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„Howl“: Fiktive Doku über Allen Ginsbergs literarischen Aufschrei aus den 50ern
Das epische Gedicht „Howl“ des 29-jährigen Dichters Allen Ginsberg (gespielt von James Franco) platzte 1955 mit anarchischer Wucht wie ein H-Bombe in die rigide, selbstgefällige Atmosphäre der Eisenhower-Ära. Emotional nackt thematisiert es radikal Drogen, Sex, Rassenbeziehungen, Religion und Geisteskrankheiten, aber insbesondere ist es auch eine Feier von homosexueller Liebe und Lust. Wie aus einem Gedicht einen Dokumentarfilm machen, wenn dazu noch aus der Zeit wenig filmisches Archivmaterial vorhanden ist? Die beiden Oscar- und Emmy-Preisträger Robert Epstein und Jeffrey Friedman fanden einen innovativen und kreativen Weg. Ihr Film verbindet Animation, ein simuliertes Interview, Dramatisierungen von Ginsbergs Leben und Spielszenen aus dem Prozess wegen Obszönität. Diese schwierige künstlerische Entscheidung hat sich ausgezahlt: „Howl“ ist ein kraftvoller, stimulierender, „jazziger“ Film, der ein epochales literarisches Meisterwerk effektiv und eindrucksvoll auf die Kinoleinwand überträgt. Und vor allem ist es den Regisseuren gelungen, durchaus „zeitlose“ und aktuelle Bezüge zu realisieren und somit dieses erschütternde Höllengeheul vom unsterblichen Geist der Liebe einer neuen Generation nahezubringen.
Egbert Hörmann
"howl", Regie: Robert Epstein und Jeffrey Friedman, USA 2010, Sektion Wettbewerb, hier zum Berlinale-Programm
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