Siegessäule - Maren Kroymanns süße Sechzig: „In My Sixties”

Bühne

Maren Kroymanns süße Sechzig: „In My Sixties”


Schauspielerin und Sängerin Maren Kroymann ist mit „In My Sixties“ in der Bar jeder Vernunft zu erleben, 27.9. - 9.10.

Milena Schloesser

siegessaeule.de 27.9.2011 – Maren Kroymanns Vielseitigkeit beschert dem Publikum immer wieder sehenswerte Höhepunkte. So war die Wahlberlinerin zuletzt als Fräulein Schneider in „Cabaret“ zu sehen, überzeugte davor aber auch mit ihrer differenzierten Darstellung im SM-­Liebesdrama „Verfolgt“, in dem sie Jungschauspieler Kostja ­Ullmann den Hintern versohlt. Zurzeit freuen sich Fans auf neue Folgen der Krimireihe „Bella Block“, die aktuell in Berlin gedreht werden. Maren Kroymann gibt darin eine Freundin Bellas.

Zuvor hat die 62-Jährige jedoch mit dem Soloprogramm „In My Sixties“ Premiere. Doppeldeutig schlägt sie darin den Bogen in ihre Teeniejahre der 60er. Im Charlottenburger Lieblingscafé erzählt die offen lesbische Künstlerin der Siegessäule von ihrer Pubertät in Tübingen, ihrer Begeisterung für Dusty Springfield und die queeren Zwischentöne in den Songs der Popikone.

Sie feiern im neuen Programm auch das Jubiläum „50 Jahre Pubertät“. Wie anstrengend ist so eine lange Pubertät, Frau Kroymann?
So kann man das ja auch lesen, das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Ich dachte mehr daran, dass vor circa 50 Jahren meine Pubertät begonnen hat. Die dauerte bei mir zwar relativ lange, aber so lange dann auch nicht. Jetzt erst kehrt wieder etwas aus dieser Zeit zurück. In meinen 60ern fühle ich eine Leichtigkeit und Unbefangenheit und auch die Lust, etwas Neues zu probieren. Das ist aktuell viel stärker als in früheren Jahren. Dass ich nach drei Jahrzehnten wieder im Ensemble Theater spiele zum Beispiel und dann auch noch Musical. Solche Mutanfälle hatte ich früher nur in der Pubertät oder kurz danach. Diese Verbindung zwischen den Lebensabschnitten will ich mir auch bewusst wiederholen.

War die Pubertät eine gute Zeit für Sie?
Die Phase war schrecklich und toll. Ich bin als behütetes Kind in Tübingen aufgewachsen und hatte eigentlich alle Möglichkeiten. Es war nur wahnsinnig verklemmt. Alles, was mit Sexualität zu tun hatte, war kein Gesprächsthema mit meinen Eltern oder mit der Generation vor uns. Dem mussten wir selbst auf die Schliche kommen und da war für mich die Popmusik eine große Hilfe. Ich entdeckte mit der Popmusik die Sexualität. Ich glaube, ich war acht Jahre alt, als ich mich in Elvis Presley verliebte. Deshalb lag der Schwerpunkt meines ersten Programms auch auf Liedern von Elvis, damals noch vermittelt durch meine älteren Brüder. In den 60ern entdeckte ich dann meine Musik aber selbst. Zum Beispiel Dusty Springfield, die plötzlich sehr wichtig war. Sie vermittelte eine Stärke, die ich nicht hatte. Ihre Songs klangen wie ein Versprechen, dass es besser wird mit einem. Selbst wenn sie von Liebeskummer singt und Niederlagen, tut sie das mit einer Stimme, die einem erzählt, dass sie ein souveräner Mensch ist. Es klang immer nach „Ich krieg das schon hin“. Das finde ich heute noch faszinierend.

Lieferte Dusty Springfield damals den Soundtrack zu Ihrem lesbischen Coming-out?
Nein, ich bin ja die Späte, ich kam ja über den zweiten Bildungsweg. Erst mit Anfang vierzig hatte ich meine erste Frauenbeziehung. Dass Dusty Springfield auch eine lesbische Ikone war, erfuhr ich erst vor ein paar Jahren. Sie selbst hat es nie gesagt, aber man weiß, dass sie ein paar gute Freundinnen hatte. 

(Das ganze Interview im Siegessäule Heft September 2011)    
Interview: Peter Fuchs


„In My Sixties“, Maren Kroymann & Band, Bar jeder Vernunft, 27.9.–9.10., Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Premiere: 27.9. Infos unter bar-jeder-vernunft.de

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