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HIV

PrEP – Was heißt hier „effektiv“?

Die Ergebnisse von zwei Studien zur PrEP (Präexpositionsprophylaxe) liegen nun vor und zeigen: Die Einnahme von Truvada bietet bei korrekter Einnahme tatsächlich eine Alternative zu Kondom und Co.

© Deutsche Aids-Hilfe

04.04. – PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe) ist eine neue Möglichkeit, wie sich HIV-negative Menschen durch die vorbeugende Einnahme eines Medikamentes vor einer HIV-Infektion schützen können. Im Februar wurden Ergebnisse zweier neuer PrEP-Studien unter schwulen Männern präsentiert – die PROUD- und die IPERGAY-Studie. Beide Studien kommen, rein zufällig, auf das gleiche Ergebnis: 86 % Gesamteffektivität. Heißt das, dass man sich mit PrEP in 14 % aller Fälle mit HIV ansteckt? Nein.

Bei der Wirksamkeit einer medizinischen Maßnahme unterscheidet man zwei verschiedene Betrachtungsweisen: Das eine ist die reine „Wirksamkeit“ eines Medikamentes, wenn es tatsächlich wie vorgeschrieben eingenommen wird. Diese liegt bei PrEP (wie auch bei Kondomen) deutlich im oberen 90 %-Bereich  – das haben bereits frühere Studien gezeigt. Also: PrEP funktioniert, wenn man sie nimmt. Die Wirksamkeit ist wichtig für die Entscheidung eines einzelnen Menschen, ob er ein Medikament nehmen möchte oder nicht.

In den PROUD- und IPERGAY-Studien wollte man nun aber sehen: Nehmen die Leute PrEP auch regelmäßig genug ein, wenn man sie ihnen anbietet? Denn wenn ganz viele Menschen die Tabletten schlicht und einfach nicht nehmen würden (z. B. weil es nicht in ihren Tagesrhythmus passt), dann bringt es natürlich nur wenig, wenn das Medikament zwar sehr wirksam ist, aber keiner es nimmt. Dies ist dann die „Gesamteffektivität“ einer Präventionsmaßnahme, die eben auch die Ergebnisse von Menschen beinhaltet, die die Maßnahme gar nicht oder nur unregelmäßig angewendet (Kondome) oder eingenommen (PrEP) haben – und da ist 86% ein erstaunlich hoher Wert. Die Gesamteffektivität von Kondomgebrauch bei Analverkehr wurde kürzlich in einer Studie bei ca. 70 % beschrieben, denn auch Kondome schützen nur sehr gut, wenn sie tatsächlich und richtig angewendet werden. Die Gesamteffektivität ist wichtig für gesundheitspolitische Entscheidungen, nämlich, ob es Sinn macht, eine gewisse Maßnahme einzuführen.

In beiden Studien haben schwule Männer teilgenommen, die vorher schon angaben, Kondome gar nicht oder nur unregelmäßig zu verwenden. Die PROUD-Studie zum Beispiel konnte zeigen: Wenn man dieser Zielgruppe PrEP anbietet, konnte PrEP von 20 HIV-Neuinfektionen, die ohne PrEP passiert sind, 17 verhindern. Oder anders ausgedrückt: Man musste nur 13 Personen ein Jahr lang PrEP anbieten, um eine Neuinfektion zu verhindern. Damit ist PrEP auch kosteneffizient.

Insgesamt gab es in den beiden Studien zusammen nur fünf HIV-Neuinfektionen unter den 475 Studienteilnehmern, denen PrEP angeboten wurde. Bei vieren davon deutet vieles darauf hin, dass sie zum Zeitpunkt der Infektion PrEP nicht mehr genommen haben, der fünfte hatte anscheinend schon HIV, bevor er mit der PrEP begonnen hat. Weltweit gibt es noch keinen dokumentierten Fall, wo jemand, der PrEP wie vorgeschrieben genommen hat und nicht schon vorher positiv war, sich mit HIV angesteckt hat.

PrEP ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Weitere Infos unter: www.wasistprep.de

Nicholas Feustel



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