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Was macht eigentlich ... das Magazin Männer?

10. März 2015
Kriss Rudolph (c) SILVA

Interview mit dem neuen Chefredakteur Kriss Rudolph

Im Februar setzte der Gmünder Verlag David Berger vor die Tür. Der umstrittene Chefredakteur des Magazins Männer war durch mitunter rechtspopulistische Statements immer mehr in die Kritik geraten. Hier das Interview mit Bergers Nachfolger Kriss Rudolph in der Langfassung

Kriss, warst du überrascht von deiner Beförderung zum Chefredakteur? Mir fiel schon seit Monaten auf, dass es bei der Männer nicht so läuft, wie man es sich wünschen würde. Das habe ich auch Ende Januar den Herausgebern gesagt.

Was hätte denn besser laufen können? Die Themensetzung und auch, wie geschrieben und dies dann bebildert wurde. Was ich auch wiederholt in der Redaktion angesprochen habe. Es gab natürlich auch gelungene Sachen, etwa unser Spezial zu Crystal Meth. Aber ich will immer, dass das geilstmögliche Produkt entsteht, wenn ich an etwas mitarbeite, und ich hatte hin und wieder den Eindruck, dass nicht alle Kollegen so gebrannt haben wie ich. Aber ich will gar nicht so viel über Vergangenes sprechen. Persönlich hatte ich mit David Berger überhaupt kein Problem.

Bergers Umfeld vermutete als Grund für seinen Rauswurf Angst vor Islamismus und großen Werbekunden. Letzteres kann ich nicht bestätigen, mir aber auch nicht vorstellen. Der einzige Werbekunde, der abgesprungen ist, war die AIDS-Hilfe. Und Angst vor Islamismus? Für so ängstlich halte ich die Herausgeber nicht. Ich finde diesen Vorwurf polemisch.

Wie reagierten die Leser auf den Wechsel? Es gab Leute, die es nicht gut fanden und ihre Abos kündigten, aber die meisten sagten: Gut so, wurde auch Zeit!

Was wird sich bei Männer nun ändern? Wenn ein schwules Magazin die Community spaltet, macht es etwas falsch. Das versuchen ja schon die Luckes und Putins und Reiches dieser Welt. Deswegen möchte ich in der nächsten Zeit ein Treffen anregen mit den ChefredakteurInnen von SIEGESSÄULE, Blu und Queer.de. Ich glaube, dass wir ein gemeinsames Ziel haben, nämlich 100 Prozent Gleichstellung zu erreichen.

Und inhaltlich? Ich will angriffslustiger werden und den Jammer-Journalismus zurückfahren. Die neue Ausgabe im März fragt: „Wo bleibt eigentlich unsere Wut?“ Ich habe im Gorki-Theater „Small Town Boy“ von Falk Richter gesehen, über schwules Leben heute, über die Beziehungslosigkeit in unseren Beziehungen, über die „besorgten Eltern“ und die Verfolgung von Schwulen in Russland. Mich hat das wahnsinnig aufgewühlt. Wie kann es sein, dass es keine Kundgebungen nach jeder Vorstellung gibt, wo die Leute ihre Wut rauslassen? Sind die Leute so gleichgültig oder wissen sie nicht wohin mit ihrer Wut?

Wird sich am Männerbild bei Männer etwas ändern? Das wurde auch kritisiert. So einseitig war das Männerbild nun nicht. Es gab Fotostrecken mit jüngeren und älteren Typen, auch wenn sie selten über 40 waren, mit muskulösen und weniger muskulösen. Die Männer soll sich verkaufen, also setze ich keine buckeligen Typen aufs Cover. Trotzdem gab es zuletzt eine gewisse Glätte, da würde ich gern mehr Edge reinbringen.  

Ein weiterer Vorwurf war der des Rassismus, etwa in einem Text über einen schwarzen Homo-Hasser ... Es war eine Glosse, die arbeitet mit Ironie und Überspitzung. Ich würde sie wieder so veröffentlichen. Es ging nicht wahllos um Afro-Amerikaner, sondern es war eine Reaktion auf schwulenverachtende Äußerungen dieses Predigers. Da wird man ja wohl in derselben Schärfe reagieren dürfen.  

taz.de sprach von einem „Rechtsruck in der schwulen Szene“, genauer gesagt von einer Entsolidarisierung der Schwulen mit anderen Minderheiten. Klar ist das eine Tendenz, die ich nicht gutheiße. Vielleicht ist das eine Nebenwirkung dessen, dass Schwule gerade in der Gesellschaft anzukommen scheinen, die ja als Ganzes nach rechts zu rücken scheint. Andererseits ist inzwischen sogar unter Muslimen eine Mehrheit für die Ehe-Öffnung.  

Muslime galten in der Männer bisher vor allem als homophob ... Zuletzt gab es zu viel Kommentar, zu wenig fundiert, da schien die Weltanschauung von David Berger zu sehr durch, ohne dass ich die konkret definieren könnte. In Zukunft wird man nach Möglichkeit verschiedene Meinungen in der MÄNNER lesen. Das gehört dazu. Alles andere ist nicht Journalismus.

Interview: Malte Göbel

Aus Platzgründen ist in der aktuellen Printausgabe von SIEGESSÄULE eine kürzere Version des Interviews erschienen.

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