Siegessäule - Nachruf auf den Siegessäule-Mitbegründer Eberhard Zastrau

Berlin

Nachruf auf den Siegessäule-Mitbegründer Eberhard Zastrau


Im Mai ist Eberhard Zastrau verstorben. Er war zeitlebens als schwuler Bürgerrechtler aktiv. Sein Weggefährte Günter Dworek erinnert an ihn

Eberhard Zastrau

Als die allererste „Siegessäule“ im April 1984 erschien, stand sein Name an dritter Stelle im Impressum: Eberhard Zastrau. Nicht alle Mitglieder der zwölfköpfigen Redaktion wurden damals mit vollem Namen im Heft aufgeführt, sondern einige nur mit Vornamen, Kürzel oder unter Pseudonym. Schließlich galt gleichgeschlechtliches Zusammenleben bis 1984 noch als sittenwidrig. Eberhard kämpfte von Anfang an mit offenem Visier gegen Diskriminierung. Im Mai 2012 ist der schwule Bürgerrechtsaktivist im Alter von 58 Jahren in Berlin gestorben.

Eberhard hat in seinem Aktivistenleben viele Dinge angestoßen, auf die Schiene gesetzt und mit bewundernswerter Hartnäckigkeit vorangetrieben. Viele Jahre gehörte er zu den prägenden Köpfen schwuler Bürgerrechtspolitik in Berlin, schon als diese noch gar nicht so hieß. Bereits früh trat Eberhard dafür ein, aktiv Einfluss zu nehmen auf Parlamente und Regierungen, auf die Politik in der Stadt und im Bund. 1980 war er mit dabei, als die „Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft“ zur Bundestagswahl erstmals „Parteien auf den Prüfstand“ stellen wollte, und kümmerte sich um die Pressearbeit. Danach organisierte er Kampagnen gegen § 175, war ein Motor des „Treffens Berliner Schwulengruppen“, wurde Mitgründer und Redakteur der „Siegessäule“. Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit waren sein Metier. In den sehr bewegten Jahren 1986-1988 war Eberhard Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe. Damals tobte der Kampf zweier Linien in der AIDS-Politik, zwischen einem aufgeklärten Präventionsansatz und einer repressiven Verfolgungsstrategie, symbolisiert durch die Namen Rita Süssmuth und Peter Gauweiler.

Später engagierte sich Eberhard im Lesben- und Schwulenverband (LSVD), insbesondere in der Erinnerungsarbeit. 2001-2007 vertrat er den LSVD im Beirat der „Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten“, die die KZ-Gedenkorte Sachsenhausen und Ravensbrück betreut. Würdiges Erinnern aller Verfolgten einschließlich der Rosa-Winkel-Häftlinge war sein Anliegen. Er hat in Brandenburg wie Berlin bewegende Gedenkveranstaltungen auf die Beine gestellt, hat mit immer neuen Ideen Menschen zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit motiviert. An der politischen Durchsetzung und Verwirklichung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin hatte Eberhard ebenfalls großen Anteil. Verbittert über Diskussionen in der Community um dieses Denkmal zog er sich später aus dieser Arbeit weitgehend zurück.

Für Eberhard galt die Maxime des aufrechten Ganges. Er war immer bereit, für seine Standpunkte geduldig zu argumentieren, aber auch mit Schärfe zu kämpfen. Das ging manchmal bis zur Unerbittlichkeit, wenn er glaubte, andere würden die hohen Ansprüche aufgeben, denen er sich verpflichtet fühlte. Halbgarheiten und Lauheit waren seine Sache nicht. Er war ein Radikaldemokrat, der sein Leben lang für die Ideale der Aufklärung, für Selbstbestimmung, für die Freiheitsrechte und für mehr Demokratie gestritten hat. Nun ist er für immer fort. Aber Eberhard Zastrau hat uns Bleibendes hinterlassen.
Günter Dworek

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