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40 Jahre SchwuZ

Melitta Poppe über das SchwuZ in der Kulmer Straße: „Es gab unbegrenzt Schaumwein ...“

Zum vierzigsten Geburtstag des SchwuZ blickt Tuntenlegende Melitta Poppe zurück auf die erste Phase des Schwulenzentrums, das bis 1987 in der Kulmer Straße 20 a residierte

Melitta Poppe vor dem ehemaligen SchwuZ in der Kulmer Straße © Matthias Hamann

12.09.17 – In einer Zeit, als noch einfache Sprache gesprochen wurde in einem vergangenen Jahrhundert, da lebte in einer großen Stadt eine wunderschöne junge PrinzessIn*. Weil sie so jung und schön war, traf sie sich regelmäßig mit anderen wunderschönen jungen PrinzessInnen** in einem Salon, den Verehrer ihrer Jugend und Schönheit eingerichtet hatten, damit sich die jungen PrinzessInnen** ungestört vom gemeinen Pöbel amüsieren und vergnügen konnten. Es gab unbegrenzt Schaumwein* und andere anregende Köstlichkeiten.

Die Wunderschönste* liebte es sehr, auf der kleinen Theaterbühne mit anderen hochbegabten und wunderschönen Gleichgesinntinnen selbst verfasste Dramolette* darzubieten: Baronesse von Sundström sang wie eine chinesische Nachtigall, Dame StroganoV entwarf märchenhafte Kostüme, Comtesse de Briquette bewahrte Haltung. Die Gruppe* nannte sich „Neidische Damen“ und wurde Vorbild für nachfolgende Generationinnen von wunderschönen und hochbegabten BühnenprinzessInnen***.

Nach den Aufführungen ließen sich die Prinz*essInnen feiern und aushalten und wunderten sich jedes Mal, dass trotz ihrer wunderschönen Kleider niemand von den begehrenswerten Helden sie jemals nach Hause bat. Vor lauter Kummer betranken sich die Verschmähten und mussten am Ende vom Personal* die vielen Treppen des Salons hinabbegleitet werden.

Einmal besuchte die hochbeleibte Königinmutter von Huber den Salon. Der Lastenaufzug streikte und so musste sie von den stärksten Helden auf etwas unwürdige Weise hochgehievt werden. Die Wunderschönen* kichern noch heute in ihre Fächer.

Doch eines Tages brach das Unheil über das Prinzessinnenreich herein: Eine unbekannte Seuche raffte viele Prinzessinnen und Helden dahin, und das unbeschwerte Leben war aufs Heftigste betrübt, da halfen auch keine Umzüge in größere und schönere Salons. Die PrinzessInnen** und Helden* trotzten dem Unheil mit Galgen- und Henkershumor*, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Melitta Poppe

SIEGESSÄULE präsentiert:
Discodrama – 40 Jahre Politics & Hedonism, 29.09., 19:00, SchwuZ
Den politischen Teil der Feierlichkeitenzu seinem 40. Jubiläum bestreitet das SchwuZ gemeinsam mit SIEGESSÄULE: die Podiumsdiskussion „Früher war alles besser?! Das SchwuZ zwischen Schutzraum und Shitstorm". Vorab gibt's ein Screening von „Mein wnderbares Westberlin“, im Anschluss Party.



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