Siegessäule - "L-tunes"

Dein schwul-lesbisches Stadtmagazin für Berlin

Partyreport

"L-tunes"


© Ines Meier Schwoof im SchwuZ

Als ich eine Freundin frage, ob sie mit mir zu „L-tunes“ geht, lacht sie in den Hörer: „Sind wir dafür nicht schon ein bisschen zu alt?“ „Sind wir?“, frage ich und streiche meine 34-jährige Haut glatt. „Unbedingt!“, findet Bine. Es folgt ein Vortrag, der alle Klischees enthält, die sich um die Party ranken, die vor drei Jahren die Subterra-Nachfolge antrat. „Mir egal“, denke ich, denn erstens vertraue ich am liebsten meinen eigenen Augen und zweitens hat mich mein Alter noch nie von etwas abgehalten.
Allzu viel Überzeugungsarbeit ist nicht nötig und so stehen wir kurz vor elf Schlange. Anstehen ist im Berliner Nachtleben eher unüblich, aber bei „L-tunes“ ganz normal. Mit einem Glückskeks in der Hand, weil die Januar-Veranstaltung im Zeichen des chinesischen Neujahrsfestes steht, steigen wir die Treppe zum SchwuZ runter.
Unter chinesischen Glückslaternen hat die Party schon begonnen, die Raucherlounge ist voll und gemütlich und meine Begleiterin deutet auf eine Gruppe von Junglesben vor uns: „Ich wette, ich könnte von fast allen hier die Mutter sein!“ Mein Finger kontert: Das Paar in der Sitzecke, eine in High Heels und Mini, die andere im Jackett. Beide älter als wir. Genauso wie die da hinten am Tresen und die da vorne an der Tanzfläche. „Selektive Wahrnehmung“, flüstere ich und ziehe Bine durch die Electro-Beats im zweiten Floor zur großen Tanzfläche. Es ist jetzt zwanzig nach elf und eine Gruppe junger Frauen rockt ordentlich zu „So What?“ von Pink. Ich übrigens auch. „Das Schöne an ,L-tunes’ ist, dass es früh losgeht“, findet Chris, 29, aus Potsdam. „Wir machen meistens ein Gruppen-Event draus, erst geht’s zur L-Filmnacht und dann hierher zur Party, ein paar Stunden tanzen. Und trotzdem muss ich morgen nicht den ganzen Tag verschlafen.“„Gerade die Älteren kommen gerne früher und gehen auch früher“, bestätigt Veranstalterin Angela Schmerfeld. „Verschiedene Altersgruppen anzusprechen ist die größte Herausforderung für eine Party.“
Scheint aber zu gelingen, denn das Publikum ist, trotz deutlicher Tendenz zu late Teens und early Twens, durchmischt. Nachdenklich schauen wir denen beim Flirten und beim unverfälschten Posen zu. Eine Zeitkapsel. Ich fühl mich wohl. Auf dem Rückweg von der Bar fange ich den Blick eines Mädels auf, das vielleicht wirklich Bines Tochter sein könnte. Sie lächelt, ich auch. Madonna singt. Die Tanzfläche füllt sich weiter. Jüngere, Ältere, Touristinnen und Berlinerinnen und dazwischen ein paar Jungs, vielleicht schwul, vielleicht auch nicht. „Ich mag die Vielfalt hier“, sagt die 25-jährige Dorina, die regelmäßig kommt. „Und auch, dass es immer ein paar Gesichter gibt, die du kennst, aber auch genauso viele neue. Es ist leicht, in Kontakt zu kommen.“
Das Messageboard, auf dem eine sich eine Nummer geben und dann Flirtnachrichten kriegen kann, trägt sicher auch seinen Teil dazu bei. „Die ersten Male haben sich nur wenige getraut, sich eine Nummer anzuheften. Ein bisschen Überwindung ist schon dabei, denn man signalisiert damit natürlich: ich bin ansprechbar, ich bin offen für Kontakt, und das trauen sich viele nicht. Inzwischen nutzen das aber immer mehr Frauen, um einfach ein bisschen zu flirten“, erzählt Angela. Ich entdecke die Nummern vor allem an jüngeren Besucherinnen, die vielleicht noch nicht so sehr in der Coolness-Falle der Berliner Lesbenszene verstrickt und gerade deshalb so cool sind.
Als wir gehen, unserer nicht ganz ernst gemeinten Altersdiskussion im Vorfeld entsprechend und weil wir weiter müssen schon gegen zwei, reicht die Garderobenschlange bis zur Treppe und die Kassenschlange bis ins Sundström. Im zweiten Floor läuft Kosheen und hält mich fast vom Gehen ab. Der Glückskeks, den ich beim Rausgehen in meiner Jackentasche finde, sagt: „Begrenze nicht deine Herausforderungen, sondern fordere deine Grenzen heraus.“ Will sagen: Nächstes Mal bleib ich bis sechs!  

Tania Witte


3 Jahre L-tunes, 27.3., 22.15 Uhr, SchwuZ,
www.l-tunes.de


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