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„Zu uns können auch Heterosexuelle kommen“

Im August feiert das Jugendnetzwerk Lambda das 25. Jubiläum und hat damit die eigene Altersgrenze schon fast erreicht

Erwachsen geworden: Das Team vom Jugendnetzwerk Lambda freut sich auf das Jubiläum

15.08. – Wer bin ich und wenn ja wie viele? Bin ich lesbisch und wenn nicht, was dann? Die wenigsten Menschen definieren sich seit ihrer Sandkastenzeit eindeutig als lesbisch, schwul oder hetero. Lambda bietet seit 25 Jahren Raum für die gesamte Palette an Geschlechtern und sexuellen Gesinnungen. Junge Menschen bekommen hier alle Antworten auf dem Weg zur Identitätsfindung.

Lambda ist ein Wendekind und noch heute mehr Ossi als Wessi. Der Hauptsitz liegt in Berlin Prenzlauer Berg unweit der früheren Mauer und gleich neben dem Sonntagsclub, dem Treffpunkt für Lesben und Schwule in der DDR seit den 70er Jahren. Im Sonntagsclub entstand 1990 der Plan, ein Netzwerk für die Belange speziell für junge Lesben, Schwule bis 27 Jahre in der DDR zu gründen. „Um an den runden Tisch zu kommen, musste man DDR-weit agieren, daher war Lambda schon immer überregional und bis heute der einzige schwul-lesbische Jugendverein Deutschlands“, so die Geschäftsführerin Kathrin Schultz. Sie betont, dass in der DDR Schwule und Lesben sehr eng kooperiert haben und damals auch schon Transmenschen dabei waren. Neben Lambda-Berlin-Brandenburg noch fünf weitere Landesverbände in ganz Deutschland.

Kathrin Schultz ist seit 1998 aktiv bei Lambda Berlin und heute, mit ihren über 30 Jahren eigentlich schon zu alt. Lambda bietet einen Raum für junge Menschen bis 27 Jahre, was auch für alle „Mitarbeiter_innen“ gilt. Kathrin betont das sogenannte Gender-Gap auch im Mündlichen, macht also nach der männlichen Form eine Pause und setzt dann neu an für „innen“. Die sprachliche Vielfalt und Bewusstmachung ist ein bedeutender Bestandteil der Arbeit von Lambda. In Schulen werden Workshops angeboten, um Schüler und Schülerinnen für die Themen zu sensibilisieren. Neben Bildungsangeboten, gibt es Einzelberatungen in den Räumen von Lambda, Jugendtreffs, eine Bibliothek ein großangelegtes In&Out-Projekt mit Coming-out-Tipps für alle, die sich jenseits der Heteronormativität bewegen. „Zu uns können natürlich auch Heterosexuelle kommen, wenn sie Interesse haben“, so die Geschäftsführerin.

Lambda Bund, also alle sechs Landesverbände deutschlandweit arbeiten vor allem überregional, leisten politische Lobby- und Demokratiearbeit sowie Öffentlichkeitsarbeit, um auf die Interessen von jungen Lesben und Schwulen aufmerksam zu machen. Um nicht zu sagen aller „queers“. Denn seit einiger Zeit heißt das Lambda-Zentrum „Queeres Jugendhaus“, erklärt Kathrin Schultz, als sei sie selbst ein wenig erstaunt darüber. „Wir haben viel darüber diskutiert, da der Begriff nicht für alle sofort verständlich ist, und uns dann dafür entschieden“, erklärt sie. Trans* seien ohnehin schon immer involviert gewesen, richtig präsent mit eigenen Gruppengründungen und Trans*-Coming-Out bei Lambda im Laufe der 90er-Jahre. Die Bezeichnung lesbisch, schwul und trans reichte vor dem Hintergrund der zahlreichen Geschlechter und Orientierungen nicht mehr aus. „Auch Bisexuelle fallen leider zu oft weg“, so Schultz. Der Begriff „queer“ beinhaltet das gesamte Spektrum. Einige Lambda-Mitglieder sprechen sich ohnehin für die „Aufhebung des binären Geschlechtermodells“ aus, wie es auch auf der Webseite von Lambda steht.

Frauen und Lesben sollen jedoch nicht um ihre Weiblichkeit fürchten, beruhigt Kathrin Schultz. Sie wünsche sich eine Hinterfragung der Geschlechterrollen und „dass es nicht nur männlich und weiblich gibt“.

Derzeit wird ein Dokumentarfilm über die 25-jährige Geschichte von Lambda produziert, in dem es  um die Gründungsphase, die Anfänge zu DDR-Zeiten geht, um die Entwicklungen des Jugendnetzwerks in den 90er Jahren in Berlin und deutschlandweit sowie um die heutige Bandbreite an Aktivitäten. Wer mag, kann sich daran beteiligen, wenn sie Fundstücke, die mit einer der Lambda-Epochen zu tun haben, im Keller oder auf dem Dachboden finden und sich damit an Lambda-Berlin wenden. Der Film wird im Rahmen der Jubiläumsfeier im August in Berlin zu sehen zu sein.

Ruth Wolter



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