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„Homosexualität_en“: Ein historischer Moment

Gestern wurde die Ausstellung „Homosexualität_en“ im Deutschen Historischen Museum und Schwulen Museum* in beiden Häusern eröffnet. Eine bedeutende Schau und ein großer Moment

Das Kurator_innen-Team Dorothée Brill, Detlef Weitz und Birgit Bosold (v.l.) © Sally B.

26.06. – Das Interesse und demzufolge auch der Andrang waren groß bei der Eröffnung der Doppelausstellung „Homosexualität_en“. Schon seit Wochen wirft das Ereignis seine Schatten voraus und ist auch im Stadtbild immer sichtbarer: Zahlreiche Plakate zeigen das auffällige Motiv der Künstlerin Heather Cassils, mit dem die Ausstellung auf sich aufmerksam macht.

Weit über 1.300 Gäste haben sich laut Alexander Koch am Nachmittag im Deutschen Historischen Museum eingefunden. Der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum betonte in seiner Auftaktrede im Innenhof des Museums Unter den Linden, dass es ihm ein persönliches Anliegen sei, mir der Ausstellung den „immerwährenden und letztlich weltweiten Diskurs der Gleichberechtigung homosexueller Lebensentwürfe in die Mitte unserer Gesellschaft zu tragen und diesen Teil der Geschichte der Gesellschaft an prominenter Stelle zu erörtern.“ Auch Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, die das Projekt fördert, begrüßte, dass das Deutsche Historische Museum durch die Kooperation mit dem Schwulen Museum* die Chance erhält, „das Thema Homosexualität als gesellschaftspolitisch relevantes Thema auf seine Agenda zu setzen. Gerade dieses Museum ist der perfekte Ort, das Thema historisch einzuordnen auf der ganz großen Skala der Entwicklung in Deutschland und Europa.“

Als schließlich Birgit Bosold, Dorothée Brill und Detlef Weitz, die gemeinsam die Ausstellung kuratiert haben, auf der Bühne standen, wurde klar, dass die Zusammenarbeit von Schwulem Museum*, Deutschen Historischen Museum und allen beteiligten Stiftungen und Instutionen perfekt war. Sie alle bedankten sich für den gegenseitigen Respekt, Unterstützung und Inspiration. Das Ergebnis ist eine gelungene Ausstellung, die, wie es Mitkurator Detlef Weitz formulierte „Unausstellbares ausstellbar macht“. Die etwa 1.500 Exponate zeigen, so ergänzte später seine Kollegin Dorothée Brill neben allem historisch Gewichtigen und nicht immer positiven Inhalten auch „vielschichtes Vergnügliches“. Dabei bezog sie sich auch auf den Titel der Ausstellung. „Homosexualität_en: Plural und Unterstrich. Viele Facetten, nicht eine Geschichte, sondern mehrere Geschichten.“ Und der Gender Gap im Titel bezieht sich ganz ausdrücklich „auf all die Personen, die sich nicht eindeutig dem einen oder anderen Geschlecht zugehörig fühlen.“

Ein Punkt übrigens, den alle Rednerinnen und Redner des Tages in ihren Beiträgen mit einbezogen. So grüßte DHM-Präsident Koch die „Vertreterinnen und Vertreter, die sich zu anderen Geschlechteridentitäten bekennen.“ Hortensia Völckers grüßte charmant die „Damen und Herren, alle dazwischen und darüber hinaus.“ Das dies so geschieht, macht einen wichtigen Schritt deutlich: Es werden Strukturen aufgebrochen, die wie keine anderen besonders stark in unserer Gesellschaft verankert sind.

Passend dazu grüßte dann später im Schwulen Museum* Wolfgang Theis, Vorstand des Schwulen Museums*: „Willkommen in der Mitte der Gesellschaft“. Leider verschwand der Rest seiner Rede in völliger Unverständlichkeit. Ihm folgte die Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer mit ihrem Grußwort. In der wohl klügsten und wichtigsten Rede des Tages betonte sie, dass es angekommen in der Mitte wichtig ist, die Unterschiedlichkeit zu bewahren und zu betonen: „Wir können das Erreichte feiern und gleichzeitig den Widerstand dagegen, in einer Normalität das Eigene zu verlieren, sich der Norm eben nur zu unterwerfen.“ Und sie schließt den langen Reigen der Reden mit den Worten: „Diese Ausstellung fordert dazu auf, dieses Irritierende, dieses Protestlerische zu behalten. Also, weiter darauf insistieren, dass die Dinge divers sind und dass sie strittig bleiben müssen. Der Unterstrich, der Sex, das Geschlecht, die Norm ... Ich hoffe jeder und jede regt sich in dieser Ausstellung über irgendwas auf.“

Christina Reinthal

Homosexualität_en, bis 01.12., Deutsches Historisches Museum und Schwules Museum*



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