Bühne
Überwältigende Premiere von Lear an der Komischen Oper
Hans Neuenfels Inszenierung von Aribert Reimanns „Lear“ ist ein Höhepunkt der Opernsaison
© Wolfgang Silveri
SIS 26.11.2009 – „Lear“ ist das blutigste aller Shakespeare-Dramen. Auge um Auge, Zahn um Zahn: Jeder kämpft gegen jeden. Die Uraufführung der Oper machte den schwulen Berliner Komponisten Aribert Reimann vor 30 Jahren weltberühmt, Dietrich Fischer-Dieskau sang damals die Titelpartie.
In der neuen Inszenierung von Hans Neuenfels, die am 22. November Premiere hatte, wimmeln Maden auf dem Screen der Bühnenwand. Der alte König Lear (überwältigend ausdrucksstark: Tómas Tómasson) teilt das Reich unter seinen drei Töchtern auf. Die heuchelnden Goneril (hochdramatisch: Irmgard Vilsmaier) und Regan (schrill: Erika Roos) werden belohnt, die ehrlich liebende Cordelia (betörend: Caroline Melzer) lehnt die öffentliche Liebesbekundung ab. Lear verstößt sie und zerbricht daran im Wahnsinn. Im Drama um das Alter und den Machtverlust gibt Schauspielerin Elisabeth Trissenaar den Hofnarren und mutiert zum Gevatter Tod. Komponist Reimann ordnet jeder Figur des Dramas verschiedene Zwölftonreihen und Klangwirkungen zu. Sicherlich ein schwieriges Hörerlebnis, das vom Orchester unter Carl St. Clair sehr anschaulich gestaltet wird. Die anspruchsvolle Musik erreichte das Premierenpublikum und sorgte für großen Jubel für den Regisseur Neuenfels und alle Sänger und Sängerinnen – und nicht zuletzt für einen sichtlich gerührten Aribert Reimann. Holger Wetzel
Weitere Aufführungen: 27. Dezember, 17. Januar, Komische Oper
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