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Musik

Noch so richtig Punk: Bettina Köster im Interview

Mit Bands wie Mania D und Malaria hat Bettina Köster Berliner Musikgeschichte geschrieben. Im SchwuZ ist sie am Freitag bei „Expatriarch Generations“ zu Gast. SIEGESSÄULE hat mit ihr gesprochen

Bettina Koester und PUFF © Merja Hannikainen

14.09. – Bettina Köster gehört zu den Ikonen der Berliner Underground-Szene der späten 70er und frühen 80er-Jahre. Nach vielen Jahren in New York lebt sie heute in Süditalien auf dem Land, ist aber weiterhin als Musikerin aktiv. 2009 erschien ihr erstes Soloalbum „Queen of Noise“. Derzeit arbeitet Bettina Köster an neuem Material und ist zu Gast bei „Expatriarch Generations“ am 18.09. im SchwuZ. Wir haben sie zu ihren aktuellen Projekten interviewt

Bettina, es wird gemunkelt, dass du an einem neuen Album arbeitest. Kannst du uns schon etwas darüber erzählen? Ja, das stimmt, ich bin jetzt in der ersten Phase. Das heißt, ich sitze in meinem Häuschen auf einem Gut in Süditalien und mauschle vor mich hin. Ich muss allerdings sagen, dass ich sehr langsam arbeite. Als nächstes werde ich beginnen, andere Musiker oder Produzenten für das Projekt zu suchen.

Wie wirkt sich die Tatsache, dass du im Süden Italiens auf dem Land lebst, auf die Arbeit an deiner Musik aus? Auf dem Land muss man sich nicht sorgen, dass die Nachbarn meckern, wenn man keine Soundisolierung hat. Ich bin da viel freier und unbekümmerter. Letztens hat sogar ein anderer Nachbar meiner Nachbarin eine SMS geschrieben, dass aus meinem Haus so schöne Musik gekommen sei.

Wie findest du denn von dort aus deine KollaborationspartnerInnen? Ich weiß nie so genau vorher, was sich ergibt. Ich habe beispielsweise gerade mit einer italienischen Sängerin ein Lied gemacht, halb englisch und halb italienisch. Sie hat in einer besonderen neapolitanischen Art gesungen. Auf der anderen Seite habe ich erst letztens in New York Christine Hahn getroffen, die früher bei Malaria! mitgespielt hat. Wir haben uns dazu entschlossen, uns auszutauschen und zusammenzuarbeiten.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Expatriarch Generations“, wo ein erfahrener Künstler beziehungsweise eine erfahrene Künstlerin auf einen Nachwuchsact trifft, hast du die Punk-/Wave-Band P.U.F.F ausgesucht, um sie einem größeren Publikum vorzustellen. Wie kam der Kontakt zur Band zustande? Ich kenne Anton, eines der Mitglieder von P.U.F.F., schon seitdem er sechzehn war. Auf der letzten Platte, die ich gemacht habe, hat er auch ein bisschen mitgesungen und Gitarrre gespielt. Ich fand ihn schon immer ganz klasse, weil er einfach noch so ein richtiger Punk ist. Antons Vater, der leider inzwischen verstorben ist, hatte einen Underground-Club im Osten, den „Eimer“. Das heißt, er ist entsprechend durch seinen Vater geprägt.

Ist es dir als Musikerin, die sehr stark von Punk und der „Do-It-Yourself“-Idee geprägt wurde, wichtig, diese „Werte“ weiterzugeben? Auf jeden Fall, da komme ich ja her. Ich trete zum Beispiel gerne in Jugendzentren auf. Das gefällt mir, denn dann kommen so die ganz jungen Leute zu mir und sagen: „Sowas habe ich ja noch nie gehört, das ist ja interessant“ und bedanken sich.

Die Songwriterin Christiane Rösinger aus Berlin hat im Rahmen der letzten „Generations“-Veranstaltung geäußert, dass sie den Selbstvermarktungsdruck, dem sich MusikerInnen heute angesichts der sozialen Medien und mangelnder Budgets von Labels ausgesetzt sehen, sehr kritisch sieht. Wie stehst du dazu? Man muss natürlich sagen: Christiane war mit Ihrer Band Lassie Singers bei einem Majorlabel. Mit Malaria! hingegen haben wir immer fast alles selbst gemacht. Selbst wenn wir Presseleuten hatten, haben wir das trotzdem immer alles gelenkt und kontrolliert. Wir studierten an der HDK und wenn wir beispielweise Plakate brauchten, sind wir einfach in die Siebdruckklasse gegangen und haben da unsere Plakate gedruckt. Wenn du bei den Majors bist, ist das natürlich total anders. Da hat man ja viel weniger Mitspracherecht. Für mich ist die Art, wie sich der Markt verändert hat, nichts Neues, ich sehe das eher als Gelegenheit oder Möglichkeit. Es hat sich ja alles wahnsinnig geöffnet. Wenn man Geld verdienen will, muss man nicht unbedingt MusikerIn sein. Da gibt es jede Menge anderer Jobs.

Interview: Hanno Stecher

Hot Topic vs. Expatriarch Generations, 18.09., 23:00, SchwuZ



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