HIV

50 Euro-PrEP soll bald erhältlich sein – auch in Berlin!

10. Sept. 2017
© Deutsche Aids-Hilfe

Ab Ende September soll es endlich ein günstiges Nachahmerpräperat zum teuren Truvada-Medikament geben, mit dem man sich vor einer HIV-Infektion schützen kann

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) hatte am Samstag auf ihrer Webseite aidshilfe.de mitgeteilt, dass bald eine 50 Euro-PrEP in sieben deutschen Städten erhältlich sei. Das vor HIV schützende Medikament soll es in Deutschland ab Ende September als zugelassenes Generikum des Herstellers Hexal in Verpackungen mit 28 Tabletten geben – pro Tablette wären das ungefähr 1,82 Euro.

Zum Vergleich: Eine Monatsration des Original-Truvada kostet über 800 Euro. Seit August gibt es günstigere Nachahmerprodukte des HIV-Medikaments in deutschen Apotheken, die aber mit rund 560 Euro für eine Monatsration immer noch sehr teuer sind. Wer sich per PrEP vor HIV schützen wollte, brauchte bisher also das nötige Kleingeld. Unter anderem auch deswegen war die PrEP als neue Safer-Sex-Methode umstritten.

Der Apotheker Erik Tenberken, Mitglied in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken und Ehrenmitglied der Aidshilfe Köln, hatte laut DAH am Samstag bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der HIV-Versorgung (dagnä) mitgeteilt, dass er den Generika-Hersteller Hexal gewinnen konnte, sein Truvada-Nachahmerpräparat in einer ausschließlich für die PrEP zugelassenen Form und individuell für jeden Klienten verpackt vertreiben zu dürfen. Nach seinen Aussagen habe er die 50-Euro-PrEP durch beharrliches Verhandeln erreicht. Er gebe im Prinzip nur den Rabatt weiter, den der Hersteller ihm gewährt habe.

Um das günstige PrEP-Produkt von Tenberken zu bekommen, brauche man eine individuelle Verschreibung eines Arztes. Das Rezept kann dann als Kopie an Erik Tenberken geschickt werden. Die Pillen gehen dann anschließend an eine kooperierende Apotheke. Dort kann der Kunde sie nach einem Beratungsgespräch gegen Einlösung des Original-Rezepts abholen. Kooperierende Apotheken finden sich in der Startphase vorraussichtlich in sieben Städten: Köln (Birken-Apotheke, Erik Tenberken), Düsseldorf (Albert-Schweitzer-Apotheke), Hannover (Leibniz-Apotheke), Hamburg (Alexander-Apotheke), Berlin (Witzleben-Apotheke, Apotheke in der Axel-Springer-Passage), München (Marien-Apotheke) und Frankfurt am Main (Eichwald-Apotheke).

Die DAH begrüßt die Entwicklung. „Wir wollen die PrEP allen zugänglich machen, die sie zum Schutz vor HIV brauchen“, gab DAH-Pressesprecher Holger Wicht auf der Webseite aidshilfe.de bekannt. „Diese Preissenkung ist ein Durchbruch. Jetzt müssen weitere Schritte und weitere Akteure folgen, um auch in anderen Regionen die PrEP leicht verfügbar zu machen.“

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Zwei Kommentare zur PrEP finde ihr auch in der aktuellen Septemberausgabe der SIEGESSÄULE

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