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Einmischen ist wichtig: Interview mit Katia Saalfrank
Sie ist die „Super Nanny“ in der gleichnamigen RTL-Sendung und setzt sich nicht nur dort für die Bedürfnisse von Kindern ein.
© Philip Schulte
siegessaeule.de 2.11.2011 – Im E-Mail-Interview mit siegessaeule.de erklärt Katia Saalfrank, warum Regenbogen-Kinder genauso stark sein können wie alle anderen auch – und manchmal sogar noch etwas stärker
In Zeiten von Patchworkfamilien aller Couleur: fallen da Regenbogenfamilien überhaupt auf?
Katia Saalfrank: Patchworkfamilien nehmen wirklich zu. Regenbogenfamilien allerdings sind immer noch etwas Besonders und müssen oft um Anerkennung kämpfen.
Bei Schwulen und Lesben als Eltern wird oft von Defiziten gesprochen. Drehen wir es doch mal um: Welche Vorteile haben Kinder aus Regenbogenfamilien?
Es ist grundsätzlich einfach FALSCH von Defiziten zu sprechen und das sage ich ganz bewusst, weil ich grundsätzlich nicht von Richtig oder Falsch rede. Hier jedoch schon: Eltern, die schwul oder lesbisch sind, machen sich oft sehr viele Gedanken, sind aufmerksam, sensibel, sind umsichtig und erziehen die Kinder auch tolerant und machen sie stark für eine Gesellschaft, die vielfältige Lebensformen möglich macht. Kinder entwickeln sich über Beziehungen, die sie haben, und da sehe ich überhaupt keine Defizite in Regenbogenfamilien.
Wie wichtig ist es für ein Kind, einer „Norm“ zu entsprechen, so zu sein wie die anderen Kinder?
Kinder brauchen Eltern, die sie bestärken. Was ist „die Norm“?! Kinder stehen nicht gerne am Rand – Außenseiter ist man aber nicht per se! Erzieher und Lehrer haben die Aufgabe, auch Gruppendynamiken zu berücksichtigen und alle Kinder in die Gruppe aufzunehmen.
Einer der ersten Einwände von Skeptikern ist oft: „Das arme Kind wird ja dann in der Schule gehänselt.“ Warum werden Kinder eigentlich gehänselt? Ist die Homosexualität der Eltern wirklich der Grund dafür?
Das kann einer der Gründe sein, Kinder finden schnell vermeintliche Schwächen der anderen heraus. Kinder werden jedoch aufgrund verschiedener Themen gehänselt. Wegen einer Brille, weil sie korpulent sind, weil sie eine Zahnspange habe. Und Hänseleien sollten in jedem Fall unterbunden werden!
Wenn es passiert, sollen wir uns einmischen?
Jedenfalls einmischen! Stellung beziehen, klar präsent sein und sich positionieren! Man muss allerdings auch sensibel damit umgehen. In der Phase, wo Eltern ohnehin „peinlich“ sind und in der Pubertät dann auch zurücktreten müssen, kann es dazu kommen, dass Kinder sich auch schämen. Lassen Sie sich als Eltern nicht verunsichern. Das passiert in der Regel allen Eltern!
Wie wichtig finden Sie es, dass Kinder männliche und weibliche Bezugspersonen haben? Wie eng sollten diese in der Familie verortet sein?
Es ist wichtig, dass Kinder männliche und weibliche Bezugspersonen haben und die Familie sollte eng verortet sein. Die Regenbogenfamilien, die ich kenne, achten sehr auf diesen Kontakt, die Familie ist häufig sehr intensiv und dicht zusammen. Oft machen sich Eltern aus Regenbogenfamilien viel mehr Gedanken als andere und wollen alles richtig „gut“ machen. Die Beratung homosexueller Eltern ist für mich etwas ganz Besonderes.
Braucht ein Junge, der bei einem lesbischen Paar aufwächst, wirklich den hammerschwingenden Vater als Vorbild? Wo finden Kinder ihre „Role models“?
Ob der Junge ein „hammerschwingendes Vorbild“ braucht ist wirklich die Frage. Aber ein Mann wäre nicht schlecht! „Hammerschwingend“ heißt ja nicht gleich „männliches Vorbild“. Wir Frauen müssen aber auch akzeptieren, dass wir nicht alles alleine regeln können und in der Entwicklung von Kindern auch andere Beziehungen wichtig sind!
In der Beschreibung ihres Abendprogramms „Nein, Mama“ steht, sie wollen Kindern eine Stimme geben – was wollen unsere Kinder uns sagen?
Kinder sagen uns mit einem „Nein“ oft ganz wertvolle Inhalte. Wir wollen, dass Kinder „funktionieren“ – wir sind gestresst und wollen das „nein“ nicht hören, weil es uns „stört“! Aber ein „Nein“ ist wesentlich für die Entwicklung für Kinder und ein „Nein“ ist immer ein richtig gutes Statement. Es fordert uns als Eltern heraus. Wir müssen uns mit dem „Nein“ beschäftigen. Was will uns das Kind mit „Nein“ sagen? Natürlich ist es leichter, wenn die Kinder „ja“ sagen, ein Nein heißt aber auch, dass Kinder selbstbewusst werden: Ich bin unabhängig, ich habe eine eigene Meinung! Das ist wichtig.
Interview: Christina Reinthal
Katia Saalfrank „Nein, Mama“, 16.11., 20 Uhr, Lindenpark und 17.11., 20 Uhr Admiralspalast Studio
Mehr zur Location: Admiralspalast
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