Siegessäule - Homophobie: Schande vor Russlands Botschaft

Berlin

Homophobie: Schande vor Russlands Botschaft


Beim Berliner CSD demonstrierte „Quarteera“ vor der russischen Botschaft gegen die Menschenrechtsverletzungen an Queers

© cm, Demo-Auftakt
© cm, Wanja Kilber von Quarteera
© cm, Volker Beck bei der Ansprache
© cm, Die Portraits
© cm, Run auf die Botschaft
© cm, am Botschaftszaun
© cm, ein Demonstrant mit Portrait eines russischen Aktivisten

siegessaeule.de 26.6.2011 – „Homophobie, Schande für Russland!“, skandierten etwa 80 BesucherInnen gestern um 19 Uhr auf dem Mittelstreifen vor der russischen Botschaft in der Friedrichstraße. Zu der Demo gegen Menschenrechtsverletzungen an Schwulen, Lesben und Trans in Russland hatte die Gruppe Quarteera aufgerufen. Während einige hundert Meter weiter am Brandenburger Tor die Partycrowd noch ausgelassen feiert, versucht Quarteera-Sprecher Wanja Kilber, den DemobesucherInnen klarzumachen, was parallel in Russland geschieht: „Heute haben 30 Aktivisten und Aktivistinnen im russischen Sankt Petersburg versucht, ebenfalls einen CSD zu veranstalten“, so Kilber. „15 von wurden gleich verhaftet und werden die Nacht wohl in Gefängnis verbringen. Das ist eine Schande für dieses sonst so schöne, große, verrückte Land!“

Von der russischen Botschaft ließ sich niemand blicken, und Kilber berichtet weiter: „Das läuft immer so ab: Die Demonstranten und Demonstrantinnen werden massenweise von Polizisten umzingelt, und sobald man auch nur eine Regenbogenfahne auspackt, wird man verhaftet.“

Keine Schönwetterpolitik mit Russland

Als nächstes sprach Volker Beck (Bündnis90/Die Grünen) und verlangte, dass „die deutsche Bundesregierung das Thema auch offiziell mit Russland anspricht“. Und er forderte Solidarität, „auch mit Queers in Ländern, in denen die Situation teilweise sogar noch schlechter als in Russland ist“. Günter Dworek vom LSVD nannte Russland einen „lupenreinen Polizeistaat, da darf man von Seiten der Bundesrepublik keine Schönwetterpolitik machen“. Nach den Ansprachen wurden auf dem Grünstreifen vor der Botschaft etwa 40 großformatige Portraitfotos ausgerollt. Sie zeigten russische AktivistInnen, die bei CSD-Demonstrationen in Russland verletzt wurden.

Was dann kam, war ein Moment mit Symbolcharakter: Die Bitte der zu Recht vorsichtigen Demoleitung, auf dem Mittelstreifen zu bleiben, ging im Straßenläm unter und die DemoteilnehmerInnen stürmten mit den Plakaten in der Hand über die Straße, um sich direkt am Botschaftszaun aufzustellen. „Wir lassen uns nicht aufhalten“, so lässt sich vielleicht die Aussage dieser spontanen Aktion beschreiben. Es entstand eine etwa 30 Meter lange Plakatwand, die den Blick auf die Botschaft versperrte. Der Demoleiter klang gerührt, nachdem er die DemonstrantInnen wieder zurück über die Straße lotsen konnte, aber auch erleichtert: „Wir haben nämlich nur auf dem Mittelstreifen das Demorecht bekommen“. Das freundliche, gelöste Lachen als Antwort der Menge wohl der Absurdität der Situation geschuldet: Während in Russland Queers bei Demoversuchen abgeführt werden, wird das Demorecht vor der Botschaft auf den Zentimeter festgelegt. Wann werden auch die Menschenrechte so penibel genau genommen?
Christian Mentz

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