Musik
Tomboy und Tussi: Electropopperin Annie im Interview
Mit „Don't Stop“ erscheint nun das zweite Album der Norwegischen Sängerin: mehr Gitarren, immer noch Pop
© Nina Merikallio
SIS 7.1.2010 –Über ein Jahr lag es in der Schublade. Nach Unstimmigkeiten mit Universal brach Annie die Zusammenarbeit für das bereits für 2008 angekündigte Album ab. Jan Noll sprach für siegessäule.de mit ihr
Annie, du bist mittlerweile Berlinerin, hab ich gehört. Ja, schon seit 2008. Ich wollte schon immer woanders hinziehen, ich war so ein bisschen gelangweilt von Bergen. Die Stadt ist so klein, man sieht jeden Tag das gleiche. Ich musste einfach mal raus.
Dein Debüt „Anniemal“ hatte einen R’n’B-Vibe, während die neue Platte „Don’t Stop“ mehr Indie-Gitarren-Tendenzen aufweist. Du hast in einer Indierockband angefangen, ist „Don’t Stop“ ein „Back-To-The-Roots”-Ding? Naja, diese Band war echt beschissen, insofern sollte man zu diesen Wurzeln lieber nicht zurückkehren (lacht). Ich muss sagen, ich höre privat so viel unterschiedliche Musik, dass ich Inspirationen von Blues bis Minimal-Techno in mich und meine Musik aufnehme.
Die erste Single von „Don’t Stop“ sollte „I Know Your Girlfriend Hates Me“ sein. Leider ist der Song ist der Song dann doch noch vom Album geflogen. Im Text geht es um eine enge platonische Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau. Würdest du sagen, dass Freundschaften zwischen Heteromännern und Heterofrauen nicht ohne emotionale Komplikationen funktionieren? Nein, ich denke schon, dass das auch ohne Komplikationen möglich ist. Ich hab eine Freundin, die immer sagt, dass sie nicht mit einem Mann reden kann, ohne dass dabei etwas mitschwingt, das irgendwie sexuell ist. Ich war da immer ganz anders. Als ich klein war, war ich ein richtiger Tomboy, ich zog mich wie ein Junge an und konnte überhaupt nicht mit Mädchen. Ich rannte den ganzen Tag mit den Jungs im Wald rum. Ich denke schon, dass Männer und Frauen platonisch befreundet sein können, deshalb hab ich auch diesen Song gemacht. Ich wollte zeigen, die dumm dieses Vorurteil ist.
Aber schlussendlich geben dann doch Schwule und Frauen das bessere Team ab. Definitiv (lacht).
Ist dir eigentlich klar, dass du alles hast, um eine Schwulenikone zu werden? Ich hab da schon mal so was gehört (lacht).
Ich muss dir aber noch sagen, wie ich darauf komme! Du hast keine Angst vor Pop. Nein, definitiv nicht.
Du hast keine Angst vor Kitsch. Auf gar keinen Fall!
Trotzdem ist überall in deinen Songs eine leichte ironische Brechung. Ein leiser Schmerz unter all den zuckrigen Melodien. Ja, ich liebe diese Kombination von eingängigen Melodien und vielleicht etwas zynischen oder manchmal sogar traurigen Texten, dieses Bittersüße.
Und was glaubst du, warum Schwule auf dich abfahren? Naja, ich brezel mich gerne tussig auf und mache Musik, zu der man feiern, zu der man Tanzen kann. Und dass Schwule am besten feiern und am besten Tanzen können, ist doch wohl klar. Ich war mal bei der „Horse Meat Disco“ und das war einfach nur geil. Da war so viel Energie, so viel Liebe, so viel Offenheit.
Du bist also auf schwule Bewunderung vorbereitet. Definitiv, sie ist die Beste!
Vielen Dank!
Interview: Jan Noll
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