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IDAHOT

Maneo-Report: 291 Fälle mit homo- und trans*phobem Hintergrund in Berlin

Der Anti-Gewalt-Projekt Maneo veröffentlicht seinen Jahresreport für 2016

16.05.17 – Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans*phobie am 17. Mai veröffentlicht das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo seinen Jahresreport für 2016. Bereits am Vormittag des 16.05. wurde der Bericht dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, sowie Vertreterinnen und Vertretern des Abgeordnetenhauses übergeben. Der Report enthält auch Zahlen und Informationen von der Polizei Berlin, der Staatsanwaltschaft Berlin und der Bundespolizeidirektion Berlin. Im Fokus von Maneo stehen vier Kernaufgaben: die Opferberatung, die Erfassung von Gewalttaten, die Gewaltprävention und die Mobilisierung bürgerschaftlichen Engagements und Empowerment.

Maneo hat im letzten Jahr 659 Hinweise auf Gewalttaten entgegengenommen, von denen 291 am Tatort Berlin begangene Fälle mit einem „homophoben und trans*phobem Hintergrund“  konkret ausgewertet wurden. Die Tatbestände reichen von Beleidigungen (19%) und Bedrohungen (26%) bis hin zu Körperverletzungen (32%). Wie bereits in den letzten Jahren erreichen Maneo die meisten Meldungen aus Schöneberg (25% der gemeldeten Fälle, 2015: 31%). Laut Report habe die hohe Anzahl von Vorfällen im Schöneberger Regenbogenkiez 2013 zu einer Intensivierung der Gespräche zwischen Maneo und der Polizei geführt, deren Folge verstärkte polizeiliche und kriminalpräventive Maßnahmen waren. 

„Unsere Zahlen weisen nur das ‚Hellfeld‘ aus, also tatsächlich bekannt gewordene Taten. Anhand der Hinweise müssen wir von deutlich höheren Fallzahlen ausgehen. Ermutigend ist unser erfolgreicher Dialog mit den Berliner Strafverfolgungsbehörden.  Er hat dazu beigetragen, dass Homophobie und Trans*phobie  in  unserer Stadt ernstgenommen werden, dass Angriffe gegen LSBT* besser ermittelt und geahndet werden. Der Erfolg wird auch durch höhere Zahlen bei den Strafverfolgungsbehörden in Berlin sichtbar:  Das Dunkelfeld wird kleiner“,  so Bastian Finke, Leiter von Maneo. Nicht nur der Kontakt zur Bundespolizeidirektion Berlin wurde verbessert. Seit Anfang 2017 gibt es auch LSBT*-Ansprechpersonen im Nebenamt in allen sechs Berliner Polizeidirektionen.

Neben der Strafverfolgung müsse vor allem die Opferhilfe für LSBT*  sowie die Gewaltpräventionsarbeit verstärkt werden. Maneo wendet sich mit seinen Beratungsangeboten in erster Linie an Schwule und männliche Bisexuelle ... 2016 wurden insgesamt 703 Personen beraten. Seit November 2016 erhält Maneo zusätzliche Zuwendungen für die Arbeit mit Geflüchteten, die in Berlin erneut Opfer von homophoben Übergriffen geworden sind. So steht zum Beispiel donnerstags von 17 bis 19 Uhr ein Sprachmittler auf Arabisch zur Verfügung.

Zum Thema Empowerment: Maneo hat 2016 die Kampagne „Ein homophober Spruch kann eine Straftat sein“ entwickelt und in  Zusammenarbeit mit Experten ein Dossier mit Informationsmaterial  entwickelt, das auf der Maneo-Homepage einsehbar ist. Ziel der Kampagne ist es, LSBT* zu sensibilisieren und zu ermutigen,  homophobe und trans*phobe Beleidigungen nicht hinzunehmen, sich zu wehren und Anzeige zu erstatten.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kriminalität im „Regenbogenkiez“ gab es weitere Gesprächsrunden u. a. mit Strafverfolgungsbehörden, Bezirksamt, anliegenden Gewerbetreibenden und Anwohnern. Ziel der Gespräche ist es, sich gemeinsam über gewaltpräventive Maßnahmen und Strategien zu verständigen …


Hier der vollständige Bericht


www.maneo.de



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