Siegessäule - Xavier Naidoo antwortet auf Homophobie-Vorwürfe

Xavier Naidoo und Kool Savas

siegessaeule.de 15.11. – „Warum liebst Du keine Möse, wo jeder Mensch doch aus einer ist?“ – wegen dieser Liedzeile hat ['solid], die Jugendorganisation der Linkspartei, die Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas angezeigt: Volksverhetzung und Aufruf zu Gewalt sieht die Linksjugend im Song „Wo sind“. Das Lied auf dem Album „Gespaltene Persönlichkeiten“ ist ein sogenannter Hidden Track: Es wird nicht in der Songliste genannt und ertönt erst nach einer mehrminütigen Pause nach dem offiziell letzten Stück auf dem Album. Die Platte war zwischenzeitlich auf Platz 1 der deutschen Charts.

In „Wo sind“ heißt es: „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann fick ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Josi Michalke, Bundessprecherin von ['solid], kritisiert: „Hier werden auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch mit Pädophilie mit Homosexualität gleichgesetzt“, schreibt sie in einer Presseerklärung. „Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie.“ Naidoo inszeniere sich als Kämpfer für das Gute, stachele aber zu Gewalt und Selbstjustiz an.

Die ['solid] sieht einen „Anfangsverdacht wegen eines Aufrufs zur schweren Körperverletzung und zum Totschlag und wegen Volksverhetzung“. Sie hat bei den Staatsanwaltschaften Berlin, Mannheim und Hannover Strafanzeige erstattet,  gegen die Musiker sowie die Vertriebsfirma Tonpool Medien GmbH und die Plattenlabels Naidoo Records und Essah Entertainment.

Naidoo antwortet: Es geht um Ritualmorde, nicht um Homosexualität


In einem ausführlichen Statement auf Facebook haben Xavier Naidoo und Kool Savas am heute die Vorwürfe zurückgewiesen. Xavier Naidoo, ein bekennender Christ, schreibt: „Zuerst möchten wir all unsere Sympathie und unseren großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit bekunden (...) Ich stehe, seit ich denken kann, mit der katholischen Kirche auf Kriegsfuß, weil sie Schwule, Lesben und Transsexuelle nicht respektiert und akzeptiert. Diese Haltung ist völlig inakzeptabel.“ Im Lied „Wo sind“ gehe es um Ritualmorde an Kindern und Babys, nicht um Homosexualität. „Ich beschäftige mich seit 1996 mit der Thematik, dies war kurz bevor der Fall Dutroux ans Licht kam. Wenn ich in meinem Leben eines erreichen möchte, dann, dass nie wieder Kinder auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen.“ Kool Savas ergänzt, es sei nie die Absicht gewesen, „Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen“. Er sieht das Lied als „fehlinterpretiert“.
Malte Göbel