Siegessäule - Die Schweiz: ABBA in den Alpen

siegessaeule.de – Der Zürcher Barfüsser: Kaum zu glauben, dass diese unscheinbare Bar in der prüden Nachkriegszeit für Lesben und Schwule aus ganz Europa ein Sehnsuchtsort war. Die Schweizer Liberalität zog damals auch viele deutsche Schwule an, die sich in dieser Zeit noch unter dem von den Nazis verschärften Paragrafen 175 ducken mussten. Heute genießt man in der Lounge-Atmosphäre des Barfüsser, mitten in der Zürcher Altstadt, seinen Cocktail und schlemmt dazu eine Sushi-Platte. Anschließend zieht man weiter ins nahe T&M oder – für die härtere Gangart – ins Rage. Dennoch käme wohl kaum ein Berliner auf die Idee, die größte Stadt der Schweiz allein wegen der durchaus ansehnlichen schwulen Szene zu besuchen. Für Lesben sieht es sogar richtig mau aus – auch wenn die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch offen lesbisch lebt.

Dafür hat die Schweiz in anderer Hinsicht viel zu bieten: die verführerische Natur, die Seen, die in die Landschaft eingebetteten historischen Städte und natürlich die Zauberwelt der Alpen, die als eindrucksvolle Kulisse schon am Zürichsee herübergrüßen. Zürich mit seinem gut angebundenen Flughafen ist ein idealer Ausgangspunkt, um ins Herz des Alpenstaates vorzudringen. Die Schweizer Bahn fährt häufig und pünktlich, in nur 50 Minuten ist man von Zürich aus im malerischen Luzern am Vierwaldstätter See.

Wie viele Schweizer Städte wirkt Luzern weitaus lebendiger, als man es bei nur 80.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erwartet – und hat neben der rekonstruierten Seebrücke und einer heimeligen Altstadt mit dem Kulturzentrum vom Pariser Architekten Jean Nouvel ein echtes Statement moderner Architektur zu bieten. Noch heute kreuzt die größte Raddampferflotte der Welt auf dem Vierwaldstätter See. Jedes Jahr Mitte Juli sticht hier die Partyreihe „Menergy“ in See. Zu ruhigeren Zeiten führt die Schiffsfahrt zum mythischen Ursprungsort der Schweiz, auf die Rütli-Wiese, wo sich die drei Urkantone in Widerstandsgeist gegen die Habsburger verbündeten. Von hier aus lohnt sich eine knapp dreistündige Wanderung auf dem „Weg der Schweiz“, entlang dem Urner See, der in das schon von mediterranem Klima bestimmte Dörfchen Bauen führt.

 

ABBA-Schlager im Schatten des Matterhorns 

Denn Theben ist für Memphis das, was Lausanne für Genf ist“, wussten schon die Comedian Harmonists. Will heißen: Die Genf arbeiten, die Lausanner genießen das Leben. Und das geht hier gut: Umrahmt von Weinbergen liegt die steil ansteigende Stadt am glitzernden Genfer See. Durch die Hanglage hat sich an manchen Orten eine spannende Mischung aus alter und neuer Architektur ergeben, ein Unter- und Übereinander von Brücken, Viadukten und Straßen, sodass man sich manchmal in einer Szene des Films „Metropolis“ wähnt. Auf der Fassade des Clubs Mad prangt ein riesiges Kondom und wirbt für Safer Sex. Schon seit 1990 finden hier fünfmal im Jahr die beliebten „Jungle“-Partys statt, zu denen Lesben und Schwule aus der gesamten Schweiz nach Lausanne pilgern. Das Mad befindet sich in einem alten Lagerviertel, das sich – ähnlich wie Zürich-West – zu einem jungen, lebendigen Ort mit einer Mischung aus industriellem Charme und moderner Architektur gemausert hat. Hier zeigt sich die Schweiz von ihrer hippen Seite.

Natürlich darf niemand das kleine Land verlassen, ohne in alpine Höhen vorgedrungen zu sein. Auch ohne Ski- oder Kletterambitionen lohnt sich etwa die Fahrt ins autofreie Zermatt im Schatten des Matterhorns. Am Abend sollte man sich auf keinen Fall einen Besuch im Chez Heini entgehen lassen. Neben der vorzüglichen Küche bietet der Eigentümer Dan Daniell jeden Abend eine Performance, die den ganzen Schmelz des Schlagers in seine gemütliche Alpenstube zaubert.

Schon viele Prominente genossen die besondere Atmosphäre hier. So auch Agnetha von ABBA, mit der Dan Daniell einen Song aufnahm, den er nun allabendlich zum Besten gibt. Am nächsten Tag sollte man dann mit der Gornergratbahn noch weiter hinauf, um den Blick auf ganze 38 Viertausender zu genießen. Übrigens: Das Umrechnen des immer teurer werdenden Fränkli sollte man sich von Anfang an sparen. Denn das stört den Genuss des Alpenzaubers wirklich beträchtlich.

Torsten Träger

Schwullesbische Termine unter:

http://www.gay.ch/

http://www.lesbian.ch