Bühne
„Heil Rienzi!“ Richard Wagners Oper ist ab 5.4. wieder zu sehen
Die Deutsche Oper zeigt die wohl kürzeste Fassung der Wagner-Oper
© Bettina Stoess im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN
SIS 29.1.2010 – „Rienzi“ war die Lieblingsoper Adolf Hitlers. Und der bediente sich kräftig im Libretto („Heil Rienzi!“), erhielt so manche Idee für inszenierte Aufmärsche und machte die Ouvertüre zur inoffiziellen Hymne des Dritten Reiches. Seitdem hat es Richard Wagners Frühwerk schwer auf den Bühnen. Philipp Stölzl, der auch mit Videoclips für Madonna und Rammstein bekannt wurde, inszeniert die Oper über den Volkstribun, der den Römern Freiheit verspricht und sich dann größenwahnsinnig über Gesetz und Ordnung stellt, als Parabel von Aufstieg und Fall eines Diktators.
Große Leistung: Er hat das „Opernmonstrum“ Rienzi auf zweieinhalb Stunden Dauer halbiert. Ergebnis ist ein musikalischer Querschnitt mit eindrücklichen Bildern nationalsozialistischer Prägung. Schon die Ouvertüre wird große Stummfilmmusik: Der Diktator in weißer Uniform dirigiert mit, schlägt munter Rad und springt freihändig auf einen Tisch auf dem Obersalzberg. Es folgt eine düstere Collage aus Nazi-Wochenschau- und „Metropolis“-Optik. „Das neue Rom“ à la Albert Speer ist in Planung und auf dem Weg dahin wird marschiert, marschiert, marschiert. Das ist überaus plakativ, stimmig inszeniert und nie langweilig – aber schon bald auch allzu vorhersehbar.
Nach allen Streichungen ist dieser Rienzi eine Choroper: Der Chor der Deutschen Oper nutzt diese Chance und singt hinreißend schön. „Heldentenor“ Torsten Kerl in der Titelrolle überzeugt als charismatischer Schauspieler, doch ausgerechnet in Rienzis großem Gebet im fünften Akt verlässt ihn gesanglich die Kraft. Dafür sorgt Kate Aldrich in der Hosenrolle des Liebhabers Adriano mit einem fein nuancierten Mezzosopran für die gesanglichen Höhepunkte der Premiere. Für Stölzls opulente Neuinszenierung halten sich am Ende Buh- und Bravorufe die Waage. Hingehen sollte man auf jeden Fall, denn so schnell wird Rienzi nicht wiederkommen. Höchstens in der noch radikaleren Kürzung als „Spiegel-TV“-Vorspannmusik.
Holger Wetzel
„Rienzi, der letzte der Tribunen“, wieder am 7.2., 10.2. und 5.4., 11.4., Deutsche Oper
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