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Studie

Umfrage zum Wahlverhalten von LGBTIs: Grüne vorne, AfD verliert

Laut einer aktuellen Studie der Universitäten Gießen und Wien wählen LGBTIs vor allem links von der Mitte. Bevorzugt werden Grüne, Linke und SPD, Schlusslicht bildet die AfD

Auf einer Pressekonferenz im Café Ulrichs stellten Mitglieder des Forschungsteams gestern die Studienergebnisse vor. V.l.n.r.: Henny Engels, Bundesvorstand LSVD, Prof. Dr. Dorothée de Nève und NIklas Ferch B.A., Justus-Liebig-Universität Giessen, Dr. Tina Olteanu, Universität Wien

19.09.17 – Die Ergebnisse einer LGBTI-Wahlstudie zur Bundestagswahl wurden gestern in Berlin vorgestellt. Demnach wählen LGBTIs zum Großteil Grüne, Linke oder SPD.

Die Grünen führten in der Befragung mit 29%, gefolgt von der Linkspartei mit rund 23%. Rund 22% der Befragten gaben an, die SPD zu wählen. Die FDP erreichte 9,5, die Union rund 7 Prozent. Deutliches Schlusslicht war die AfD: nur 2,7% der TeilnehmerInnen an der Umfrage präferierten diese Partei.

Ebenfalls 2,7% Prozent der Befragten gaben an, andere, kleinere Parteien zu wählen. Insgesamt 1,7% entschieden sich für die Optionen „ungültig wählen“ oder „nicht wählen“.

Die parteiunabhängige Studie wurde von WissenschaftlerInnen der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Wien, in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD), durchgeführt. Die Angaben von knapp 5.300 LGBTIs mit deutscher Staatsbürgerschaft flossen in die Auswertung ein.

Die Studie zeige, dass sich LGBTIs von einer „lesbischen Spitzenkandidatin nicht täuschen“ ließen, sagte Henny Engels, Sprecherin des LSVD, mit Blick auf Alice Weidel und die Studienergebnisse zur AfD. Die Befragten hätten „der homophoben und diskriminierenden AfD-Politik mit 2,7% eine deutliche Absage“ erteilt.

Die Zahlen unterscheiden sich drastisch von der vor wenigen Tagen veröffentlichen Umfrage des Dating-Portals PlanetRomeo zum Wahlverhalten der User des Portals: dort kam die Union auf 22% und die AfD auf 12%.

Der Unterschied lässt sich vermutlich auf eine andere Art der Datenerhebung und die unterschiedliche Breite der Zielgruppen zurückführen. Anders als beim Dating-Portal, das fast ausschließlich schwule Single-Männer anspricht, war die für die Studie befragte Gruppe etwas diverser: 65% der Befragten bezeichneten sich als Männer, rund 30% als Frauen. Als Transgender bezeichneten sich 1,6%. Die Gender-Angaben non-binary, gender-queer und genderfluid waren ebenfalls, mit jeweils unter einem Prozent, vertreten. Neben Lesben und Schwulen nahmen Bisexuelle, Pansexuelle, Asexuelle und sich als „queer“ definierende Personen an der Studie teil.

Auch die Studie dokumentierte dabei ein eigenes Wahlverhalten schwuler Männer: so war der Zuspruch zu Union, FDP und AfD unter den befragten Schwulen stärker, als etwa im Vergleich bei den befragten lesbischen Frauen oder trans* Personen.

Die Ergebnisse der Studie sind, wie bei anderen Meinungsumfragen auch, nicht als Prognose zu verstehen: Das tatsächliche Wahlergebnis am 24. September wird von vielen verschiedenen Faktoren abhängen. Die Umfrage lässt aber durchaus Rückschlüsse auf vorhandene Tendenzen innerhalb der queeren Community zu.

Die politische Debatte könne nicht zu Ende sein mit dem Erreichen der Ehe für alle, sagte Dorothée de Nève, Professorin für Politikwissenschaft, auf der gestrigen Pressekonferenz im Café Ulrichs, in deren Rahmen die Studienergebnisse präsentiert wurden. De Nève ist Mitinitiatorin der Studie der Universitäten Wien und Gießen. Ihrer Ansicht nach gebe es seitens der Parteien eine „zu starke Fixierung auf die Gesetzgebung.“ Gesetzliche Gleichstellung sei zwar wichtig, es gehe aber auch um eine Veränderung der politischen Kultur. „Jetzt müssen diese Gesetze, die da alle verabschiedet wurden, auch mit Leben gefüllt werden und da ist noch richtig viel Luft nach oben.“

Frühere Studien desselben Forschungsteams beschäftigten sich mit dem Wahlverhalten von LGBTIs bei der Gemeinderatswahl in Wien 2015 und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin 2016. Die nächste Studie wird am 6. Oktober veröffentlicht und wird sich mit dem Wahlverhalten von LGBTIs in Österreich beschäftigen – anlässlich der österreichischen Nationalratswahl, die am 15. Oktober stattfindet.

Hannah Geiger

Mehr Infos zur den Studien hier: lgbtiq-wahlstudie.eu/




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