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Regenbogenväter: die neue Rolle finden
Es gibt sie erst seit ein paar Jahren: Väter, deren Kinder bei lesbischen Eltern aufwachsen. Sabine Mahler über eine neue Vaterrolle
© Elke R. Steiner
siegessaeule.de 28.10.2011 – Björn ist vor kurzem Vater geworden. Der 32-Jährige wohnt in Berlin und sein Kind wird 700 Kilometer weit von ihm entfernt in Björns Geburtsstadt leben. Es wächst bei seinen lesbischen Müttern auf. Björn hat der Stiefkindadoption der Komutter zugestimmt und doch wird er seine Tochter regelmäßig sehen. Schon seit seiner Jugend ist er mit der Mutter seines Kindes befreundet und fand die Idee, ihr seinen Samen zu spenden, ganz wunderbar.
Er gehört zu den neuen Regenbogenfamilien, in denen sich die Eltern innerhalb einer gleichgeschlechtlichen Beziehung offiziell für ein Kind entschieden haben. Diese Elternschaft gibt es rein statistisch erst seit fünf bis sieben Jahren. „Dementsprechend ist derzeit alles möglich“, berichtet der Diplom-Psychologe Dominic Frohn. „Die Vielfalt der Modelle ist unglaublich groß und alle Personen, die in solche Familienmodelle gehen, sind Pioniere.“
„Einfach für sie da sein“ – trotz Rollenkonflikten
Für Björn stand von Anfang an fest, dass er sich zwar am Leben seines Kindes beteiligen wollte, der Lebensmittelpunkt seiner Tochter aber bei den Müttern sein würde. „Für mich ist das die perfekte Lösung. Ich bin beruflich sehr eingespannt und überlege, vielleicht zeitweise wieder in New York zu leben. Das wäre mit einem Kind im Haushalt nicht möglich. Trotzdem möchte ich meiner Tochter zeigen, wo ihre Wurzeln sind, und einfach für sie da sein“, sagt er. Allerdings hat sein Kind das Leben und Denken von Björn erst einmal durcheinandergewirbelt – was er vor der Geburt seiner Tochter nicht gedacht hätte: „Sie das erste Mal im Arm zu halten war ein sehr intensives Erlebnis für mich. Es ist eine ganz besondere Art der Bindung, die mich sehr berührt hat.“ So gab es dann auch kurz nach der Geburt einige Spannungen zwischen ihm und den Müttern, als es darum ging, die voher besprochenen Rollen auch auszufüllen. Ihm wurde klar, dass er sich aus vielen Entscheidungen raushalten muss, wie beispielsweise der Namenswahl des Kindes.
Die große Bandbreite an Möglichkeiten, Modellen und Konstellationen birgt offensichtlich auch starkes Konfliktpotenzial. Stefan* entschied sich ebenfalls, ein Kind gemeinsam mit zwei lesbischen Müttern zu haben. Er wollte ein sehr aktiver Vater sein, doch nach der Geburt hielten sich die Mütter nicht an die vorher besprochenen Abmachungen und er hatte nur wenig Kontakt zu seinem Sohn. „Nicht nur in meiner Situation, sondern auch bei vielen anderen scheitert es am Ende oft am Vertrauen unter den Beteiligten“, erzählt er. Erst nach vielen Wirren haben Stefan und die Mütter seines Kindes nun ein gutes Verhältnis zueinander. Jetzt sieht er seinen vierjährigen Sohn regelmäßig für eineinhalb Tage in der Woche.
Gute wäre die rechtliche Möglichkeit einer „Mehrelternschaft“
„Neben den vielen Chancen gibt es für alle Beteiligten einer Regenbogenfamilie etwas, das Chance und Herausforderung zugleich ist: Es gibt keine ,role models’, an denen man sich ausrichten kann. Dadurch gibt es weniger Orientierung, gleichzeitig bietet es mehr eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Ein echter Nachteil ist, dass es hier in Deutschland leider bisher noch keine klaren gesetzlichen Grundlagen – insbesondere für Mehrelternschaft – gibt“, meint der Psychologe Dominic Frohn. Er empfiehlt darüber hinaus, vorher alles so genau wie möglich zu planen und abzusprechen. „Präventive Familienmediation“ nennt er das und gibt zu diesem Thema auch immer wieder Seminare.
Für Stefan ist klar, dass es auf der zwischenmenschlichen Ebene wichtig ist zu lernen, alles sehr freundschaftlich anzugehen: „Vielleicht gilt es auch, mit solchen Modellen erst einmal Erfahrungen zu sammeln und gesamtgesellschaftlich eine Vorreiterrolle zu übernehmen, die natürlich Respekt vor dem anderen bedingt.“
Auch Björn hat sich nach einer kurzen Orientierungsphase schnell zurechtgefunden. Inzwischen wird sogar über ein weiteres Kind in dieser Konstellation nachgedacht.
Mehr zum Thema: Interview mit dem Psychologen Dominic Frohn hier auf siegessaeule.de/queer-family
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