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Psychologe Dominic Frohn: neue Modelle
Der Psychologe Dominic Frohn im Interview über neue Familienmodelle und neue Elternrollen
siegessaeule.de 15.11.2011 – Es ist eine inzwischen gängige, aber immer noch neue Familienkonstellation: Ein lesbisches Paar bekommt durch die Samenspende eines Freundes ein Kind. Ein Modell, das auch neues Denken erfordert. Dominic Frohn ist Diplom-Psychologe mit Lehrtätigkeit und beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Queer Familys. Außerdem bietet er Familienmediationen, also Konfliktberatung, speziell für Regenbogenfamilien an.
Herr Frohn, was genau machen Sie?
Dominic Frohn: Ich bin in einer gewissen Hybridfunktion tätig. Auf der einen Seite bin ich selbstständiger Psychologe und auf der anderen Seite bin ich auch Wissenschaftler. In der Forschung beschäftige ich mich besonders mit schwul-lesbischen Themen, seit 2004 gehören dazu auch Regenbogenfamilien.
Haben sich Regenbogenfamilien im Lauf der Zeit verändert?
Die Konstellation, dass sich Eltern in der gleichgeschlechtlichen Lebensweise für ein Kind entscheiden, ist relativ neu. Es gibt zwar schon immer Kinder von Schwulen und Lesben, aber in der Regel stammten diese aus einer heterosexuellen Vergangenheit. In den Regenbogenfamilien ist die Vielfalt der Modelle unglaublich groß. Alle die derzeit in solche Familienmodelle gehen sind Pioniere, weil es im Gegensatz zur heterosexuellen Kleinfamilie überhaupt keine festgelegten Rollen gibt. Derzeit ist alles möglich!
Bringen diese neuen Queer Familys auch neue Konflikte mit sich?
Es gibt durchaus Konflikte auf der Elternebene. Beispielsweise entscheidet sich ein lesbisches Paar mit einem schwulen Mann eine Queer Family zu gründen. Hier entsteht oft ein Spannungsfeld bei der Frage, wie viel Kontakt zum Kind seitens der Mütter und wie viel vom Vater gewünscht ist. Dazu kommt die Frage, wer in die grundlegenden Entscheidungen bezüglich des Kindes einbezogen ist.
Was empfehlen Sie denjenigen, die eine Regenbogenfamilie gründen wollen?
So viel wie möglich vorher abzusprechen! Beispielsweise sollte geklärt sein, ob der Vater des Kindes ein Mitspracherecht bezüglich der Namensgebung des Kindes hat. Wie weit soll dieses Recht dann gehen? Darf er ausführlich mitdiskutieren, oder verfügt er lediglich über ein Vetorecht.
Was, wenn es Konflikte zwischen den Eltern gibt?
Mediation ist da ein Instrument, das als Intervention im Konfliktfall durchaus helfen kann, um Klärungsmöglichkeiten zu schaffen. Letztlich ist allerdings die Prävention das Wichtigste. Jeder Beteiligte sollte sich vorher ganz intensiv mit den eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen – im Optimalfall begleitet durch professionelle Beratung. Ich erlebe es häufiger, dass sich viele zum Beispiel die deutlichen Unterschiede zu den klassischen Familienrollen bei der Familienplanung nicht bewusst machen. Die gewohnten Rollenmuster sind sehr wirkmächtig, aber für Eltern in Regenbogenfamilien ist es ratsam, sich bewusst zu sein, in anderen Rollen ihre Elternschaft zu erfüllen.
Interview: Sabine Mahler
Die aktuelle Studie von Dominic Frohn zu Kölner Regenbogenfamilien gibt es als Download unter: www.dominicfrohn.de
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