalast im April
- PAM ANN, die schrillste Air-Hostess der Welt im März im Admiralspalast
- Girls just want to have fun!, bis 15.3.
- „Wie es euch gefällt“, ein wunderschöner Traum bis 15.3.
- „Ein Mädchen aus dem Volk“, die neue Show von Desiree Nick
- Desirée Nick feiert ihr Bühnenjubiläum im März in der Bar jeder Vernunft
- Canta:re, Berlins größter queerer Chor, beim Opernabend am 3.4.
- „Ediths Spätshow", im BKA Theater
- „Don't explain“, The Umbilical Brothers
- „Roemisch Fuenf – Die Sandalenshow“, O-Ton Piraten, 12.-14.2.
- “Nette Renee”: Revue
- „Bent – Rosa Winkel“, Theaterstück






