Siegessäule - Forscher: Es gibt keine schwulen Tiere

Politik

Forscher: Es gibt keine schwulen Tiere


Biologen kritisieren, dass die Begriffe schwul und lesbisch nicht für Tiere taugen – auch wenn die gleichgeschlechtlichen Sex haben

Schwules Idyll: Pinguinpaar im Kinderbuch "And Tango Makes Three"

siegessaeule.de 11.8. – Zootiere sind immer für eine Schlagzeile gut. Meist geht es dann um die Folgen von Heterosex: süße Babys. Jüngstes Beispiel aus Berlin ist Spitzmaulnashörnchen Akili aus dem Zoologischen Garten. In den letzten Jahren kam eine neue Art von Zoomeldungen dazu: homosexuelle Tiere. Die Meldungen zu schwulen Pinguinen sind längst Legion.

Das Outing im Bremerhavener Zoo am Meer war 2006 eine echte Überraschung, selbst für die Tierpfleger. Der Grund: von außen sieht man Humboldtpinguinen ihr Geschlecht nicht an. Die Kehlstreifpinguine Roy und Silo aus dem Central Park Zoo in New York wurden sogar zu Kinderbuchhelden. Die Bildergeschichte „And Tango Makes Three“ erzählt, wie die beiden Männchen gemeinsam ein Ei ausbrüten und eine Regenbogenfamilie gründen. 

Vom Pinguinbecken im New Yorker Zoo ist es nur ein kleiner Schritt hin zu einer sehr amerikanischen Auseinandersetzung: Denn in den USA geraten auch die Tiere leicht in den Kulturkampf um die Homo-Ehe, der durch die nahende Präsidentschaftswahl auf eine neue Entscheidungsschlacht zusteuert. In dieser aufgeheizten Atmosphäre plädieren nun die Biologen Andrew Barron und Mark Brown für einen gelassenen Umgang mit Sexualität – auch im Tierreich.  

Medien berichten meist reißerisch über Homosex bei Tieren 

In der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazin Nature gehen die beiden Fachleute scharf mit englischen und amerikanischen Medien ins Gericht. Diese würden zumeist reißerisch über homosexuelles Verhalten von Tieren berichten und so die Aussagen der zugrundeliegenden zoologischen Studien verzerren. Insgesamt 48 Artikel über Sexualität im Tierreich haben die beiden Forscher untersucht, die meisten aus seriösen Publikationen wie Washington Post oder Time Magazine. Sensationsheischende Überschriften wie „Alkohol macht Fliegen schwul“ kennt man aber auch aus deutschen Medien.

Bei Berichten über das Sexleben der Tiere neigten Medienmenschen zur Polarisierung, so Barron und Brown. Sie kritisieren die leichtfertige Gleichsetzung von Mensch und Tier. Diese erwecke den Eindruck, Homosexualität sei eine Krankheit und könne bei allen Lebewesen mit Medikamenten und Hormonen beliebig beeinflusst werden. Ziel der Forschungen sei es jedoch, sexuelles Verhalten zu untersuchen sowie dessen Ursachen und Einflussfaktoren zu bestimmen. 

Barron und Brown raten davon ab, Tiere als schwul und lesbisch zu beschreiben. Diese Bezeichnungen bezögen sich allein auf die sexuelle Orientierung von Menschen. Und die unterscheide sich deutlich von der tierischen. Neben Genen und Hormonen beeinflussen beim Menschen auch Lebensstil, Partnerpräferenz und Kultur das Sexualverhalten. 

Gleichzeitig fordern die beiden Wissenschaftler ihre Kolleginnen und Kollegen dazu auf, sorgfältiger zu formulieren, um Missverständnissen vorzubeugen. Als vorbildlich loben die beiden die Ornithologin Lindsay C. Young aus Honolulu. Diese forscht über weibliche Albatros-Paare. In Interviews hatte Lohan stets betont, dass man keine leichtfertigen Rückschlüsse von Vogel- auf Menschenpaare ziehen solle. Medienberichte über Lohans Forschungsarbeit fielen entsprechend sachlich aus. 

Philip Eicker

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