Siegessäule - Bologna: gut essen und gut leben!

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Bologna: gut essen und gut leben!


Die toleranteste Stadt Italiens zeigt sich farben- und lebensfroh

© Alle Fotos: Tobias Sauer

siegessaeule.de – Diese vielen Rottöne! Beim Blick aus dem Flugzeugfenster ist sofort klar, wann die Grenze nach Italien überflogen ist. Nördlich der Alpen sind die Häuser einfarbig gedeckt, meist schwarz. Aber südlich der schneebedeckten Berggipfel leuchten die Dächer dann rot. Und sobald der Bus vom Flughafen in die Innenstadt Bolognas fährt, zeigt sich: auch die Ziegelsteine der Häuser sind dunkelrot, die Fassaden rötlich oder ockerfarben gestrichen und in den Fenstern flattern bordeauxrote Vorhänge im leichten Wind. Kein Wunder, dass die Farbe zum Kosenamen Bolognas wurde: „La Grossa, la Rossa, la Dotta“ – „die Fette, die Rote, die Gelehrte“ – heißt die Hauptstadt der Region Emilia Romagna, die an den Hängen des Apennin im 6. Jahrhundert vor Christus gegründet wurde.

 „La Grossa“? Beim Bummel durch die mittelalterlichen kleinen Gassen in der Nähe der Piazza Maggiore klärt sich die Frage wie von selbst. Überall stehen Obststände, in den Geschäften hängen saftige Schinken von der Decke, es riecht nach frischem Fisch, der an mehreren Ständen angeboten wird. „Sono freschi?“ – „Sind die auch frisch?“, fragt eine ältere Frau und beugt sich kritisch über die angebotenen Tomaten. „Freschissimi!“ – „Sehr frisch!“, ruft der Händler zurück. Die Emilia Romagna gilt als das kulinarische Herz Italiens: Mortadella und Tortellini kommen ebenso aus Bologna wie die berühmte Nudelsoße. Und aus der Umgebung stammen Parmaschinken und Parmesankäse.

Bologna ist die homofreundlichste Stadt Italiens

Trotz ihrer mehr als 2500-jährigen Geschichte ist Bologna eine lebendige Stadt geblieben. 40.000 der 375.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind Studierende, hier residiert die älteste Universität der Welt. Und das gibt der norditalienischen Stadt den dritten Beinamen: „die Gelehrte“. Die jungen Menschen bringen vor allem aber auch eine offene, liberale Atmosphäre nach Bologna, die im übrigen Italien manchmal schmerzlich vermisst wird.
Zum Studium zog auch Costantino Giordano vor vier Jahren hierher. Der 23-Jährige wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe von Neapel auf. „Hier in Bologna fühlt man sich viel freier“, erzählt er. „Es interessiert sich niemand dafür, wenn zwei Frauen Hand in Hand durch die Straßen laufen, sich ein schwules Paar auf der Piazza Maggiore küsst oder eine Transsexuelle als Krankenschwester arbeitet. Das gibt es in Italien wohl nur hier.“

In dieser offenen, neugierigen Atmosphäre sind im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Vereine und Gruppen entstanden. 1978 gründeten Aktivisten und Aktivistinnen in Bologna den Verein Cassero, der sich für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben einsetzte. Er war die erste Vereinigung dieser Art in Italien – und noch heute befindet sich der Hauptsitz von Arcigay Italia, der nationalen Dachorganisation der Schwulen- und Lesbenverbände, hier. „Bologna bietet eine besondere Kultur, die offen und tolerant ist“, erklärt Matteo Cavallieri, der die Veranstaltungen von Cassero koordiniert. Allein in Bologna hat Arcigay Italia 19.000 Mitglieder, ein Viertel der Gesamtmitgliederzahl von etwa 80.000 in ganz Italien, rechnet er vor.

Queeres Highlight: Gender-Bender-Festival im Herbst

Das Cassero bildet das Zentrum der queeren Kultur Bolognas. Der Verein informiert über Gesundheit und Wohlbefinden, verfügt über die bedeutendste Bibliothek zum Thema Homosexualität in Italien, mischt sich in politische Diskussionen ein – etwa zur eingetragenen Lebenspartnerschaft, die in Italien noch immer nicht eingeführt wurde – und organisiert Kulturveranstaltungen und Partys. Der Höhepunkt des Jahres aber ist das Gender-Bender-Festival, das jeweils im Herbst die Stadt in Atem hält. „Mit dem Festival wollen wir Stereotype und Vorurteile gegenüber Schwulen, Lesben und Transsexuellen abbauen“, erklärt Matteo. Durch die Kunst sollen die Normen und Stereotype, die das „Männliche“ und das „Weibliche“ festlegen, infrage gestellt und die Mischungen und Verwischungen dieser traditionellen Rollenbilder deutlich gemacht werden.

Doch das Cassero ist längst nicht der einzige Ort der Stadt, an dem queer gefeiert werden kann. „Die Partys von ‚Antagonismo Gay’ sind sehr schöne, sehr fröhliche und trashige Feiern in einem besetzten Haus“, schwärmt Costantino, „organisiert von einem kommunistisch-anarchistischen Kollektiv.“ Selbst in der Nacht bleibt Bologna noch „die Rote“.                            

Tobias Sauer

Informationen: Cassero: www.cassero.it,
Gender-Bender-Festival: www.genderbender.it,
Antagonismo Gay: www.ecn.org/agaybologna


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