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Star-Stylist Sebastian Böhm im Interview: „In Berlin gibt es ein Überangebot an Drags“

Bekannt wurde Sebastian Böhm als Stylist von Tokio Hotel, seit 2016 betreibt er eine Agentur für Dragqueens. Wie es dazu kam, erzählt er im Interview mit SIEGESSÄULE

01.08.17 – Haar- und Make-up-Stylist Sebastian Böhm betreibt seit letztem Jahr die Drag Agency. Mit dieser Agentur vermittelt er Drag-PerformerInnen an verschiedene Events und veranstaltet mit einigen von ihnen auch die Show „Waschen, Schneiden, Talken“ im BKA. Er hat auch eine kleine Wohnung in Berlin, sein Hauptwohnsitz ist aber in Magdeburg, wo er den Salon Harricane betreibt. Wir haben ihn gefragt, wie er auf die Idee mit der Drag-Agentur gekommen ist

Sebastian, du hast früher mit der Band Tokio Hotel zusammengearbeitet und für viele bist du heute noch der Tokio Hotel Stylist. Geht dir das nicht auf den Nerv? Vor zwei Jahren habe ich mir vorgenommen, nie wieder über die Band zu sprechen, denn es ist für mich Segen und Fluch. Segen, weil es auch der Anfang meiner Karriere war und Fluch, weil ich diese Assoziation nicht mehr loswerde. Ich kann ja viel mehr als nur lustige Manga-Frisuren. Ich habe tolle Editorials in Zeitschriften wie zum Beispiel der italienischen Vogue gestylt. Natürlich gehört das auch zu meinem Leben, doch ich habe mit der Gruppe heute weder optisch noch inhaltlich etwas gemeinsam.

Du hast generell mit vielen Stars zusammengearbeitet. Gibt es jemanden, den du zukünftig noch treffen möchtest? Ich würde gerne mal bei Pink Hand anlegen. Das, was für viele Cher oder Lady Gaga ist, ist Pink für mich. Ich fand es immer faszinierend, dass sie so rotzig ist und sagt, was sie denkt. Was viele gar nicht wissen, ist, dass Pink die LGBTI-Community total unterstützt. Sie ist sehr eng mit Ellen DeGeneres befreundet und hat sich sehr für die Ehe für alle eingesetzt.

Was war deine ungewöhnlichste Begegnung mit einem Star? Ich wurde mal nach Wien geflogen, um einem Star die Haare zu machen, wusste aber nicht, um wen es sich handelt. Ich kam an, wartete in einem Raum voller Leute und habe dann zehn Minuten gewartet, bis mich der Manager fragte, ob ich nicht anfangen wolle. In einer Ecke saß dann Shakira. Ungeschminkt war sie total unscheinbar und ich habe sie gar nicht erkannt.

Wer ist deine Stilikone? Wenn ich eine nennen muss, dann ist es Freddie Mercury.

Im letzten Jahr hast du die Drag Agency gegründet. Mit dieser Agentur vermittelst du Jobs an Dragqueens und Dragkings. Es sind vor allem Berliner Gesichter in der Kartei. Wie kam es denn dazu, dass du neben all deinen anderen Projekten nun auch noch die Agentur gegründet hast? Zum einen begleitet mich das Thema drag schon seitdem ich mich schminke. Die Leute denken eben, nur aufgrund der Tatsache, dass ich Make-up trage, ich auch eine Dragqueen sein muss. Früher hatte ich immer eine Abwehrhaltung dagegen und habe mich klar abgegrenzt. Ich wollte nicht als Mann gesehen werden, der Glitzerkleider trägt, sondern einfach nur als Mann, der sich eben gerne schminkt und lustig aussieht. Außerdem kann ich weder singen noch tanzen oder etwas Ähnliches. Doch vor knapp zwei Jahren habe ich mein zehnjähriges Bühnenjubiläum als Show-Friseur gefeiert. Dann kam ein Freund auf die Idee, ich solle doch ein paar Dragqueens über den Laufsteg schicken. Sicherlich auch nicht die neuste Idee, aber wir haben in Magdeburg gefeiert und dort ist es ziemlich gut angekommen. Als ich die Mädels dann gebucht habe, waren sie total erstaunt, dass ich sie gut dafür bezahlt habe, weil sie gute Gagen nicht wirklich gewohnt sind. Das Problem ist, dass es in Berlin ein Überangebot an Drags gibt. Wenn dann jemand eine höhere Gage aushandeln will, wird eben nach einer anderen gesucht, die es für weniger macht. Außerdem fällt es vielen auch schwer, zu verhandeln und dem Veranstalter zu sagen, was sie erwarten und was ihre Arbeit wert ist. Das geht einfacher, wenn jemand anderes das für sie übernimmt. So ist dann die Idee für die Agency entstanden.

Funktioniert sie? Ja seit der Gründung im letzten Jahr geht es stets bergauf. Es ist natürlich nicht meine Haupteinnahmequelle, allerdings auch nicht für die KünstlerInnen. Es ist eher eine Art Zubrot. Ich vermittle auch weniger Auftritte in Clubs, sondern eher im Yellow-Press-Bereich. Das bedeutet, Auftritte auf dem roten Teppich oder Hostings bei unterschiedlichen Galas. Also alles eher Bereiche, in denen ich mich sowieso bewege und zuhause fühle.

Gibt es weitere Pläne für die Zukunft? Ich habe seit 14 Jahren mein Frisörgeschäft und kann darauf aufbauen. Deshalb ist es mir im wichtig, dass ich einfach weiterhin machen kann, was mich zufrieden stellt. Viele Anfragen kommen auf mich zu und ich muss nicht auf irgendwelche Castings gehen. Trotzdem macht mir schauspielern oder moderieren auch total viel Spaß.

Interview: Kaey

„Waschen, Schneiden, Talken“, 25. August, 20 Uhr, BKA
facebook.com/HairricaneMD



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