Queer Family

Jubiläum im Regenbogenfamilienzentrum

13. März 2015
Constanze Körner leitet seit zwei Jahren das Regenbogenfamilienzentrum

Seit vielen Jahren setzt sich Constanze Körner vom LSVD Berlin-Brandenburg als Projektleiterin unter anderem für Regenbogenfamilien ein. Mithilfe von Mitteln der Lottostiftung konnte 2013 ein eigene Anlaufstelle eingerichtet werden. Bevor am Sonntag, den 15.3. in der Cheruskerstraße in Schöneberg gefeiert wird, sprach SIEGESSÄULE.DE mit ihr über die letzten zwei Jahre und über die Zukunft des Regenbogenfamilienzentrums.

Was hat sich in letzten zwei Jahren durch die Einrichten des Zentrums am Angebot des LSVD für Regenbogenfamilien verändert?
Mit der Eröffnung des Regenbogenfamilienzentrums haben sich nicht nur die Beratungs- und Vernetzungsstrukturen für Regenbogenfamilien und solche, die es werden wollen in Berlin bzw. ganz Deutschland verändert, sondern auch die gesamte Mediale und professionelle Aufmerksamkeit. Ein zentraler Ort hat den Vorteil, dass hier gebündelt Wissen weitergegeben werden kann, Menschen sich austauschen und kennenlernen können und Informationen gezielt abgerufen und verbreitet werden können. Somit hat sich nicht nur die Anzahl an Beratungen verändert sondern natürlich auch die Ausdifferenzierung und Vielfalt der Gruppenangebote. Medien, Politiker, Familienverbände, Fachleute, Studierende uvm. fragen quasi täglich nach, um sich zu informieren, Gesprächspartner zu finden, Workshops in Anspruch zu nehmen. Das hat natürlich eine Ausstrahlung, die für die gesellschaftspolitische Entwicklung bedeutend ist. Als Mitglied im Berliner Beirat für Familienfragen konnte ich erreichen, dass Regenbogenfamilien immer mitgedacht werden und auch im nächsten Berliner Familienbericht ihren Platz haben. Seit Mai 2014 ist im Regenbogenfamilienzentrum das Konsultationsangebot der Berliner Familienzentren zum Themengebiet Regenbogenfamilien verankert. Berliner Familienzentren und deren Kooperationspartner entwickeln also mit unserer Hilfe eine Willkommenskultur für Regenbogenfamilien in ihren Kiezen und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden fortgebildet und sensibilisiert für Familienvielfalt.

Was hat sich innerhalb des Zentrums getan?
Viel. Seit der Eröffnung haben sich viele Treffen und Veranstaltungen entwickelt, die es vorher nicht gab. So zum Beispiel offene Treffen für Schwangere, Geburtsvorbereitungskurse, Treffen für schwule Väter. Treffen für Pflegeeltern, Treffen für Alleinerziehende und für Trans*eltern. Die Krabbelgruppe findet schon seit einigen Monaten wöchentlich statt aufgrund der hohen Nachfrage. Alles kann ich hier nicht nennen. Aber die Auszeichnung „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“, die wir 2013 schon 8 Monate nach der Eröffnung bekommen haben, zeigt, dass das regenbogenfamilienzentrum ein wichtiges Signal setzt, um Regenbogenfamilien sichtbar zu machen und ihnen Unterstützung zu geben.

Wie geht es weiter mit dem Regenbogenfamilienzentrum? Das wissen wir nicht. Am 31.12.2015 läuft die Förderung aus. Die Bundesfamilienministerin hat das Zentrum im November 2014 besucht und wir hoffen natürlich, dass auf Landes- und auf Bundesebene Mittel und Wege gefunden werden, dass es 2016 weitergeht. Der Mietvertrag läuft auch zum Jahresende aus und wir brauchen bald Zusagen, damit wir den Standort halten können.

Wie können wir helfen, damit das Zentrum bestehen bleibt?
Bald beginnt mit der Vorbereitung auf den CSD ja wieder die Zeit, in der sich die Community vermehrt zeigt und aktiv wird. Das werden wir auch und es geht jetzt los mit dem 2. Geburtstag am Sonntag, wo alle eingeladen sind, vorbei zu kommen. Auch einige Politiker haben sich wieder angekündigt. Immer, wenn sich die Möglichkeit ergibt, sollten Politiker/Verantwortungsträger darauf hingewiesen werden, dass das Regenbogenfamilienzentrum erhalten bleiben muss. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist hier Arbeit für mehr Personen als mich und meine Kollegin vom Konsultationsangebot. Eigentlich sollte und muss das Zentrum ausgebaut werden!

Was wird es noch für Aktionen geben in den nächsten Monaten?
Am 3. Mai ist dann wieder Internationaler Regenbogenfamilientag, wo wir was machen werden. Am 6. Juni bei den Respect Gaymes wird es einen eigenen Bereich nur für Familien geben, beim CSD plane ich eine große Aktion für Regenbogenfamilien und der Höhepunkt wird am 12.9. sein, wenn wir hier vor dem Regenbogenfamilienzentrum ein großes Schöneberger  Regenbogenfest unter dem Motto „Regenbogenfamilien gehören dazu!“ machen zusammen mit Radio Teddy und ganz vielen Akteuren der Stadt.

Interview: Christina Reinthal

Geburtstagsfeier Regenbogenfamilienzentrum, 15.03., 10:00–18:00, Cheruskerstr. 22, 10829 Berlin