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Interview mit RuT-Geschäftsführerin

Wie geht es mit dem Lesbenwohnprojekt von RuT weiter?

Nach dem Grundstücksstreit: Hat das Lesbenwohnprojekt von RuT noch eine Zukunft? SIEGESSÄULE fragte bei Geschäftsführerin Jutta Brambach nach

Demonstration für das Wohnprojekt von RuT © SIEGESSÄULE

28.02.19 – Im November letzten Jahres stand endgültig fest: Die lesbische Initiative RuT wird auf dem Gelände der Schöneberger Linse das bundesweit erste Wohnprojekt für ältere lesbische Frauen nicht verwirklichen können. Zwar hatten sie das Konzeptverfahren um das Grundstück bereits Ende November 2017 gewonnen, doch die Schwulenberatung legte Einspruch ein und ließ das gesamte Verfahren juristisch prüfen. Am Ende bekam die Schwulenberatung den Zuschlag. (SIEGESSÄULE berichtete) Das Lesbenwohnprojekt schien vor dem Aus zu stehen. Doch RuT kämpfen weiter, um ihren Plan zu verwirklichen. Am 04.03. gibt es ab 20 Uhr einen Solitresen in der Möbel Olfe, wo ihr für RuT spenden könnt. Wir sprachen mit RuT-Geschäftsführerin Jutta Brambach über die Zukunft des Lesbenwohnprojekts.

Jutta, arbeitet ihr weiter an der Verwirklichung des Wohnprojekts? Das kann ich ganz klar mit ja beantworten. Natürlich gab es auch den Moment, in dem wir überlegt haben, ob wir jetzt noch weitermachen können und wollen. Das wir das Wohnprojekt auf dem Gelände der Schöneberger Linse nicht verwirklichen konnten, war ein herber Schlag. Doch wir sind sehr schnell wieder an den Punkt gekommen, zu sagen: Natürlich machen wir weiter! Auch wenn wir im Moment noch keine Lösung haben. Allein wegen der vielen Frauen, die auf dieses Wohnprojekt angewiesen sind!

Sucht ihr gerade aktuell wieder nach einem Grundstück? Wenn wir Hinweise auf geeignete Standorte bekommen, gehen wir denen nach. Auch haben wir die Möglichkeit ins Auge gefasst, eine Kooperation mit einer Wohnungsbaugesellschaft einzugehen. Etwas Konkretes können wir dazu noch nicht sagen.

Von Seiten der Politik gab es sehr viele Solidaritätsbekundungen mit eurem Vorhaben, z. B. von den Grünen. Ist diesen Bekundungen irgendetwas Konkretes gefolgt? Zumindest ein Gesprächsangebot, um über eine mögliche Unterstützung zu reden? Nachdem uns die Schöneberger Linse wieder entzogen wurde, hieß es ja ursprünglich, dass von Seiten der Politik und der Stadt irgendetwas kommen würde. Es wurde gesagt, wir unterstützen euch, wir finden etwas für euch. Fakt ist aber, dass bisher nichts passiert ist. Es ist niemand an uns herangetreten. Sicherlich hätten wir von uns aus auch noch einmal stärker aktiv werden können, aber dazu reichte die Energie einfach nicht mehr aus.

Sind im Moment noch finanzielle Ressourcen da, um das Projekt zu stemmen?
Das ist eine große Baustelle für uns. Wir haben das Projekt weitgehend ehrenamtlich und mit Spenden aufgebaut. Durch die zwei Phasen der Bewerbung ist uns viel Geld verloren gegangen, das hat große Löcher hinterlassen.

Was erwartet ihr von der Politik? Wir fordern eine finanzielle Unterstützung. Wenn die Stadt uns schon kein Grundstück oder Standort bereitstellt, sollten wir zumindest eine Finanzierung bekommen für die vielen Dinge, die man braucht, um so ein Projekt aufzubauen. Wenn es tatsächlich von der Politik gewollt ist, etwas gegen die strukturelle Benachteiligung von Frauen zu tun, dann muss da auch Geld für den Aufbau und die Vorbereitung in die Hand genommen und investiert werden. Wir benötigen Personalmittel, Sachmittel, fachliche Beratung – damit wir zum Beispiel auch mal eine Veranstaltung durchführen können. Es kann nicht einfach davon ausgegangen werden, dass wir das alles ehrenamtlich stemmen. Und die Community wird schon spenden.

Sind von den Frauen, die dort einziehen wollten, bereits einige abgesprungen, weil sie an eine Verwirklichung des Projekts nicht mehr glauben? Es sind nur wenige abgesprungen. Einzelne haben resigniert und suchen jetzt nach individuellen Lösungen. Sie sagen zum Beispiel: Gut, ich muss nun schauen, wo ich mit meiner kranken Freundin bleibe. Allerdings fehlt bei vielen der Glaube, dass wir dieses Projekt in Berlin noch verwirklichen können. Nachdem uns der Zuschlag für das Grundstück wieder abgesprochen wurde, war der Frust immens. Wir haben uns derart angestrengt, haben so viel gemacht, sogar die ganze Community war für uns unterwegs und trotzdem wurde gegen uns entschieden. Es scheint so, dass das was Lesben wollen, niemanden interessiert. Bei vielen Frauen kommt an: es gibt keine Unterstützung für das, was Lesben im Alter brauchen. Dieses Projekt ist so wichtig für die Stadt, auch als politisches Signal. Und deswegen wollen wir weiter kämpfen, soweit das in unseren Möglichkeiten liegt.

Gab es eigentlich ein Gespräch bzw. eine Art Ausprache zwischen euch und der Schwulenberatung? Wir arbeiten in dem Berliner Arbeitskreis Schwule und Lesben im Alter (BALSAM) mit Mitarbeitern aus der Schwulenberatung zusammen. Das heißt wir sehen uns und reden auch miteinander. Es gibt aber bisher keine Aufarbeitung dessen, was um die Schönberger Linse passiert ist. Allerdings wüsste ich auch nicht, inwieweit uns das aktuell überhaupt weiterbringen würde. Wir brauchen unsere ganze Kraft im Moment, um uns wieder zu sammeln und weiterzumachen.

Was kann die Community konkret tun, um euch zu unterstützen? Die Community macht ja schon enorm viel. Zum Beispiel haben wir die Möglichkeit diese Soliparty am 04.03. in der Möbel Olfe gestalten zu können. Die Travestie für Deutschland ist dabei, Mahide Lein und viele mehr. Der Eintritt ist frei, aber wir bitten um Spenden. Und der Erlös von diesem Abend geht an das RuT-Wohnprojekt. Ansonsten wünschen wir uns, dass die Community weiter hinter uns steht und deutlich macht, dass sie die Verwirklichung dieses Projektes will. Es ist wichtig, das uns auch Mut gemacht wird.

Habt ihr trotz der Rückschläge auch etwas Positives aus der Sache ziehen können? Natürlich! Die Unterstützung aus der Community war großartig. Es ist auch sehr viel in Bewegung gekommen. So wird zum Beispiel in der Community gerade sehr viel über strukturelle Ungleichheiten gesprochen. Und wir haben viele Freund*innen gewonnen und das ist ganz wunderbar.

RuT feiert in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum! Was ist geplant?
Wir können bereits verraten, dass es am 18. Oktober eine große Feier im SchwuZ geben wird. Sigrid Grajek führt durch den Abend. Alles andere bereiten wir gerade noch vor.

Interview: Andreas Scholz

 


RuT – Rad und Tat – Offene Initiative lesbischer Frauen e. V.
rut-berlin.de


Soli vom Fass,

04.03., 20:00, Möbel Olfe
Soliabend für das RuT-Wohnprojekt,
DJs Andrea Schlinkert, Fixie Fate, Trust The Girl,
Eintritt frei - Spende erbeten

Clara-Zetkin-Frauenpreis 2019,
01.03., 19:00, Südblock
RuT sind für den Clara-Zetkin-Frauenpreis 2019 nominiert,
anlässlich des Internationalen Frauentages vergibt die Partei Die Linke den Clara-Zetkin-Frauenpreis, um herausragende Leistungen in Gesellschaft und Politik zu würdigen

 



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