Siegessäule - Blauer Planet Gayromeo

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Blauer Planet Gayromeo


Zum Geburtstag von GayRomeo sprach Siegessäule exklusiv mit Gründer Jens Schmidt über zehn Jahre Erfolg, Kritik und Zukunft. Für die UserInnen gibt es ein Geschenk. Interview: Stefan Mey

an der

siegessaeule.de 11.10.2012 – Im Oktober 2002 nahm GayRomeo seinen Betrieb auf. Die „blauen Seiten“ haben seitdem einen großen Einfluss auf das schwule Leben, schwulen Sex und ­schwule Beziehungen. Pünktlich zum Geburtstag ging Gayromeo gerade mit einer neuen App für iPhone und Android an den Start – ein kostenfreies Extra für die UserInnen. 

Jens, wie hat alles vor zehn Jahren angefangen?
Die Idee zu GayRomeo hatte ich, als ich in London war. Ich musste mich mit dem dortigen Dating-Portal Gaydar begnügen und hab mir gesagt: das geht bestimmt besser. Ich hatte vorher zusammen mit einem Freund schon eine Seite für Escorts: Erados. Ich konnte viele technische Elemente wiederverwenden. Nach drei Monaten war die erste Version von GayRomeo fertig.

Wie ist GayRomeo so groß geworden?
Wenn ich dafür eine Erklärung hätte. Berlin als Standort ist definitiv ausschlaggebend gewesen. Viele Leute kommen nach Berlin und nehmen von hier etwas mit nach Hause. Außerdem komme ich aus der Fetisch-Ecke, Fetisch-Leute reisen sehr viel und sind sehr kontaktfreudig.

Inwiefern hat deiner Meinung nach GayRomeo in den letzten 10 Jahren das schwule Leben in Deutschland geprägt?
Das Internet und auch GayRomeo haben die Transformation der Schwulenszene beschleunigt. Das Ausgehen-zum-Sex-Haben ist weniger wichtig geworden. Ich beobachte in Schöneberg, dass es wieder zum Sozialen tendiert, man geht was trinken und man kann auch früher hingehen. Ein anderer Punkt ist, dass man mittlerweile sein schwules Leben auch gut auf dem Land oder in einer kleinen Stadt organisieren kann. Ich komme selbst aus der Provinz, aus der Nähe von Dessau. Seien wir ehrlich: Früher musstest du wegziehen oder enthaltsam leben.  

Bei aller Beliebtheit hat GayRomeo ein sehr widersprüchliches Image. Viele Nutzer sagen, dass alle nur Sex suchen, Spinner und oberflächlich sind – gleichzeitig hat aber ein großer Teil der Schwulen dort ein Profil. Das bedeutet, dass entweder fast alle Schwulen nur Sex wollen, spinnen und oberflächlich sind oder dass an der Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Wie erklärst du dir das?
Natürlich gibt es merkwürdige Leute. GayRomeo ist ein Abbild der unge­schminkten Wirklichkeit. Weder können wir die User selber backen, noch finde ich, dass an Sex was schlechtes ist. Deutsche User haben oft eine Tendenz, sich selbst aufzuwerten, indem sie andere abwerten. Vielleicht wollen Leute, die sagen: „alle außer mir sind Spinner“, sich erklären, warum sie selbst nicht erfolgreich sind. Übrigens kenne ich auch seit jeher das Katzengejammer, wenn man in der Schwulenszene ausgeht: wie furchtbar alle Typen sind und dass alles ganz schrecklich ist. Trotzdem geht man aus.

Reden wir über zwei heikle Themen. Auf GayRomeo gibt es Bareback-Gruppen und gleichzeitig die Forderung, dass das unterbunden werden sollte. Was ist da deine Position?
Es gibt keinen Kardinalsweg. Jeder Versuch des Verbietens führt zwangsläufig Leute in den Untergrund. Natürlich werden sie es weiterhin machen, ob es uns gefällt oder nicht. Ich selbst mache kein Bareback, weil mir meine Gesundheit wichtig ist. Ich denke aber, dass es nicht an uns als Firma ist, über das sexuelle Verhalten zu urteilen und einzugreifen. Ein Eingreifen würde bei einer konsequenten Umsetzung leider zwangsläufig zu einer kompletten Überwachung des Nutzers führen.

Ein anderes Thema ist: Wenn 18-Jährige sich neu anmelden, werden sie teilweise mit ungewollten Sexangeboten von Über-50-Jährigen bombardiert und bekommen sogenannte Taschengeld-Angebote. Habt ihr eine Verantwortung, sie vor diesem „Kulturschock“ zu bewahren?
Auch hier gilt: Das ist der Preis der Freiheit. Sollen wir sagen, 50-Jährige können grundsätzlich nicht mit 18-Jährigen kommunizieren? Wir bieten an, jemanden zu blocken, wenn er wirklich nervt. Natürlich mag es Leute geben, die keinen Respekt haben, aber vielleicht ist das die Bürde des gut aussehenden 18-Jährigen, dass er öfters dann doch blocken muss.

Wie sieht die Realität hinter GayRomeo ­eigentlich konkret aus? Es gibt eine niederländische Firma, eine deutsche Firma und eine Stiftung ...
Es gibt die niederländische PlanetRomeo BV und die Erasys GmbH in Berlin. Die arbeiten unabhängig voneinander, ich bin aber bei beiden Firmen Gesellschafter. Erasys entwickelt als Auftragnehmer die Software. Die BV macht alles andere, wie den Support und die komplette Verwaltung. Zusammen arbeiten dort etwa 60 Leute.

Hier geht's weiter zu Teil 2 des Interviews

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