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SIEGESSÄULE Gourmet

Frühlingssäfte: Jurassica Parkas Schönheitskur

Jurassica, die Expertin fürs Schöntrinken, probierte für unser neues Magazin SIEGESSÄULE-Gourmet ihren Luxuskörper mit einer Saftkur des Restaurants Daluma zu entgiften. Hier ihr Erfahrungsbericht

Jurassica Parka © Guido Woller

11.05.17 – Saft! Ich liebe Saft. Als die Redaktion an mich herantrat, einen Artikel über Saftkuren zu schreiben, dachte ich sofort: Yay. Voll nice und so (das sagen jetzt die jungen Leute, später mehr dazu). Als ich erfuhr, dass es sich um eine „One-Day-Cleanser“-Kur – sprich eine Entgiftungs-Saft-Kur handelt, musste ich einfach zustimmen! Da ich beruflich sehr viel Schnaps trinken muss, bräuchte ich bestimmt öfter mal so ein Detox-Saft … Cleanser ... whatever. Also mache ich mich auf zum Flagshipstore für sogenanntes Powerfood und Saft: das Daluma in Mitte.

Ich bahne mir den Weg vorbei an Vollbärten, Männerdutten und Oversized-Strickjacken in das stark modern eingerichtete Ladengeschäft von Daluma. Ich habe ein Date mit Marian, einem der drei Besitzer. Einige Gäste sitzen auf strengen Podesten, essen Salat und checken ihr Instagram. An einer Wand prangt eine riesige Kühlwand mit frischen Säften. Marian ist sehr nett. Er erzählt von der Philosophie des Ladens: nur „frischeste“ Zutaten, alles Bio und ohne Zusätze. Es geht um Vitamine, Mineralien und Antioxidantien. Eine „spezielle Hochdruck-Kaltpresse” lässt so viele Nährstoffe wie möglich im Saft.

Ich bin verwirrt. Grundsätzlich geht’s also in erster Linie darum, ganz viel Gesundheit ins Essen zu packen. Irgendwie kommt mir da der Genuss zu kurz. Aber das ist Geschmackssache. So wie der mir gereichte Salat (danke für die Einladung). Er ist sehr grün. Und ziemlich … pur. Grünkohl is the new shit. Ich mag ihn lieber gekocht und mit Butterschmalz versetzt, dazu eine Weihnachtsgans. Roh ist der aber bestimmt voller Flavinoide, oder so. Okay, ich hab’s verstanden. Hier konsumiert die körperbewusste junge Großstadt-Beautybloggerin. Die Preise für diverse Speisen sind überraschend moderat.

„Besonders nice sind natürlich unsere Säfte“, da ist es wieder: dieses „nice“. Egal. In meinem „One Day Cleanse“ enthalten sind: ein Smoothie (zum Sofort-Verzehr), drei Säfte für den Tag und eine Art Shot (kein Schnaps! Hmpf ...). Alles zusammen kostet knapp 25 Euro. Dann kommt die Hiobsbotschaft: Ich darf den ganzen Tag NICHTS dazu essen. Verdammte Scheiße. Hätt ich das mal vorher gewusst. Als Sofort-Verzehr-Smoothie wähle ich „Dr. Feel Good“ mit Mango, Himbeer, Açai, Kefir und Kokosblütenstaub. Aha … wer sammelt so was ein? Kleine Feen? Schmeckt aber gut. Macht ein bisschen satt. Gott sei Dank. Ich wähle drei Säfte und den „Burning Man“-Shot (Ingwer, Zitrone, Cayenne, Oregano-Öl), dieser kommt in einem kleinen Glasfläschchen daher – sieht aus wie Poppers. Oder GHB. Ab geht’s nach Hause. Ich habe Bürotag. Als erstes probiere ich den Shot. Allein das Wort macht mich geil. Und ich liebe Ingwer. Der Shot ist sehr scharf, ich trinke ihn auf ex. Das kann ich. Fühlt sich antibakteriell an. So wie mein Listerine, nur zum Schlucken. Ziemlich nice. Ich hab Hunger.

Ich brauch noch einen Saft – es ist 11.30 Uhr. Ich nehme „The Radiator“ zur Hand, einen Saft für Haut und Haare. Er besteht aus Süßkartoffel (örks!), Aloe Vera, Limette, Birne, Apfel, Traube und Karotte. Na ja. Er schmeckt, wie ein Saft schmeckt, der Kartoffeln enthält. Breiig. Irgendwie … unsaftig. Ich bin unglücklich. Ich arbeite. Gegen 16 Uhr treibt es mich wieder zu meiner Saftbar. Die „Beet Box“ ist dran, die besteht aus Açai, roter Beete, Orange (geht immer), violetten Karotten (Aha! Was?), Limette, Dill (ich liebe Dill, aber nur in Schmorgurken oder zum Fisch) und Cayenne. Der Saft soll antioxidant sein und schmeckt sehr gemüsig. Im Abgang scharf. Muss man mögen. Ich mag ihn überhaupt nicht. Ich bin noch unglücklicher. Okay, Marian hat gesagt, ich darf nichts essen. Aber während meines Detox-Tages ein Sektchen für’s Gemüt – das muss drin sein. Plopp!

Gegen 20 Uhr ist es Zeit für den letzten Saft. Ich habe mir als Krönung den „Rehab“-Saft aufgehoben. Er reizt und verstört mich zugleich. Denn er ist schwarz. Er besteht aus Aktivkohle (kenn ich nur von Zigaretten), Minze, Agave (schmeckt immer wie Fuß) und Limette. Zur Entgiftung soll das sein. Und er ist endlich mal nicht so dickflüssig. Die Konsistenz ist eher wie Wasser. Und eben schwarz. Ich hätte auch an einem Brikett lutschen können, da macht die Minze nicht viel wett. Ich fange an zu weinen, mein Magen knurrt. Ich glaube, dass der Homo sapiens nicht dafür gemacht ist, seine Nährstoffe in Saft- oder Smoothieform aufzunehmen. Aber ich bin auch nicht der Nabel der Welt. Vielleicht bin ich eine zynische hungrige Transe, die so was einfach nicht versteht, in ihrer kleinen Welt voller gefüllter Paprikaschoten und Königsberger Klopse. Laut Marian läuft das Daluma sehr gut. Der Nerv der Zeit ist getroffen. Ich bleibe aber bei meinem stinknormalen Frühstücks-Orangensaft und fester Nahrung. Bin ich gedetoxt? Ich weiß es nicht. Aber: nicer shit!

Jurassica Parka


Dieser Text erschien in der ersten Ausgabe unseres neuen Magazins „SIEGESSÄULE-Gourmet", der Genuss-Guide für das queere Berlin mit tollen Restaurants, angesagten Bars und aktuellen Essens-Trends. Online könnt ihr SIEGESSÄULE-Gourmet hier lesen




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