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Vermehrt Fälle von Sehschwäche nach Popperskonsum

Anfang der Woche kamen mehrere Patienten in die Praxis von Dr. Dr. Peter Kaulen und klagten über Sehschwäche nach Popperskonsum. SIEGESSÄULE fragte bei ihm nach, was es damit auf sich hat

© Illustration: Ivan Kuleshov

20.07.17. – Im letzten Jahr berichtete SIEGESSÄULE bereits über die immer häufiger auftretende Poppers-Makulopathie. In der Hochphase der queeren Feierlichkeiten taucht die gefährliche Sehschwäche vermehrt auf. Wir sprachen mit Dr. Dr. Peter Kaulen vom Augenzentrum Lichterfelde-West.

Anfang dieser Woche, direkt nach dem Motzstraßenfest, kamen mehrere Patienten mit denselben Beschwerden in Ihre Praxis. Worüber klagten Sie?
Wir haben in dieser Woche zahlreiche Patienten in unserer Praxis gesehen, die über diffuse Beschwerden wie Blendungsempfindlichkeit und Abnahme der Sehschärfe klagten. Einige haben berichtet, dass auch eine verstärkte Blendungsempfindlichkeit unmittelbar nach Popperskonsum aufgetreten ist. Besorgniserregend war, dass diese Beschwerden sich nicht kurzfristig zurückbilden.

Was genau ist Poppers-Makulopathie?
Die sogenannte Poppers-Makulopathie ist gekennzeichnet durch eine abnehmende Sehschärfe und zunehmende Blendungsempfindlichkeit. Wenn man das Auge als Organ untersucht, findet man Veränderungen in der Netzhaut – an der Stelle des schärfsten Sehens. Diese können mit geschädigten Photorezeptoren in Zusammenhang gebracht werden, also den Zellen, die für die Lichtwahrnehmung in der Netzhaut verantwortlich sind. Diese Veränderungen lassen sich nur nach Popperskonsum nachweisen, es gibt sonst keine bekannte Erkrankung oder Medikamente, die Ähnliches machen.

Es ist ein relativ junges Phänomen. Warum tauchen immer mehr Fälle auf?
Das ist schwer zu beantworten. Poppers wird seit vielen Jahrzehnten in der schwulen Szene konsumiert. Lange Zeit ohne irgendwelche negativen Auswirkungen. Die sogenannte Poppers-Makulopathie gibt es knapp zehn Jahre. Zum gleichen Zeitpunkt hat man beobachtet, dass die Popperszusammensetzung sich verändert hat, es treten jetzt andere chemische Verbindungen in den Vordergrund, die sehr viel stärker wirksam sind als die alten Substanzen der 90er-Jahre.

Die Vermutung liegt nahe, dass es auch am CSD-Wochenende zu erhöhtem Popperskonsum kommen kann. Worauf sollte man dabei achten?
Wenn unmittelbar nach dem Gebrauch von Poppers eine massive Blendungsempfindlichkeit auftritt, alles plötzlich extrem hell ist, die Lippen und die Fingernägel blau werden – auch ein relativ neues Phänomen – ist es klar, dass die Gefahr eines Gesundheitsschadens vorliegt. Wenn die reduzierte Sehschärfe und Blendungsempfindlichkeit anhält, unbedingt einen Augenarzt aufsuchen, der sich damit auskennt.

Sind die Schäden reparabel – und wenn wie?
Es gibt keine bewiesene Therapie für diese Erkrankung, Abstinenz ist das Einzige, was man empfehlen kann. Wir haben in unserer Praxis beobachtet, dass ca. 50% der Patienten im Verlauf von Monaten oder Jahren wieder besser sehen. Bei den Anderen ist es leider so schlecht geblieben. Ich will ja keine Spaßbremse sein, halte aber das Maß an Drogenkonsum in der schwulen Szene, zu denen ja auch Poppers gehören, für leichtsinnig.

Interview: Carsten Bauhaus



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