Siegessäule - Vom Strich zum Big Business „The Good American“

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Film

Vom Strich zum Big Business „The Good American“


Eine Dokumentation widmet sich dem Erfinder und den Escorts von rentboy.com, aktuell im Kino

© Galeria Alaska Productions

SIS im August 2009 – Ein Katalog gut aussehender, sexy, williger Männer, die man sich wie eine Pizza (gegen Geld natürlich) ins Haus bestellen kann. Das ist Rentboy.com, eine Internetseite, die Stricher, heute Escorts genannt, und Freier beziehungsweise Kunden problemlos und ganz ohne Rotlicht und schmuddlige Straßenecken oder Toiletten zusammenführt. Gegründet wurde dieser Markt der Möglichkeiten, der natürlich in den USA beheimatet ist, kurioserweise von einem Deutschen: dem Politologiestudenten Tom Weise aus Berlin. Dieser Macher und zugleich Träumer steht im Mittelpunkt von Jochen Hicks („Ich kenn keinen – Allein unter Heteros“, „East/West – Sex & Politics“) einfühlsamer Dokumentation „The Good American“.
Um als junger schwuler Mann dem deutschen Mief zu entkommen, bricht Tom Weise Mitte der 90er-Jahre auf nach New York. Dort arbeitet der schmächtige Endzwanziger mit mäßigem Erfolg als Stricher, bis er gemeinsam mit Jeffrey Davids die Webseite rentboy.com aufbaut, nicht ahnend, dass er damit die weltweit größte Männer-Escort-Seite ins Leben rufen würde. Zunächst von der Szene, dem Sex und der vermeintlichen Freiheit fasziniert, engagiert sich Tom nicht nur für die Website, sondern auch in der Community, stets bemüht darum, schwulen Strichern ein besseres Image zu geben und für bessere Arbeitsbedingungen und Informationen im Business zu kämpfen...
Die Stärke des Films liegt einerseits in der Nähe zu den Protagonisten, vor allem den Escorts, die mit aller Offenheit über ihr Leben sprechen, andererseits in der Zurückhaltung in moralischen Fragen. So entsteht das Bild einer faszinierenden Welt, die auf den zweiten Blick voller Tücken ist. Die Welt des Tom Weise im Spannungsfeld des Deutschseins in den USA, der unterschiedlichen schwulen Szenen und der inneren Zerrissenheit wird so verständlich, nie wertend, dafür spannend dokumentiert.
 
Manuela Kay    

„The Good American“, Regie: Jochen Hick, D 2009, 92 Min., hier zu den Kino-Terminen


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