Bühne
Koloraturen auf dem Catwalk: „Agrippina“
Die Staatsoper Unter den Linden setzt für Händels Frühwerk auf Haute Couture von Christian Lacroix, wieder am 12. und 14. Februar
© Monika Ritterhaus
SIS 9.2.2009 – Unter den bösesten Opern der Musikgeschichte gebührt Händels „Agrippina“ ein Ehrenplatz. Das Spiel um Machtgier und Lüsternheiten am römischen Kaiserhof hat Modeschöpfer Christian Lacroix sehr elegant eingekleidet und damit schon vor der Premiere für Schlagzeilen gesorgt. Seine Agrippina im kleinen Schwarzen erinnert an die Callas und streift sich erst die langen roten Handschuhe über, bevor sie mit ihren Gemeinheiten beginnt. Ihr tumber Gemahl, Kaiser Claudio, steckt in albernen Pumphosen und verheddert sich schon mal in den Perlenschnüren, mit denen die Bühne vollgehängt ist.
Regisseur Vincent Boussard inszeniert diesen Laufsteg der Eitelkeiten recht gemächlich und mit kleinen Gesten. Dagegen steigert sich die Akademie für Alte Musik unter René Jacobs in einen wahren Sechzehntel-Geschwindigkeitsrausch – und überrascht mit dem wohl ersten Walzer der Musikgeschichte. Den sängerischen Höhepunkt setzt Countertenor Bejun Mehta (Ottone), der überwältigend nicht nur Koloraturen, sondern auch wahre Gefühle zu vermitteln vermag. Auch der volle Mezzo von Jennifer Rivera (Nerone) überzeugt. Agrippina war die letzte Premiere in der Staatsoper vor dem Umzug in das Schiller-Theater. Nach vier Stunden Händel-Musik und mehr als 30 Da-capo-Arien jubelt das Publikum. Macht und Liebe gleichermaßen haben gesiegt, denn schließlich ist „Agrippina“ eine echte Barockoper. Wer bereits Karten ergattert hat, darf sich freuen: Die nächsten Vorstellungen sind ausverkauft.
Holger Wetzel
„Agrippina“, wieder am 12. und 14. Februar, Staatsoper Unter den Linden
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