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Kunst

Körper von Gewicht: Cassils kommt nach Berlin

Ein Star der Performance-Kunst ist morgen im Schwulen Museum* zu Gast

04.10. – Es gibt wohl kaum jemanden in Berlin, der den Körper des/der kanadischen KünstlerIn und BodybuilderIn Cassils nicht kennt. Als Plakatmotiv für die „Homosexualität _en“-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum und im Schwulen Museum* (siehe Foto) ist er über die ganze Stadt verteilt und stellt tradierte Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit infrage. Auch in der Community wurde das Bild kontrovers aufgenommen. Am 5. Oktober wird Cassils zu einem Talk im Schwulen Museum* erwartet. SIEGESSÄULE hat mit dem/der KünstlerIn im Vorfeld gesprochen

Wie haben Sie reagiert, als man ein Plakatmotiv von Ihnen für die Ausstellung „Homosexualität_en“ angefragt hat? Ich habe nicht gleich realisiert, dass man ganz Berlin mit dem Bild zupflastern wird und dass es auch auf dem Cover des Katalogs erscheint. Das ist gleichzeitig gut und schlecht. Gut, weil es Publicity für das Bild ist und es in einen öffentlichen Dialog bringt, aber leider wird es auch aus dem Kontext der dazugehörigen Performance gerissen.

Es gab die Kritik, dass das Bild nicht direkt etwas mit Homosexualität zu tun habe und deswegen nicht zur Ausstellung passen würde. Darüber habe ich viel mit den KuratorInnen gesprochen. Die Ausstellung heißt „Homosexualität_en", und ich identifiziere mich nicht vollständig als homosexuell, sondern vielmehr als ein nicht binäres, transmaskulines Individuum. Ich empfand es zuerst als eine seltsame Wahl, aber mir wurde gesagt, dass sie mit der Ausstellung über die Diskussion um Sexualität hinausgehen wollen, indem sie die Ideen von Geschlecht und Binaritäten thematisieren und problematisieren. Natürlich sind Geschlecht und Sexualität voneinander zu unterscheiden, aber es ist auch wichtig zu realisieren: nicht nur Lesben und Schwule denken über sexuelle Orientierung nach, nicht nur Trans*leute denken über Geschlecht nach und nicht nur People of Colour über Rassismus. Es gibt Raum für Intersektionalität und damit auch einen Raum zum Lernen außerhalb unserer jeweiligen Demografie.

Was ist der Hintergrund des Bildes?
Es war eine sechsmonatige Performance namens „Cuts – A Traditional Sculpture", ein Dialog mit der Arbeit von Eleanor Antin aus den 70ern. Für die Installation „Carving: A Traditional Sculpture“ fotografierte sie über einen Monat lang ihren Körper während einer strengen Diät. Sie wollte damit das Schönheitsideal schlanker Frauen kritisieren. Ich habe dagegen über 23 Wochen mit Bodybuilding und spezieller Ernährung Muskelmasse aufgebaut und das mit Video, Foto und einem Magazin dokumentiert. Es geht um die Konstruktion und Kontrolle von Körper und Geschlecht.

In der Ausstellung ist auch Sherry Vines Parodie auf Lady Gagas Video „Telephone“ zu sehen. Sie haben ja im Original mitgespielt. Wie war es eigentlich, Lady Gaga zu küssen? Ich wollte erst gar nicht mitmachen, weil ich ja kein Schauspieler bin, sondern als Personal Trainer arbeite, um meine künstlerische Arbeit zu finanzieren. Dann hörte ich, dass Beyoncé dabei ist. Da habe ich sofort zugesagt! Am Set wollten sie, dass ich Lady Gaga unangemessen berühre. Ich dachte, am unangemessensten wäre es, sie zu küssen, weil das am intimsten ist. Also habe ich das getan. Als das Video rauskam, wurde ständig gefragt, wer eigentlich das Mädchen war, das Lady Gaga geküsst hat. Ich habe dann eine Pressemitteilung herausgegeben, um darauf hinzuweisen, dass ich mich nicht notwendigerweise als Frau identifiziere, auch wenn ich manchmal ein bisschen weiblich rüberkomme. Insgesamt war es ein lustiger Moment, wo Popkultur und meine Arbeit überlappten.

Über Ihre Arbeit werden Sie am 5. Oktober im Schwulen Museum* reden ...
Ich freue mich darauf, bin aber auch etwas nervös. Es ist wichtig für mich zu wissen, wie meine Kunst ankommt, wie sie verstanden wird. Und ich will den Leuten eine Chance geben, mit mir darüber zu sprechen.

Interview: Malte Göbel

The Body as Sculpure, Talk mit Cassils (auf Englisch), 05.10., 20:00, Schwules Museum*



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