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Thema: Ausbildung

„Es geht um einen respektvollen Umgang miteinander“

Paul Kirchenheiter, geschäftsführender Gesellschafter der Winters-Hotel-Gesellschaft, über Jobangebote in der Hotellerie und die Labels „pink pillows“ und „gay friendly“

Paul Kirchenheiter: „Wem Weltoffenheit fehlt, ist im Hotelgewerbe fehl am Platz“

20.8. – Paul Kirchenheiter (Foto) hat nach der Hochzeit den Namen seines Mannes angenommen. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Winters-Hotel GmbH, die sieben Businesshotels in Berlin, München und im Rhein-Maingebiet betreibt. Die Berliner Häuser gehören zu der „pink pillows Collection“ der Stadt, einem Zusammenschluss von ca. 50 Häuser, die sich von sogenannten „gay money friendly“ Hotels abheben wollen.

Siegessäule: Herr Kirchenleiter, am Eingang ihrer Hotels wehen keine Regenbogenfahnen, keine Sticker kleben am Eingang. Trotzdem bezeichnen sie sich als „gay friendly“. Ist das kein Widerspruch?

Paul Kirchenheiter: Nein. Wir verstehen uns als Teil einer großen Gruppe von LGBTs, die nicht nur in der Szene verkehren, sondern am ganz normalen Leben teilnehmen wollen.

Warum ist es dann überhaupt wichtig sich als „gay friendly“ zu bezeichnen?

Es geht um einen respektvollen Umgang miteinander. Unsere Mitarbeiter werden darin geschult jeden Gast, egal welcher Religion, Hautfarbe oder sexueller Identität, zuvorkommend zu behandeln. Es ist für sie selbstverständlich, Fragen mit schwul-lesbischer Thematik zu beantworten, auch solche, die für manche Gäste noch immer schambehaftet sind, beispielsweise die nach dem berühmten Doppelbett.

Was bedeutet dieses Selbstverständnis für ihre Auszubildenden?

Von unseren 200 Mitarbeitern sind ungefähr 30 Auszubildende. Oft wird schon bei den Einstellungsgesprächen deutlich, wer in unser Profil passt, wer weltoffen und genügend Lebensfreude besitzt, bzw. über ein ausbaufähiges Potenzial verfügt.

„Solange sich jemand mit seinem zukünftigen Beruf identifiziert und Engagement zeigt, ist alles andere zweitrangig“

Sprechen sie während der Ausbildung das Thema „LGBT- Gäste“ explizit an?

Natürlich. Ich gehe ja auch offen mit der Tatsache um, dass ich mit einem Mann verheiratet bin. Da sieht man sehr schnell, wie jemand reagiert. Wir veranstalten zwei Mal jährlich ein Treffen für alle Azubis, an denen jeder sagen kann, was ihm auf dem Herzen liegt. Da lerne auch ich die jungen Leute besser kennen.

Das klingt nach viel Engagement ...

Der menschliche Kontakt in den Teams ist bei uns ein Plus ... ich kenne sogar die meisten unserer Reinigungskräfte, die wir selbst einstellen. Ein paar von ihnen wurden durch die Aidshilfe an uns vermittelt.

Haben sie auch schwule, lesbische Auszubildende und Auszubildende mit Trans*identität?

Schwule und Lesben auf jeden Fall, Trans*personen meines Wissens nicht. Aber es wäre eine Herausforderung, die ich gespannt annehmen würde. Solange sich jemand mit seinem zukünftigen Beruf identifiziert und Engagement zeigt, ist alles andere zweitrangig. Durch die Vielfalt unserer Mitarbeiter, die zum Teil einen Migrationshintergrund haben, ist die Branche ohnehin toleranter als andere. Wem Weltoffenheit fehlt, der ist im Hotelgewerbe fehl am Platz.

Wenn ich als LGBT-Gast nach einem Hotel suche, das „gay friendly“ ist, lande ich aber nur durch Zufall bei ihnen. Auf der Webseite der Winters-Hotels findet sich kein Hinweis ...

Wir machen viel Werbung und engagieren uns sozial. Ich denke schon, dass man uns findet.

Interview: Susann Reck

Die Ausbildung zum Hotelfachmann/zur Hotelfachfrau beginnt zweimal im Jahr: zum zum 1. Februar und 1. August oder 1. September.

Bewerbungen an mail@winters.de. Auch Bewerbungen außerhalb der Fristen werden angenommen.




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