Berlin

Streitbarer Film im Homo-Mahnmal

3. Okt. 2014
Szenenfoto aus dem Film von Gerald Backhaus

Einst löste er einen Zoff innerhalb der Community und Medien aus. Ab dem 07.10. wird er wieder in dem im Homo-Mahnmal intergierten Guckkasten zu sehen sein: der ursprüngliche Film des Berliner Künstlerduos Elmgreen und Dragset, die die 2008 eingeweihte Gedenkstätte entwickelten. Der damalige Streit entbrannte, weil der Film lediglich ein küssendes Männerpaar zeigte. Das brachte ihm unterem anderem von Seiten der Zeitschrift Emma den Vorwurf ein, weibliche Formen der Homosexualität auszuschließen. Damit losgetreten wurde eine langwierige Debatte über die Doppelfunktion des Denkmals, das zum einen an die Verfolgung schwuler Männer durch die Nationalsozialisten erinnern, zum anderen aber auch ein umfassendes Zeichen gegen jegliche Form der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen setzen sollte. Zu den zentralen Fragen gehörte dabei, inwieweit auch lesbische Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus mit Repressalien und Verfolgung konfrontiert waren und sie somit ebenso Teil dieser Erinnerungskultur sind.

Als Ergebnis dieser hitzigen Diskussion wurde der Film gegen einen anderen ausgetauscht, der im Rahmen eines Wettbewerbs bestimmt wurde. Gewinner war der zweiminütige Clip des Journalisten und Regisseurs Gerald Backhaus. Seit Januar 2012 ist er im Homo-Mahnmal zu sehen und zeigt küssende Männer- und Frauenpaare. Wer sich diesen Film direkt vor Ort ansehen möchte, hat aber nur noch bis zum 06.10. Gelegenheit dazu. Denn die betreuende Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas teilte dem Künstler mit, dass er jetzt wieder gegen den ersten Film von Elmgreen und Dragset ausgetauscht wird. Gründe dafür wurden nicht angegeben. Allerdings sei die Rückkehr des alten Films nur vorübergehend. In einem weiteren Wettbewerb soll ein neuer Film gefunden werden. Ein genauer Termin dafür steht allerdings noch nicht fest.

Online sind beide Filme auf der Seite der Stiftung zu sehen: stiftung-denkmal.de

Den Film von Gerald Backhaus kann man ebenfalls auf youtube sehen. Er gilt dort allerdings als nicht jugendfrei: youtube.com