Pornfilmfestival Berlin 09
PornYesPreis: Wer und warum?
Premiere des feministischen Pornopreises am 17. Oktober in Berlin
Als 1981 „Deep Inside Annie Sprinkle“ in die Pornokinos kam, wusste noch niemand, dass dies der Beginn einer neuen Ära war. Die durch Hardcorefilme bekannt gewordene Hauptdarstellerin Annie Sprinkle führte Regie, schrieb das Drehbuch und durchbrach mit ihrer Selbstinszenierung fast jede bisher aufgestellte Konvention des Sexfilms. Sprinkles mutige wie radikale Grenzüberschreitung, aus dem Bild der austauschbaren, dem Mann als lebendes Spielzeug dienenden Projektionsfläche auszusteigen und die weibliche Lust gleichberechtigt darzustellen, kam beim Publikum ausgesprochen gut an.
Eine andere Heldin der weiblichen Leidenschaft, die Darstellerin, Regisseurin und Produzentin Candida Royalle, die fast zeitgleich mit Annie Sprinkle den Sexmarkt revolutionierte, indem sie die sexuellen Bedürfnisse von Frauen auf die Leinwand und in die Heimkinos brachte, wird dieses Jahr bei der ersten Verleihung des „Feministischen Pornofilmpreises Europa“am 17. Oktober in Berlin für ihr Lebenswerk geehrt. Verliehen wird von einer Jury, darunter die Filmemacherin Ula Stoeckel die „Auster“. PorYes soll laut Preisinitiatorin Laura Méritt für „den Teil der Frauenbewegung stehen, der für eine positive Darstellung von Sexualität steht und klischeehafte, menschenverachtende Darstellungen ablehnt.“
Ausgerechnet „feministisch“ als Gütesiegel für Pornografie scheint angesichts des eher lustfeindlichen und angestaubten Images des deutschen Feminismus wie ein geschäftsschädigendes Oxymoron. „Im Gegenteil“, sagt Laura Méritt, Betreiberin von Sexclusivitäten (frauenorientiertes Sexspielzeug und Veranstaltungen) in Berlin, „Feminismus ist sexy, eben weil alle etwas davon haben. Es geht ja nicht nur um die selbstbestimmte Lust von Frauen, Männer profitieren davon genauso.“ „Unsere Veranstaltung und die Ehrung der Protagonistinnen dieser Bewegung zeigt einen bisher medial wenig berücksichtigten Teil der Frauengeschichte. Den Sextoymarkt haben Frauen bereits revolutioniert, jetzt wird es Zeit, auch die letzte Bastion, die Pornobranche an sich, zu erobern und nach menschenwürdigen Kriterien zu verändern.“ Méritt würde es daher eher „Fair-Porn“ nennen, was sich als Produkt breiter durchsetzen müsse. Bei der Preisverleihung werden namhafte Regisseurinnen wie Petra Joy und Shine Louise Houston dabei sein. (sk)
PorYes, Feministischer Pornopreis Europa, 17.10., 20h Filmtheater Hackesche Höfe, anschließend Party, poryes.de
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