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Wenn Diven Geld brauchen ...

Premiere am Ku'damm von „Bette & Joan“. Désirée Nick als Crawford und Manon Straché als Davis beim Dreh von „Whatever Happened to Baby Jane?“

Désirée Nick als Joan Crawford und Manon Straché als Bette Davis © Oliver Fantitsch

19.06.17 – 1962 dreht Hollywoodregisseur Robert Aldrich mit schon etwas verblassten Stars den Psychothriller „Whatever Happened to Baby Jane“. Die Geschichte zweier Schwestern, beide mit Karrieren, die bereits Geschichte sind. Die Hauptrollen spielen Joan Crawford und Bette Davis bis zur Selbstaufgabe, denn Crawford ist in der Rolle der durch einen Unfall gelähmten Blanche Hudson alles andere als glamourös. Davis wiederum als ehemaliger Kinderstar Baby Jane Hudson beweist so viel Mut zur Hässlichkeit und Selbstentblößung, dass es nicht nur ihrer Schwester im Rollstuhl Angst macht. Horror und bittere Komik mit Boshaftigkeiten bis jenseits der Schmerzgrenze. Und vermutlich auch genau deswegen wurde der Film nicht nur ein Hit an den Kinokassen und ist heute ein Camp-Klassiker, sondern bescherte den beiden Diven ein Comeback … Für alle zwei ist es der letzte große Erfolg.

Das Stück „Bette & Joan“ des britischen Dramatikers Anton Burge schaut hinter die Kulissen der Dreharbeiten, zeigt Bette (Manon Straché) und Joan (Désirée Nick) in ihren Garderoben, lässt sie gelegentlich aufeinander los, aber meist Monologe sprechen. Die Vorgehensweise entwirft so etwas wie ein Psychogramm der beiden alternden Diven, die sich im Stück, wie auch im wahren Leben bekämpfen, aber eigentlich doch aus einem Holz geschnitzt sind. Sie haben sich beide hochgearbeitet, weil sie nichts so sehr wollten wie den Ruhm eines Filmstars. Ihr Ziel war, Hollywood-Ikone zu werden, was beide ja auch erreicht haben. Freundinnen wurden sie nie, eher „beste Feindinnen“. Etwaige erotische Avancen, die eine der anderen machte, bleiben im Stück vage. Umso schärfer werden die Konturen ihrer Eitelkeiten und Sehnsüchte gezeichnet, auch da sind sie sich ähnlicher, als sie es möchten. Der Schlagabtausch in den Dialogen funktioniert meist gut, die Dynamik weicht allerdings nach der Pause einer gewissen Langatmigkeit, wenn sich Monolog an Monolog reiht. Hinreißend sind allerdings die originalgetreu nachgestellten Szenen aus dem Film, die immer wieder im Bühnenhintergrund laufen.

Einen Einblick in die Mechanismen des Starsystems in „good old Hollywood“ vermitteln manche Momente durchaus. Auch in den Wahnsinn, der gebraucht wurde, um in dieser Haifischbranche oben mitzuschwimmen. Nick und Straché sind ein gutes Gespann, man hätte ihnen eine stärkere, straffere Inszenierung gewünscht. Immerhin holen sie das Optimale heraus. Désirée Nick ist als Crawford so sehr Fassade einer Diva, dass es fast weh tut. Deren ganze Künstlichkeit zeigt sie, wenn sie auf Knopfdruck weint oder mit ihrer Assistentin „Patricia, Liebes“ telefoniert. Merke: Echt ist an einer Diva nichts, aber gekonnt. Manon Straché als Bette Davis ist hemdsärmlig gefährlich, aggressiv und glaubwürdig verletzlich. Im Film flüstert Davis als Baby Jane ihrer sterbenden Schwester Blanche ins Ohr: „Wir hätten Freundinnen sein können“. Aber hätten wir das sehen wollen?

 

Frank Hermann

SIEGESSÄULE präsentiert:
„Bette & Joan“, bis 23.07.,
Theater am Kurfürstendamm

 






 

 

 

 

 

 

 



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