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Kunst

Muskulöse Männerkörper in zarten Farbtönen: Das Werk von Bruce Sargeant

Die international gefeierten Bilder des fiktiven Malers Bruce Sergeant sind seit heute in Berlin zu sehen

Illustration: Mark Beard

12.04.19 - Der New Yorker Künstler Mark Beard arbeitet mit verschiedenen fiktiven Charakteren. Sein angeblicher Großonkel, der Maler Bruce Sargeant, ist der bekannteste unter diesen Alter Egos. Sargeant schuf als Jüngling in den 1920ern – so Beards Fiktion – ein umfangreiches Werk, das aus Ölbildern in dezenten Pastelltönen besteht. In seinen detailverliebten Arbeiten porträtiert er Männer beim Um- und Ankleiden, vor bergiger Landschaft sowie in zärtlicher Betrachtung. Der Geschichte nach starb Sargeant infolge eines tragischen Wrestlingunfalls bereits 1938 im Alter von 40 Jahren. Somit kann sein Werk nicht gerade als unendlich bezeichnet werden, jedoch gräbt Mark Beard bereits seit zwanzig Jahren immer wieder neue Kunstwerke aus. Ein Ende ist also vorläufig nicht abzusehen.

Die Bruce-Sargeant-Werke sind beliebt und inzwischen auch berühmt. Einige befinden sich in renommierten New Yorker Museumssammlungen, etwa im Metropolitan Museum of Art und im Museum of Modern Art. Was fasziniert Betrachter*innen an den muskulösen Männern, die mit Golfschlägern und Jagdwaffen sowie in Boxhandschuhen posieren, Handstand machen oder sich an Klettertauen üben? Simon Williams, Inhaber der Schöneberger Galerie The Ballery, in der die Bruce-Sargeant-Gemälde ab dem 11. April ausgestellt werden, meint: „Es geht in den Bildern um Kostüme, um Phantasien, um den Mann, der sowohl in der Umkleide halb nackt oder in Sport- und Freizeitklamotten immer gut aussieht und überall zu Hause ist. Er macht sich natürlich nicht schmutzig, sieht nicht unangenehm verschwitzt aus; totale Phantasie und Fiktion eben.“

Williams, gebürtiger Nordengländer, kam vor sechs Jahren nach Berlin. Inzwischen hat ihn seine Kunstbegeisterung so bekannt gemacht, dass man ihm sogar Tom-of-Finland-Originale für eine Show anvertraute. Williams zieht in seiner Analyse der Bruce-Sargeant-Schönheiten eine Verbindungslinie zum finnischen Erotikzeichner: „Bruce-Sargeants Männer sind wie die von Tom of Finland: extrem attraktiv. Sie sind körperlich perfekt und dann auch noch gut gekleidet. Mark Beard schafft es im Bruce-Sargeant-Werk, mit Farben in feinen, eher gedeckten Tönen und den Darstellungen von Bekleidungsdetails die Textilien, die die jungen Männer tragen, für uns fast fühlbar zu machen. Es ist eine Phantasie, die der Künstler hier produziert hat. Und diese Phantasie versuchen wir, die Betrachter*innen, zu unserer Realität zu machen. Deshalb hängen einige dieser Bilder in den Bekleidungsgeschäften von Abercrombie & Fitch.“

Warum Mark Beard die Hauptschaffensperiode seines Malers in den 1920ern ansiedelt, erklärt Williams mit der Kreativität und Vielfalt, die in der Zeit in der Luft lag: „Man denke nur an Berlin, an all die Schaffensfreiheit und Individualität, die in den 1930ern verschwanden. Wir werden immer eine romantisch-verklärte Sehnsucht nach dieser Ära haben. Das war vielleicht so ein bisschen wie die 80er vor der Aids-Krise. Man zelebrierte Kultur und Glamour.“

Anette Stührmann

Bruce Sargeant – solo collection,
12.04.–09.06., The Ballery



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