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Interview mit LGBT-Aktivistin

Erfolgreiche Protestaktion in Seoul

Seouls Bürgermeister räumt Fehler ein: Weitere Gespräche mit LGBT-AktivistInnen, die sechs Tage lang das Rathaus in Südkoreas Hauptstadt besetzt hatten

12.12. – Mehrere Tage lang hatten LGBT-Aktivist_innen der Gruppe Rainbow Action das Rathaus in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul besetzt, weil die Stadtverwaltung eine Menschenrechtscharta nicht in kraft setzen wollte. Minhee Ryu, Anwältin und Aktivistin bei der Gruppe Korean Lawyers for Public Interest and Human Rights, über die Hintergründe der Aktion.

Frau Ryu, wie ist die aktuelle Situation in Seoul? Wir haben unser sechstägiges Sit-In am Abend des 11. Dezember beendet. An diesem Tag kam es endlich zu einem Gespräch mit Bürgermeister Park Won-soon . Er entschuldigte sich und schlug weitere Gespräche vor. Später kam ein Sprecher mit konkreteren Plänen für ein Treffen der Stadtverwaltung mit den relevanten Organisationen. Nach einem halben Tag Diskussion haben sich die Besetzer dann entschieden, ihren Protest zu beenden – nach einer großen Siegesparty.

Wurde denn alles erreicht? Nein, nicht alles. Wir hatten am 6. Dezember die Lobby des Rathauses besetzt, weil Bürgermeister Park plötzlich eine monatelang vorbereitete Menschenrechtscharta nicht verabschieden wollte – weil darin auch das Verbot von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung festgehalten wurde. Angeblich würde eine Verabschiedung dieses Grundsatzes soziale Konflikte hervorrufen. Außerdem hat Bürgermeister Park Won-soon bei einem Treffen mit der Korean Presbyterians Association öffentlich gesagt: „Ich unterstütze Homosexualität nicht.“ Das hat viele LGBT-Leute in Südkorea sehr wütend gemacht, also haben sie mit der Besetzung reagiert.

Was waren Ihre Forderungen? Bürgermeister Park soll persönlich mit den Protestierenden über die Situation sprechen. Seit seiner Wahl 2011 hat er sich noch nie mit LGBTQ-Aktivisten getroffen, gleichzeitig aber immer wieder homophobe und transphobe rechtsgerichtete Fundamentalisten bestärkt. Außerdem soll er die Menschenrechtscharta so in kraft setzen, wie sie verabschiedet wurde. Er sollte sich bei den Gremien entschuldigen, die die Charta ausgearbeitet haben. Immerhin war sie auch seine Idee.

Wie hat die Öffentlichkeit reagiert? Wir wurden mit Unterstützung überschüttet, sowohl aus Korea als auch aus dem Ausland. Innerhalb nur eines Tages gab es Solidaritätsadressen von mehr als 300 Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), die sich u.a. mit Menschenrechten, Behindertenrechten, Frauen, Zivilgesellschaft, Arbeitern und anderen Minderheiten beschäftigen. Jeden Abend kamen auch viele Menschen zum Rathaus, um ihre Unterstützung zu zeigen. 

Wie kann man Sie aus Berlin unterstützen? Das Sit-In ist vorbei, es ist also nicht mehr so dringend. Aber grundsätzlich brauchen wir weiter Unterstützung. Bürgermeister Park und der Berliner Bürgermeister haben im August einen kulturellen Austausch vereinbart. Wir hoffen, dass es da nicht nur um Tourismus, Mode und Film geht, sondern auch um Menschenrechte und den Kampf um Gleichberechtigung. Wir sind sehr interessiert an den Erfahrungen mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz, unsere Gesetzgebung hat ja die deutsche als Vorbild. Einfach gesagt: Wenn Deutschland die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnet, wird Südkorea bald folgen.

Interview: Malte Göbel

Mehr Infos über Rainbow Action unter: lgbtact.org

Dankesvideo an die UnterstützerInnen mit Eindrücken von dem Sit-In

Video vom Protest



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