Siegessäule - Lady Gaga: massenkompatibel schrill

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Lady Gaga: massenkompatibel schrill


Auch ihr neues Album ist bewährt flach, zeugt aber auch von Ironie: „The Fame Monster" ist das aufgepeppte Update von „The Fame"

SIS  – 2009 war ohne Zweifel das Jahr von Lady Gaga. Zeit für eine Abrechnung. „Mum Mum Mum Mah“, „Ra Ra-Ah-Ah-Ah, Roma Roma-Ma, Gaga Oh-La-La“! Voodoo? Nervenklinik? Nein, beides: Lady Gaga! Kaum ein Hirn, in dem 2009 nicht diese existenziellen Botschaften der 23-jährigen New Yorkerin umherspukten, keine Party und kein Klatschblatt ohne Stefani Joanne Angelina Germanotta. Mit fünf aufeinanderfolgenden Top-Ten-Hits darf das vergangene Jahr getrost als völlig gaga bezeichnet werden.

Unter dem programmatischen Titel „The Fame Monster“ ist nun ihr Millionenseller „The Fame“ als neues Album mit acht Zusatztracks auf den Markt gefeuert worden und der Erfolg reißt nicht ab. Doch was ist da eigentlich passiert? Was ist so besonders an den beinahe schamlos auf Großraumdisse gebürsteten Eurodancestampfern, die Frau Gaga mit schöner Regelmäßigkeit an der Spitze der Charts platziert? Gar nichts, richtig. Doch die Lady wirft eben viel mehr als „Pokerface“, „Paparazzi“ oder „Bad Romance“ in den großen Topf ihrer massenkompatiblen Schrillheit und schafft es damit, das beim Konsumenten wiedererwachte Bedürfnis nach mysteriösen Megastars zu befriedigen: Ein paar visuelle Elemente der überhypeten 80er, eine Prise Disco, Mode, Glamour und ein bisschen müdes Gender-Homo-Tralala braut die Künstlerin zu einem Retro-Electroclash-Image zusammen, das zu diesem Zeitpunkt eigentlich in etwa noch so crazy ist wie in den 80ern „Slice Me Nice“ von Disco-Liberace Fancy.

Doch wer soll es ihr verübeln, schließlich hat Madonna in ihren erfolgreichen Zeiten auch nichts anderes gemacht, als Undergoundtrends für die breite Masse aufzubereiten. Der Unterschied zwischen Lady Gaga und Madonna ist nur, dass Letztere sich auf ihre konstruierten Images besser vorbereitete und die Konzepte, zumindest für die Dauer ihrer Laufzeit, mit Inhalten füllen konnte. Eine Qualität, die Lady Gaga vermissen lässt. So ließ sie sich beispielsweise bei einem Konzert im letzten Sommer unters Röckchen filmen und präsentierte uns dort einen (ihren?) angeblichen Pimmel. Geschlechterverwirrung als erfolgsträchtiger Kunstgriff, David Bowie und Boy George können Jahrzehnte alte Lieder davon singen. Ein mit Intersexualität spielender oder gar wirklich intersexueller Popstar, das wäre es doch gewesen! Doch leider hielt Lady Gaga das selbstentfesselte Spiel mit den Geschlechtern nicht lange aus, und ließ ein paar Wochen später die Viva-Moderatorin Collien Fernandes spießig aus ihrer Pressekonferenz werfen, als diese nach Gagas Schwanz fragte. Ihr neues, flaches Album, großspurig als Gothicpop mit Industrialbeats angekündigt, bestätigt das einmal mehr. Das Blöde ist nur, und da muss man einfach mal ehrlich sein, nach drei Bier funktioniert es immer wieder.      Jan Noll

Lady Gaga: The Fame Monster (Universal)


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