Musik
Die „globale, radikale, subkulturelle Queer-Community“ lebt
Sarah und Cindy (Scream Club) zusammen mit Elliat Garney-Saucke (Regisseurin) im Interview
© Goodyn Green, Outfits: Glyph Design Scream Club: Sarah Adorable (li.) und Cindy Wonderful
SIS 29.1.10 – Elliat, wie kamst du auf die Idee, die Dokumentation „Travel Queeries“ zu machen?
E: Ich bin 2005 auf der Queeruption in Barcelona gewesen. Ich hab damals einfach meine Kamera mitgenommen und wusste eigentlich gar nicht so richtig, was mich erwartet. In den USA, wo ich her komme, war ich immer schon in eher radikale queere Politik involviert. Die Queeruption war für mich aber das erste Mal, dass ich mich in einem queeren Raum mit internationalem, multikulturellem Kontext bewegt habe. Ich fand es faszinierend, Gespräche über Identitäten und Politik mit Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt zu führen. Ich wollte mit dem Film ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es eine globale, radikale, subkulturelle Queer-Community gibt.
Was war die größte Herausforderung?
E: Dass das Thema einfach so wahnsinnig breit gefächert ist. Ich wollte ein rundes Bild und alle Informationen unterbringen, die ich wichtig fand. Außerdem war der Respekt gegenüber den Porträtierten für mich ein ganz großes Thema. Ich habe sie als meine Schutzbefohlenen wahrgenommen, viele haben sich in den Interviews von ihrer verletzlichen Seite gezeigt, haben sich als Überlebende von Missbrauch und ähnlichem offenbart. Ich wollte diese Leute auf keinen Fall irgendwie bloßstellen.
Es gibt einen Soundtrack zum Film auf CD, der auf Cindy und Sarahs (zusammen Scream Club) Label Crunks Not Dead erschienen ist. Wie wichtig ist dieses ganze Musikding in der Queer-Bewegung?
C: Gigantisch. Es gibt viele Leute, die sich auf einer rein theoretisch-akademischen Ebene nicht mit Queer-Theory befassen und nichts darüber wissen. Musik kann gerade für solche Menschen viel besser eine Tür aufstoßen, als es Politik oder Aktivisten jemals können werden, ein erster Zugang sein und den Geist für neue und andere Dinge öffnen.
Cindy und Sarah, ihr veröffentlicht mit Scream Club eine neue EP „Break You Nice“/„Screaming & Crying“, gemeinsam mit Electrosexual.
S: Wir haben Electrosexual zum ersten Mal 2005 auf der Queeruption II getroffen, da aber nur ein paar Minuten mit ihm gequatscht. Er hat dann einen Remix von einem unserer Songs gemacht. Das war auch der erste Scream-Club-Song, der irgendwie clubby oder dancy war. Vorher waren wir viel mehr punky und hip-hoppy. Wir sind in Verbindung geblieben, er hat uns Beats geschickt und wir haben eine 4-Track-Picturedisk zusammen gemacht. Mittlerweile sind wir eng befreundet.
Und jetzt arbeitet ihr an einem gemeinsamen Album.
C: Ja, das neue, vierte Album „Screaming & Crying“ erscheint voraussichtlich im Juni 2011. In der Vergangenheit haben wir mit Künstlern wie Beth Ditto von The Gossip und einer Menge Hip-Hopper zusammengearbeitet, auf der neuen CD möchten wir total gerne mal mit deutschen Künstlern zusammenarbeiten. Ich meine, wir leben hier, lernen beide gerade Deutsch, da wäre das echt toll.
Würdet ihr euch als politische Band bezeichnen?
C: Unser Hauptanliegen ist es, positive Musik zu machen. Es gibt so viel Musik, die einfach null Aussage hat. Katy Perry zum Beispiel oder Lady Gaga. Die Message, die solche Leute transportieren, ist einfach komplett uncool. Klar sind wir irgendwie politisch, aber nicht zwanghaft und ständig. Wenn Inhalte zu politisch werden, können sie vielleicht zu irgendwas anleiten, aber ich möchte eine Verbindung zu unseren Hörern herstellen, die auf einem viel emotionaleren Level funktioniert.
Interview: Jan Noll
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