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IDAHOT

Familie im Fokus beim IDAHOT 2017

Das Motto des diesjährigen Internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie (IDAHOT) ist Love Makes a Family

IDAHOT 2016 am Brandenburger Tor © jackielynn

15.05.17 – Das diesjährige Motto des Internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie (IDAHOT) am 17. Mai soll Regenbogenfamilien eine Plattform für ihre rechtlichen und sozialen Forderungen geben: Love Makes a Family. Mit dem International Family Equality Day (IFED) begann am 7. Mai das offizielle Programm.

Angesichts der Bemühungen rechtspopulistischer Bewegungen, das Thema Familie und Familienplanung zu vereinnahmen, vielleicht genau der richtige Zeitpunkt. So weit rechts muss aber der Kampf gegen Homo- und Trans*-feindlichkeit gar nicht ansetzen: „Der Staat ist noch immer der zentrale Akteur, von dem am meisten strukturelle Diskriminierung gegenüber Regenbogenfamilien ausgeht“, so der Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, im Gespräch mit SIEGESSÄULE. Zum diesjährigen IDAHOT und mit Blick auf die Bundestagswahl soll sich besonders diese Form der Diskriminierung vorgeknöpft werden.

Die rechtliche Privilegierung heterosexueller (Ehe-)Paare zieht nämlich einen ganzen Rattenschwanz an struktureller Diskriminierung von Regenbogenfamilien hinter sich her. LGBTI-Eltern bleibt in Deutschland die gemeinsame Adoption verwehrt, im Gegensatz zu heterosexuellen Ehepaaren müssen sie einzeln und nacheinander adoptieren. Als Einzelpersonen werden sie gegenüber Paaren wiederum im Adoptionsverfahren benachteiligt. Auch die Komutterschaft bei lesbischen Paaren wird nicht wie die Vaterschaft in heterosexuellen Beziehungen per Geburt des Kindes anerkannt, sondern muss durch eine mühsame Stiefkindadoption beantragt werden. Und drei oder mehr Elternteile gelten rechtlich gar nicht erst als Familie. Die Ehe zwischen und die leibliche Elternschaft von Mann und Frau bleiben die heiligen Orientierungspunkte des deutschen Familienrechts. Die Lebensrealität Tausender Regenbogenfamilien und queerer Wahlfamilien wird darin unterschlagen und strukturell benachteiligt. Auch gesellschaftlich haben noch nicht alle die Vielfalt von Familienkonzepten realisiert. „Dass es lesbische und schwule Paare gibt, das ist angekommen. Dass es aber lesbische und schwule Eltern gibt, ist zum Teil noch mit Überraschung und Verwunderung verbunden“, so Jörg Steinert vom LSVD.

Etliche Veranstaltungen sind rund um den IDAHOT geplant, um Regenbogenfamilien sichtbar zu machen und ihre rechtlich-sozialen Bedürfnisse einzufordern. Am 7. Mai begann das Programm des LSVD mit einer Bootsfahrt für Regenbogenfamilien durch das politische Berlin. Die Nachfrage war so groß, dass das Boot gleich zwei Touren nacheinander fuhr.

Am IDAHOT selbst, dem 17. Mai, steht bei der Kundgebung um 16:00 am Wittenbergplatz ein „breites gesellschaftliches Bündnis“ hinter dem LSVD: VertreterInnen der evangelischen Kirche, der Gewerkschaft ver.di, des humanistischen Verbandes, vom Stromnetz Berlin sowie die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und die Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Margit Gottstein.

Konkret an Regenbogenfamilien richtet sich dann wieder das Seminar „Regenbogenfamilien zu jeder Zeit“ in Berlin vom 19. bis zum 21. Mai, durchgeführt vom LSVD und der Friedrich-Ebert-Stiftung. In Form von Workshops können dort rechtliche und sozialpsychologische Fragen rund um die Themen Familienplanung, gendersensible Erziehung und den Umgang mit Diskriminierung besprochen werden.

Clara Woopen

IDAHOT 2017:

Zur Einstimmung: „Trans X Istanbul“, 16.05., 19:30, Filmvorführung, Rathaus Charlottenburg (Bürgersaal)

Berlin braucht einen Anne-Klein-Platz! Aktion der Grünen 17.05., 8:30 Uhr, Rathaus Kreuzberg, Yorckstr. 4–11
Mit dabei: Justizsenator Dirk Behrendt, Canan Bayram, Anja Kofbinger, Sebastian Walter, Sarah Jermutus und Pascal Striebel

Aktionstag „Gleiches Recht für jede Liebe“, 17.05., 14:30, Pariser Platz

Kundgebung „Liebe verdient Respekt“, 17.05., 16:00,
Wittenbergplatz

Kiss-in von Maneo,  17.05., 19:00 Neptunbrunnen

Rainbowflash 2017 von Quarteera e. V., 17.05., 18:30 (Vorbereitung ab 17:30), Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin,

https://www.facebook.com/events/291819667929056/


„And Still We Rise“, 17. 05., 19:00, ACUDkino,  Saal 1, Filmvorführung im Originalton (Englisch), Diskussion in Deutsch

Regenbogenfamilienseminar „Regenbogenfamilien zu jeder Zeit!“, 19.–21.05., Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg,

lsvd.de

 

 



 



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