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Erfolgsgeschichte: 25 Jahre Lesbisch-Schwules Stadtfest

Das Lesbisch-Schwule Stadtfest feiert Jubiläum. Allen Unkenrufen zum Trotz hat es sich nicht überlebt, im Gegenteil: Der Schöneberger „Regenbogen“-Kiez steht vor neuen Herausforderungen

Die vierte Ausgabe des Lesbisch-Schwulen Stadtfestes 1996 © archiv/schwules* museum

12.07.17 – Berlins queere Szene hat so manche Erfolgsgeschichten zu erzählen und die des Lesbisch-Schwulen Stadtfests ist eine davon. Und wenn man so will, auch eine sehr typische. Am Anfang nämlich stand eine kleine Gruppe von Menschen, die nicht hinnehmen wollten, dass etwas schiefläuft, sondern aktiv wurden. Auslöser war die Anfang der 90er-Jahre zunehmende Zahl homophober Übergriffe im schwulen Kiez rund um den Nollendorfplatz. Bastian Finke vom schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo hatte die Idee und organisierte 1993 mit einer Handvoll Szenewirten in einer „konzertierten Aktion“ das Fest auf der Motzstraße. Einige Hundert LGBTIs feierten hier mit AnwohnerInnen und sandten eine klare Botschaft: „Das Stadtfest war immer auch ein Zeichen gegen Gewalt und Homo- und Transphobie“, sagt Gerhard Hoffmann, Vorstand des Veranstalters Regenbogenfonds e. V. „Daran hat sich nichts geändert und wird sich auch nichts ändern.“

Im Jahr darauf war der Kreis bereits auf rund 40 Unternehmen angewachsen und aus dem kleinen Kiezfest wurde ein in Europa einmaliges Stadtfest. Rund 450.000 BesucherInnen wurden im letzten Jahr vom Veranstalter gezählt.
Aber wie es bei Erfolgsgeschichten in der queeren Szene oft ist: die Kritik bleibt nicht aus. Wurde zunächst die Kommerzialisierung beklagt, sahen sich die Organisatoren zuletzt dem Vorwurf ausgesetzt, sich zu wenig politisch zu positionieren.

Ist das Lesbisch-Schwule Stadtfest ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden und zur bloßen Straßenparty verkommen? Wer so denkt, sollte mal mit NeuberlinerInnen oder angereisten Gästen und deren unverstelltem Blick von außen das Stadtfest neu entdecken. Zum Beispiel die Vielfalt der Angebote, Organisationen, Gruppen und Initiativen, die sich hier geballt präsentieren und die die Berliner Community – mit all ihren Widersprüchen – ausmachen. Denn welche Bedeutung dieser „Markt der Möglichkeiten“ für viele LGBTIs hat, ist nicht zu unterschätzen. Und ebenso wenig die Strahlkraft, die das Fest weit über die Grenzen der Berliner Community hinaus hat. Ganz gewiss hat es die öffentliche Wahrnehmung der queeren Szene über die letzten 25 Jahre mitgeprägt.

Zugleich aber hat sich auch der Kiez verändert: Das Gebiet um den Nollendorfplatz steht neuerdings auf der Polizeiliste der „kriminalitätsbelasteten Orte“. Wenn man so will, ist das Motto des ersten Stadtfestes („Gemeinsam sicher leben“) wieder so aktuell wie vor 25 Jahren. Und doch ist die Situation eine andere. „Damals waren die Übergriffe meist homophoben Ursprungs und wurden selten angezeigt. Jetzt machen sich leider auch teilweise Banden breit, die auf Taschendiebstahl und Raubüberfälle spezialisiert sind. Wie die homophoben Straftatbestände werden auch diese Fälle nunmehr aktenkundig und können verfolgt werden“, sagt Hoffmann. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schönberg, Angelika Schöttler, hat unlängst zusammen mit Maneo und der Polizei den AnwohnerInnen und Gewerbetreibenden des Regenbogenkiezes Unterstützung angeboten, gemeinsam das Viertel sicherer zu machen. Zum Beispiel durch eine bessere nächtliche Beleuchtung von Nischen und Hauseingängen, die Kriminellen als Versteck dienen könnten.

Und auch, was die Sicherheit auf dem Fest selbst angeht, haben die zuständigen Behörden ihr Konzept der veränderten Situation angepasst. Gerade im Wahljahr und angesichts wachsender rechter und homofeindlicher Tendenzen in der Gesellschaft gilt es umso mehr, als LGBTI-Community Präsenz und Selbstbewusstsein zu zeigen, sich zu begegnen und gemeinsam zu feiern.

Axel Schock

25. Lesbisch-Schwules Stadtfest, 15. und 16.07., ab 11:00,
Motzstraßenkiez


stadtfest.berlin



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