Musik
Dance yourself to death: toller Indiepop aus Kanada
Interview mit Sängerin Jen Markowitz über Popmusik und queere Bands
SIS – Die kanadische Indiepopband Dance Yourself To Death (DYTD) ist derzeit in aller Munde. Wir sprachen mit Sängerin Jen Markowitz nach ihrem Acoustic-Auftritt im Berliner „Silver Future”.
SIS: Ihr bezeichnet euch als queere Band. Was bedeutet Queerness für dich?Jen Markowitz: Eine queere Frau zu sein bedeutet für mich, dass ich niemals infrage stelle, dass jemand seine Sexualität auf eine bestimmte Art und Weise lebt, neu gestaltet oder umdefiniert. Es geht um Offenheit und Akzeptanz. Die Bedeutung des Wortes queer erweitert sich über die Grenzen von schwul, lesbisch oder trans*. Durch diese Erweiterung und Verbreitung des Begriffs erweitert sich auch unsere Community.
Ist es nicht manchmal wichtig, einfach zu sagen: „Ich bin eine Lesbe“? Ich benutze das Wort „lesbisch“, um mich selbst zu definieren, meistens nur dann, wenn ich jemanden an den Gedanken von queer heranführen möchte, der oder die vielleicht nicht weiß, was die Definition von queer ist. Ich benutze lesbisch also nur als eine Art Einführung, denn ich bin viel mehr als eine Lesbe.
Würdest du deine Musik auch als queer bezeichnen? Queere Aspekte treten in meiner Musik eher zufällig auf. Ich kann mich total für Liebeslieder begeistern, und wenn ich ein Liebeslied singe, singe ich es natürlich über oder für eine Frau. Ich könnte aber genauso gut einen Song über einen Typen schreiben, das würde weder mich noch meine Musik weniger queer machen.
Es geht bei DYTD also nicht unbedingt um Politik. Nein, wir wollen einfach Songs spielen und schreiben, die Spaß machen.
Es denkt bloß jeder, dass ihr politisch sein müsstet? Definitiv. Alle denken, dass wir politische Texte machen würden, aber es geht bei uns nur um Liebe, Dates und Küssen. Es ist einfach nur Popmusik.
Glaubst du, dass Acts wie Gossip oder Anthony eine Tür aufgestoßen haben für eine neue Generation queerer Popbands? Auf jeden Fall. Es gibt eine ganze Historie von queeren Bands, die sich nacheinander Türen geöffnet haben und im Moment scheinen sämtliche Türen überall geradezu aufzufliegen. Die Tatsache, dass Anthony so groß geworden ist und niemand fragt, was er überhaupt für eine queere Identität hat, zeigt, dass die Leute sich einfach mehr auf die Musik konzentrieren und nicht darauf, mit wem wir schlafen.
Ihr habt euch nach einem Alice-Cooper-Song benannt. Ist Alice eines deiner Idole? Ja, er ist schon ein Idol für mich, obwohl das nicht viel heißt, da ich einen ganzen Haufen von Idolen habe. Als wir mit der Band anfingen, war er gerade mein Gott! Wenn ich an sein Image denke, würde ich sogar sagen, dass er ein queeres Idol ist, in einer Art wie Rob Halford (Sänger der Metalband Judas Priest; erster Metalkünstler, der sich als schwul outete, Anm. d. Red.). Rob Halford, Freddy Mercury und auch Alice Cooper sind definitiv queere Idole. Das sind alles Männer, die in richtig krassen Macho-Bands gesungen und dabei Bondage-Outfits, Eyeliner und solchen Kram getragen haben. Das mit dem Bandnamen war aber eher eine spontane Entscheidung.
Was bringt die Zukunft? Auf der Tour verkaufen wir gerade eine 4-Track-Remix-EP. Einer der Mixe ist von JD Sampson (Le Tigre, MEN) und auch die anderen Remixe sind ausschließlich von queeren Künstlern. Ansonsten werden wir wahrscheinlich im nächsten Frühjahr wieder live in Deutschland zu sehen sein. Interview: Jan Noll
Dance Yourself To Death: Ready For Love (Broken Silence), jetzt erhältlich
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