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50 Jahre Tima! Geburtstagsshow im O-TonArt Theater am 29.12.

„Wenn man es kann, sollte man Tunte sein“, empfiehlt Tima die Göttliche. Am 29.12. feiert sie ein halbes Jahrhundert sowie mehr als 30 Jahre Bühnenpräsenz und politisches Wirken

Tima die Göttliche (c) Dragan Simicevic/Visual Arts

28.12. – Tima die Göttliche kam 1983 nach Westberlin. Bereits ein Jahr später gründete sich im Umfeld des SchwuZ das Polit-Tuntenensemble „Ladies Neid“, in dem sie mit Melitta Poppe, Chou-Chou de Briquette, Melitta Sundström, Ichgola Androgyn und Pepsi Boston nächtelange Shows vor einem begeisterten Publikum präsentierte. Damals fest verankert im Berliner Aids-Aktivismus und in der Westberliner Künstlerszene, bringt sie bis heute ihre theatrale Tuntigkeit auf die Bühne, meist in historische Fummel gewandet. Am 29.12. wird „Ein halbes Jahrhundert Tima“ im O-TonArt in der Kulmer Straße gefeiert – historische Räumlichkeiten, in denen sich in den 1970er Jahren die „Homosexuelle Aktion Westberlin“ traf. Das nahm ich zum Anlass, um mich mit Tima über das Tunte-sein, ihren Geburtstag und die Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches zu unterhalten.

 

Erst kurz war sie in Westberlin angekommen, schon entstand 1985 ein bedeutender Teil von ihr, Tima die Göttliche: „Das geschah alles durch eine Freundin, die mir das SchwuZ zeigte. Dort lernte ich Ichgola und die ganzen Tunten kennen. Da ist bei mir der Tuntentrieb ausgebrochen: Sich öffentlich selbstbewusst mit seiner Weiblichkeit zu präsentieren und dabei keine klassische Dragqueen zu sein. Wir legten keinen Wert auf Perfektion, das ist ja bis heute nicht anders. Egal ob Trash-Tunte oder Glamour-Tunte, es gibt da immer so kleine sichtbare Macken – und das finde ich wunderschön, das macht die Sache für mich sympathisch und lebensecht. Macken habe ich glücklicherweise viele!“

 

Die Polit-Tunten der Zeit schufen sich gleichzeitig Bühnen, um sich darauf auszustöckeln, den Applaus zu empfangen, und sie nutzten diese Öffentlichkeit, um politisch zu wirken. Dazu gehört insbesondere das Engagement im Aids-Aktivismus. Die Tunten waren ein gut sichtbarer Teil einer breiteren Bewegung. Tima und ihre Freundinnen organisierten Benefiz-Veranstaltungen und setzten sich für die Arbeit mit HIV-Positiven und für ein selbstbestimmtes Leben der Infizierten, ein menschenwürdiges Sterben und alternative Formen der Trauer ein. Auch das ist es, was Tuntigkeit für Tima bis heute ausmacht: „Der politische Einsatz! Wir haben uns als Gruppe zusammengefunden und unsere Interessen lautstark verteidigt. Auch als Tunten unter Schwulen – wo wir immer eine Minderheit der Minderheit der Minderheit waren. Mit dieser Lautstärke haben wir auf dem Tunte-sein bestanden. Das hat mir das Leben versüßt, streckenweise aber auch versauert – besonders sexuell. Viele fanden es toll, eine Tunte zu kennen, aber das Sexuelle ist nochmal was anderes. Unter uns Tunten haben wir darüber kaum gesprochen. Das hat sich schon verändert und das freut mich: Sex spielt bei Tunten heute viel öfter eine Rolle, auch bei den Auftritten.“

 

Ihre Freude an der aktuellen Tuntenwelt merkt man den zahlreichen Auftritten an, die sie organisiert und schon für die Zukunft geplant hat. So ihr Gezeitensalon in der AHA, die monatliche Show im Weddinger „Nachtschwärmer bei Ernst“ oder ihr Filmprojekt mit Alexander Beier. Tima denkt nicht daran, den Fummel beiseite zu legen: „Das ist ein Teil von mir und der muss sich entsprechend in Garderobe und Make-up ausdrücken.“ Zwar seien ihre Falten zunehmend schwieriger zu schminken, doch sieht sie besonders die wachsenden, schönen Erfahrungen, die ihr das Altern bisher schon gebracht hat. Mit ihrer Feier am 29.12. im O-TonArt dieses Jahr erfüllt sich außerdem ein Lebenstraum:

 

„Mir wird damit endlich eine Überraschungsparty geschenkt, das habe ich mir mein Leben lang gewünscht. Ich war sonst immer schneller mit meiner Partyplanung, als die anderen denken konnten. Und so freue ich mich auf den Abend. Es wird ein Buffet geben und bei der Show mache ich eine Einlage mit meiner Band. Es haben sich schon unterschiedliche Künstlerinnen angekündigt wie Ichgola, Melitta Poppe, Ryan Stecken, Kiki Kalashnikov oder auch du! Die Show ist dann in alter Ladies- Neid-Manier: tuntig und lange!“

 

Die Fummel, die an dem Abend an Tima zu bewundern sein werden, schneidert sie wie immer selbst, sie mag es bodenlang und historisch. Damit betreibt sie auch einen eigenen Kostümverleih. Daneben gestaltet sie Kunstpuppen, die ein lustvolles Sexleben haben: erotische Einzelpuppen ebenso wie szenische Gruppierungen. Es macht Freude, Timas Begeisterung für ihre tuntige Kunst und das Tunte-sein insgesamt zu hören, wenn man mit ihr auf ein halbes Jahrhundert Tima zurück- und auf ein weiteres vorausblickt. Und so empfiehlt sie die Tuntigkeit auch anderen, insbesondere „der nächsten Generation“: „Es macht großen Spaß, das auszuleben. Wenn man es kann, sollte man Tunte sein oder es ausprobieren.“

 

Patsy l'Amour laLove

 

 

„Ein halbes Jahrhundert - Tima die Göttliche“, 29.12., 21:00 (Einlass ab 20:00), Theater O-TonArt

 

Die Show bei Facebook: www.facebook.com/events/1486267661681154/

 

Timas Homepage



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