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Schwule Liebe auf Kurdisch: Adirjam im Südblock

Die queere Art-Rock-Band Adirjam ist am 03.10. live im Südblock bei der Party „Zembîl“ zu sehen

Adir Jan Tekîn © Hassan

02.10. – Mit seiner Band Adirjam bringt der gebürtige Kreuzberger Adir Jan Tekîn seit gut anderthalb Jahren verschiedene Communitys zusammen. Er spielt Tembûr, die orientalische Langhalslaute, und singt meist auf Kurdisch über schwule Liebe. Seine Band spielt dazu Cello, Gitarre, Bass und Percussion. „Cosmopolitan Kurdesque“ nennen sie ihre Musik. Im Südblock organisiert Adir Jan Tekîn außerdem die monatlich stattfindende Party „Zembîl“

Traditionelle kurdische Musik und Texte über schwule Liebe – viele würden sagen, das passt nicht zusammen ... Das ist ein klares Vorurteil. Wobei wir relativ wenig Traditionelles machen. Unsere Musik enthält von Rock über Psychedelic bis hin zu Klassik sehr viele Genres. Aber es gab Auftritte, bei denen ich selbst ein bisschen Angst vor der Reaktion des Publikums hatte. Wir haben zum Beispiel bei einem Festival im Haus der Kulturen der Welt vor vielen Jugendlichen gespielt, die eher Hip-Hop-Fans waren. Und die haben toll reagiert!

Wenn du auf Kurdisch singst, verstehen das vielleicht nicht alle. Ich singe zwar meist auf Kurdisch, aber vor jedem Lied erkläre ich, wovon es handelt. Dem Publikum soll klar sein, dass es oft um schwule Liebe geht. Häufig bekomme ich die Rückmeldung, dass wir Leute, die eigentlich homophob sind, mit unseren Auftritten zum Nachdenken gebracht haben. Wir berühren die Menschen, irgendwas dockt da an.

Was hat dich zur Musik gebracht? Ich habe jahrelang in der Gewaltprävention gearbeitet, an der Humboldt-Uni unterrichtet und war ehrenamtlich aktiv in kurdischen Vereinen – dann hatte ich ein Burn-out. Dadurch fasste ich endlich den Entschluss, meinem Herzen zu folgen und Musik zu machen.

Und wie kam es dann zu Adirjam? Dave Sills, unseren Cellisten, lernte ich über einen gemeinsamen Musikerfreund kennen, und unseren Gitarristen Conny Kreuter habe ich bei einer Jamsession mit den Worten angesprochen: „Ich bin Adir, bist du schwul?“ Er lächelte und sagte: „Nein.“ „Schade“, antwortete ich und musste selbst lachen. Ich habe ihm erklärt, dass ich Lieder mit schwulen und politischen Inhalten schreibe. Er war interessiert. Wir drei sind heute der harte Kern von Adirjam.

Welches Publikum spricht eure Musik an? Durch die Arrangements kommt unsere Musik auch bei westlich sozialisierten Ohren gut an. Conny und Dave spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Publikum ist genauso durchmischt wie bei Zembîl, der Party im Südblock, die ich mitorganisiere. Wir haben dort immer eine Gastband, Fatma Souad moderiert, Sabuha Salaam tanzt und die Atmosphäre ist toll. Ich hatte anfangs erwartet, dass nur die kurdische Szene kommt, bin dann allerdings wie bei unseren Konzerten überrascht worden. Wenn unsere Platte herauskommt, erwarte ich aber einen Boom in Kurdistan!

Wann kommt sie denn? Unsere Songs stehen, wir basteln gerade an der Finanzierung.

Interview: Malte Göbel

Zembîl, 03.10., 21:30, Südblock, Live: Adirjam



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